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HPV-Impfung

Durchimpfungsrate zu niedrig

Gynäkologie & Geburtshilfe
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Jatros
01. Juni 2020
Bericht:
Dr. Corina Ringsell

<p class="article-intro">Österreichs Gratis-Kinderimpfprogramm wird nicht von allen Eltern gut angenommen. Viele lassen ihre Kinder nicht rechtzeitig oder nur unzureichend impfen. Aufholbedarf ist auch bei der HPV-Impfung gegeben, denn die Durchimpfungsraten liegen weiterhin unter 50 % .</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Seit mehr als 20 Jahren besteht in &Ouml;sterreich das Gratis-Kinderimpfprogramm. Es erm&ouml;glicht allen in &Ouml;sterreich lebenden Kindern bis zum 15. Lebensjahr unabh&auml;ngig von der finanziellen Situation der Familie den Zugang zu wichtigen Impfungen. &bdquo;Derzeit werden im Rahmen des Kinderimpfkonzepts acht verschiedene Impfungen gratis verabreicht, die Schutz gegen 13 Erregergruppen bieten&ldquo;, erkl&auml;rt Priv.-Doz. Mag. Dr. Maria Paulke-Korinek vom Bundesministerium f&uuml;r Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Leitung Abteilung f&uuml;r Impfwesen. Seit der Einf&uuml;hrung konnte zum Beispiel die Hospitalisierungsrate aufgrund einer Rotavirusinfektion um rund 90 % gesenkt werden.<br /> Doch obwohl das Programm von den meisten Eltern gut angenommen wird, lassen nicht alle ihre Kinder rechtzeitig und ausreichend impfen. &bdquo;Aus den Berechnungen der Durchimpfungsraten f&uuml;r Masern-Mumps-R&ouml;teln und Polio ist bekannt, dass Kinder in &Ouml;sterreich zu sp&auml;t und nicht ausreichend konsequent mit der notwendigen Anzahl an Dosen geimpft werden&ldquo;, sagt Paulke-Korinek. Ursache sei oft die Sorge der Eltern, dass ihre Kinder zu den empfohlenen Impfzeiten noch zu jung seien, was jedoch nicht der Fall sei, so die Expertin.<br /> Hohe Durchimpfungsraten seien aber wesentlich, um die von der Weltgesundheitsorganisation WHO gesteckten Ziele wie die Eradikation von HPV-induziertem Geb&auml;rmutterhalskrebs zu erreichen, betont Prof. Elmar Joura von der Universit&auml;tsklinik f&uuml;r Frauenheilkunde der Medizinischen Universit&auml;t Wien. Bis 2030 sollen laut WHO unter anderem 90 % aller M&auml;dchen bis 15 Jahre gegen HPV geimpft sein und die altersadaptierte Inzidenzrate auf unter vier pro 100 000 Frauenjahre gedr&uuml;ckt werden sowie 70 % aller Frauen zwischen 35 und 45 zumindest einmal auf HPV getestet werden.<br /> Wie gut das bei konsequenter Impfung funktionieren kann, zeigt ein Blick nach Australien. Dort war die H&auml;ufigkeit von Geb&auml;rmutterhalskrebs urspr&uuml;nglich &auml;hnlich hoch wie in &Ouml;sterreich (ca. 400 F&auml;lle/Jahr, zudem ca. 6700 Konisationen von HPV-bedingten Gewebsver&auml;nderungen am Geb&auml;rmutterhals). Aufgrund eines konsequent umgesetzten Impf- und Vorsorgeprogramms wird Australien voraussichtlich 2028 die Elimination des Geb&auml;rmutterhalskrebses erreichen. Schon 2019 waren dort mehr als 80 % aller 11- bis 39-j&auml;hrigen M&auml;dchen und Frauen geimpft. &Ouml;sterreich war zwar das erste Land, das 2014 die HPV-Impfung auch f&uuml;r Buben eingef&uuml;hrt und finanziert hat, dennoch liegen die Durchimpfungsraten weiterhin unter 50 % . &bdquo;&Ouml;sterreich liegt derzeit bei etwa acht Erkrankungsf&auml;llen pro 100 000 Frauenjahre &ndash; also dem Doppelten des WHO-Zieles &ndash; und wird die Elimination ohne Verbesserung der Durchimpfungsrate und routinem&auml;&szlig;igen Einsatz des HPV-Tests bei Frauen ab 30 voraussichtlich noch viele Jahre nicht erreichen&ldquo;, so Joura.</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: Workshop „Gratis-Kinderimpfprogramm: Warum ein optimaler Impfschutz für die Kleinsten so wichtig ist“, 12. Februar 2020</p>
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