Gesundheit in Europa – wo steht die Schweiz?
Europa lebt länger, aber nicht alle sind gesund. Ein neuer Bericht von EuroHealthNet und Centre for Health Equity Analytics (CHAIN) zeigt: Soziale Ungleichheiten beeinflussen Gesundheit massiv.
Brüssel. Laut dem neuen European Social Survey (2014–2024) berichten in der Schweiz nur 20 Prozent der Menschen mit niedrigerer Bildung über schlechten Gesundheitszustand. Das ist der niedrigste Wert unter den befragten Ländern. In Litauen sind es beispielsweise 58 Prozent. Doch selbst in der Schweiz gilt: Wer weniger Bildung hat, ist doppelt so oft krank wie Akademiker:innen (8 %). Diese Lücke entspricht dem europäischen Durchschnitt – und zeigt, dass auch hierzulande die soziale Herkunft über Gesundheit mitentscheidet.
Noch deutlicher wird der Kontrast bei psychischer Gesundheit: Nur 5 Prozent der oberen Berufsgruppen in der Schweiz gaben 2024 an, unter schlechter psychischer Gesundheit zu leiden – einer der besten Werte in Europa. In Litauen lag die Quote dagegen bei 17 Prozent. Bei den unteren Berufsgruppen stieg der Schweizer Wert auf 9 Prozent – deutlich besser als in Portugal (27 %), aber immer noch ein klarer Abstand zur Spitze.
Insgesamt reiht sich die Schweiz damit unter die Länder, die gesundheitlich relativ gut dastehen, jedoch keine Fortschritte beim Abbau sozialer Ungleichheiten erzielen. Vergleichbar sind etwa Österreich und Deutschland: Auch dort verbessert sich die Gesundheit vor allem für die Bessergestellten. Slowenien und Polen hingegen zeigen, dass es anders geht – dort verbessern sich Gesundheit und Chancengleichheit parallel. Für das Schweizer Gesundheitswesen bedeutet das: Prävention, Bildung und der Zugang zu Versorgung müssen konsequenter an den sozialen Determinanten ansetzen. Denn auch wenn die Schweiz im Ländervergleich glänzt – die inneren Gräben bleiben bestehen. (rüm)
Service: Publikation
Quelle: EuroHealthNet
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