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Cortisolregulation bis hin zur Notfalltherapie

Nebenniereninsuffizienz: Management in der Praxis

Aufgrund der Gefahr lebensbedrohlicher Nebennierenkrisen erfordern die Diagnostik und Therapie von Patient:innen mit Nebenniereninsuffizienz ein schnelles und zielgerichtetes Vorgehen. Fachspezifische Maßnahmen erfordern das Erkennen von Symptomen, die notwendige Diagnostik und ein effektives Management der Notfallsituation.

Abhängig von ihrer Ätiologie lässt sich die Nebenniereninsuffizienz in eine primäre, sekundäre und tertiäre Form unterteilen. Bei einer primären Nebenniereninsuffizienz handelt es sich um eine Störung auf Ebene der Nebenniere selbst. Mit einer Inzidenz von 10–22 Fällen pro 100000 Personen1–5 umfasst sie eine Reihe seltener Erkrankungen verschiedener Genese. Die häufigste genetische Ursache ist das adrenogenitale Syndrom (AGS). Es bezeichnet eine Gruppe autosomal-rezessiv vererbter Stoffwechselerkrankungen, bei denen eine gestörte Steroidbiosynthese vorliegt. In ca. 95% beruht das AGS auf einer Mutation im CYP21A2-Gen, das das Enzym 21-Hydroxylase codiert, das an der Cortisol- und Aldosteronsynthese beteiligt ist.6 Die häufigste Ursache der erworbenen primären Nebennierenrindeninsuffizienz ist mit 80–90% in Europa und Nordamerika eine Autoimmunadrenalitis (Morbus Addison).7 Weltweit gehören Infektionen und hierbei insbesondere die Tuberkulose zu den Hauptursachen.8,9 Darüber hinaus kann eine primäre Nebenniereninsuffizienz auch medikamentös (z.B. durch CYP3A4-Inhibitoren, Steroidsyntheseinhibitoren, Immuncheckpoint-Inhibitoren) sowie durch Blutungen oder Metastasen hervorgerufen werden.10 Eine sekundäre Nebenniereninsuffizienz entsteht durch Störungen auf Ebene der Hypophyse. Dies umfasst Schädigungen des Hypophysenvorderlappens, die entweder zu einer unzureichenden Produktion von adrenokortikotropem Hormon (ACTH) allein oder auch zu einem Mangel an anderen Hypophysenhormonen führen können. Mit 14–28 Fällen pro 100000 Personen (Daten aus dem Vereinigten Königreich und Spanien) zählt sie ebenfalls zu den seltenen Erkrankungen.11,12 Ursachen für erworbene sekundäre Nebenniereninsuffizienzen umfassen beispielsweise Tumoren (z.B. Kraniopharyngeome, Meningeome, Metastasen), Traumata (z.B. nach einem Verkehrsunfall bzw. ein Schütteltrauma bei Kindern), die Einnahme von Opioiden und Schlaganfälle (z.B. Sheehan-Syndrom).10 Den angeborenen Formen liegt eine Reihe von seltenen genetischen Defekten zugrunde, die an der ACTH-Synthese beteiligt sind.

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