Herausforderung bei Bewegung und Sport bei automatisierter Insulinabgabe
Autor:innen:
Univ.-Ass. Katharina Bünzel, BSc, MSc
Univ.-Ass. Dr. Ulrike Leb-Stöger
Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Othmar Moser
Institut für Bewegungswissenschaften, Sport & Gesundheit
Forschungsgruppe Sportphysiologie, Trainingswissenschaft & Trainingstherapie
Trainings- und Diagnostikzentrum (TDZ) Universität Graz
E-Mail: katharina.buenzel@uni-graz.at
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Automatisierte Insulinabgabe(AID)-Systeme erleichtern das Glukosemanagement bei Menschen mit Typ-1-Diabetes (T1D). Dieses Faktum wurde u.a. während körperlicher Aktivität und Sport gezeigt. Bewegung stellt für AID-Systeme weiterhin eine Herausforderung dar, da geplante wie spontane Aktivitäten einen hohen Einfluss auf glykämische Metriken haben und das Therapiemanagement erschweren. Neben praxisrelevanten Strategien für den Alltag sollen folgend Perspektiven künftiger Systeme, wie der Einsatz von künstlicher Intelligenz und neuronalen Netzen, diskutiert werden.
Keypoints
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Bewegung als zentraler Baustein für T1D-Management: verbessert Insulinsensitivität, glykämische Kontrolle und psychisches Wohlbefinden.
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Insulinmanagement bei physischer Aktivität ist entscheidend: Individuelle Anpassungen, auch bei Nutzung automatisierter Insulinabgabesysteme, sind wichtig, um Hyper- und Hypoglykämien zu vermeiden.
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Weitere Chancen in Zukunftstechnologien sind schnell wirksame Insuline, (bihormonale) „Fully-closed-loop“-Systeme und KI-basierte Ansätze.
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Sie könnten dazu beitragen, physische Aktivität und Bewegung für Menschen mit T1D effektiver und sicherer zu machen.
Regelmäßige physische Aktivität und Sport sind auch für Menschen mit T1D ein zentraler Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Bewegung verbessert die Insulinsensitivität, optimiert die glykämische Kontrolle, reduziert kardiovaskuläre Risiken und die Mortalität und steigert die Fitness sowie das psychische Wohlbefinden.1 Gleichzeitig erfordern physische Aktivität und Sport bei Menschen mit T1D eine sorgfältige Therapieanpassung, da Hypo- und Hyperglykämien vor, während und nach der Bewegung auftreten können.1 Ein vertieftes Verständnis der physiologischen Effekte auf den Glukosestoffwechsel ist daher essenziell, um Bewegung sicher in das Diabetesmanagement zu integrieren.
Aktuelle Optionen zu Bewegung und AID-Systeme
AID unterstützen das Management, stoßen jedoch an Grenzen wie bspw. suboptimale Genauigkeit der Werte bei kontinuierlicher Glukosemessung (CGM), verzögerte Insulinabsorption oder manuelle Eingaben von Kohlenhydraten oder Aktivitäten.2 Algorithmen dieser Systeme basieren überwiegend regelungstechnisch auf klassischen Modellen und sind nicht selbstlernend.3,4 Weitere Herausforderungen stellen geplante sowie ungeplante Bewegung und physische Aktivitäten dar.
Weltweit sind sechs AID-Systeme verfügbar. Grundlegende Empfehlungen gelten für alle Systeme, jedoch müssen systemspezifische Unterschiede in den Einstellungen und der Handhabung berücksichtigt werden. In der Leitlinie zur AID-Nutzung bei Bewegung und körperlicher Aktivität sind für jedes System explizite Empfehlungen zu spontaner und angekündigter physischer Aktivität und Sport beschrieben.5 Es zeigen sich fünf zentrale Schlüsselstrategien für Bewegung und körperliche Aktivität mit AID-Systemen (Tab.1).
Tab. 1: Praxistipp:fünf Schlüsselstrategien für Bewegung und körperliche Aktivitäten mit AID-Systemen
Zukunftsperspektiven zu Bewegung und AID-Systemen
Schnell wirksame Insuline zeigen im Kontext körperlicher Aktivität häufig eine verzögerte Wirkungseintrittszeit sowie eine verlängerte Wirkdauer auf. Gleichzeitig ist die interstitielle Glukosemessung der Blutglukose zeitlich nachgeordnet, wodurch rasche glykämische Veränderungen nur verzögert erfasst werden. Zudem wird körperliche Aktivität von bestehenden Systemen oftmals verspätet oder nicht zuverlässig erkannt, was die Anpassung der Insulindosierung zusätzlich erschwert.6
Schnelles Insulin
Eine neuartige Insulin-aspart-Formulierung mit deutlich schnellerem Wirkungseintritt konnte in einer randomisierten, doppelblinden „Cross-over“-Studie bei Menschen mit T1D untersucht werden und zeigte sich den bereits am Markt verfügbaren Insulinen überlegen mit gleichzeitig zufriedenstellendem Sicherheitsprofil.7
Bewegungsdetektion
Cho et al. entwickelten 2024 ein „machine-learning“-basiertes Sensorsystem, das Bewegungsbeginn, -ende sowie Aktivitätstyp und -intensität in Echtzeit erkennt. Für angekündigte Aktivitäten erreichte das Modell hohe Genauigkeiten (81% für Bewegungsbeginn, 78% für Bewegungsende, ca. 73,5% für Typ und Intensität), während diese bei nicht angekündigtem Training leicht abnahmen. Die höchste Genauigkeit zeigte sich bei Kraft- und aeroben Trainingsformen, was das Potenzial einer Integration in AID-Systeme zur verbesserten Insulindosierung unterstreicht.8
CGM-Performance
CGM-Überwachung spielt eine zentrale Rolle für die sichere Steuerung von Insulintherapien, insbesondere bei sportlicher Aktivität. Aktuelle Systeme wie FreeStyle Libre 3 (Abbott) und Dexcom G7 (Dexcom) zeigen eine sehr gute Genauigkeit (Mean Absolute Relative Difference [MARD] 9,5% für FreeStyle Libre 3, 9,9% für Dexcom G7) und Stabilität im Alltag. Medtronic Simplera (Medtronic) liegt leicht hinter den Konkurrenten (MARD 13,9%), erfüllt jedoch ebenfalls die Anforderungen an CGM-Geräte.9 Diese Werte konnten in einer Real-World-Studie unter sportspezifischen Belastungen bestätigt werden.10 Vor diesem Hintergrund sind neue Sensoren wie bspw. der Instinct Sensor von Medtronic besonders interessant, da sie eine schnellere Reaktion auf Glukoseänderungen versprechen und damit die Performance von AID-Systemen während Training und Wettkampf weiter verbessern könnten.11
„Fully closed loop“ – eine (Traum-)Vorstellung
Ein Blick in die nahe und fernere Zukunft zeigt vielversprechende Entwicklungen im Bereich der „Fully-closed-loop“-Systeme (FCL). Systeme wie das dieses Jahr eingeführte CamAPS HX kommen ohne manuelle Mahlzeitenankündigung und Kohlenhydratzählen aus.12 Auch sollen in FCL-Systemen keine Eingaben für körperliche Aktivität mehr nötig sein. Zudem werden bihormonale Systeme entwickelt, die Insulin und Glukagon abgeben und eine verbesserte „time in range“ (TIR; 70–180mg/dl) sowie weniger Hypoglykämien, auch bei spontaner Bewegung,zeigen (Abb.1).12 In einer Studie von 2024 stieg die TIR unter FCL-Nutzung von 55,5% auf 80,3%, wenngleich der klinische Routineeinsatz und die Sicherheit der FCL-Systeme bei körperlicher Aktivität bislang noch nicht umfassend untersucht sind.13
Praxistipp
In Tabelle 1 finden Sie 5 Schlüsselstrategien, die bei Bewegung und körperlicher Aktivität mit AID-Systemen helfen können.Aktuelle Forschungsansätze untersuchen die Integration künstlicher Intelligenz und neuronaler Netze in AID-Systemen, um körperliche Aktivität automatisiert über physiologische Signale zu erkennen und präventiv darauf zu reagieren.6 Dennoch bleibt physische Aktivität eine zentrale Herausforderung bestehender Algorithmen. Dies zeigt sich insbesondere in Studien, die unangekündigte körperliche Aktivität („unannounced exercise“) explizit analysieren und hervorheben, dass die automatische Anpassung der Insulindosierung ohne zusätzliche Nutzereingaben nach wie vor ein zentrales technisches Defizit aktueller „Closed-loop“-Algorithmen ist. Vor diesem Hintergrund wird die Weiterentwicklung intelligenter Algorithmen, die physiologische Aktivitätssignale integrieren und daraus autonome Steuerungsentscheidungen ableiten, als ein entscheidender nächster Schritt gesehen, um eine wirklich automatisierte, Sport-informierte Insulinversorgung zu erreichen.14 Die Entwicklung intelligenter, aktivitätsinformierter Algorithmen gilt daher als entscheidender nächster Schritt, wobei KI-basierte und „deep-learning“-gestützte AID-Systeme bislang noch Forschungsgegenstand und keine klinische Realität sind.15
Abb. 1:Schematische Darstellung eines „Fully-closed-loop“(FCL)-Systems und zentraler Einflussfaktoren sowie deren Auswirkungen auf glykämische Outcomes
Literatur:
1 Riddell MC, Peters AL: Exercise in adults with type 1 diabetes mellitus. Nat Rev Endocrinol 2023; 19(2): 98-111 2 Sherr JL et al.: Automated insulin delivery: benefits, challenges, and recommendations. A consensus report of the joint diabetes technology working group of the European Association for the Study of Diabetes and the American Diabetes Association. Diabetologia 2022; 66: 3-22 3 Cinar A: Automated Insulin delivery algorithms. Diabetes Spectr 2019; 32(3): 209 4 Phillip M et al.: Consensus recommendations for the use of automated Insulin delivery technologies in clinical practice. Endocr Rev 2023; 44(2): 254-80 5 Moser O et al.: The use of automated Insulin delivery around physical activity and exercise in type 1 diabetes: a position statement of the European Association for the Study of Diabetes (EASD) and the International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD). Diabetologia 2025; 68(2): 255-80 6 Zimmer RT et al.: (Hybrid) Closed-loop systems: from announced to unannounced exercise. Diabetes Technol Ther 2023; doi: 10.1089/dia.2023.0293 7 Svehlikova E et al.: Pharmacokinetics and pharmacodynamics of a novel U500 Insulin aspart formulation: a randomized, double-blind, crossover study in people with type 1 diabetes. Diabetes Care 2023; 46(4): 757-64 8 Cho S et al.: Design of a real-time physical activity detection and classification framework for individuals with type 1 diabetes. J Diabetes Sci Technol 2024; 18(5): 1146-56 9 Eichenlaub M et al.: Performance of three continuous glucose monitoring systems in adults with type 1 diabetes. J Diabetes Sci Technol 2025; 19322968251315459 10 Sanfilippo S et al.: Performance of three simultaneously used rtCGM systems around a physically active weekend camp in adults with type 1 diabetes: a prospective lab and real-world study. Diabetes Obes Metab 2026; 28(3): 1867-73 11 Medtronic™: Get to know the simplera SyncTM Sensor |. https://www.medtronicdiabetes.com/loop-blog/meet-simplera-sync-sensor?utm_source=chatgpt.com; zuletzt aufgerufen am 23.3.2026 12 Fan W et al.: Fully automated insulin delivery systems in type 1 diabetes: a systematic review and meta-analysis. Diabetes Obes Metab 2025; 27(8): 4547-56 13 van Bon AC et al.: Bihormonal fully closed-loop system for the treatment of type 1 diabetes: a real-world multicentre, prospective, single-arm trial in the Netherlands. Lancet Digit Health 2024; 6(4): e272-80 14 Zimmer RT et al.: (Hybrid) Closed-loop systems: from announced to unannounced exercise. Diabetes Technol Ther 2023; doi: 10.1089/dia.2023.0293 15 Lakshman R et al.: Lived experience of fully closed-loop Insulin delivery in adults with type 1 diabetes. Diabetes Technol Ther 2024; 26(4): 211-21
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