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Zwischen Anspruch und Realität

Ernährungskompetenzen österreichischer Hausärzt:innen

Hausärzt:innen sind meist die erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem und damit häufig auch mit ernährungsbezogenen Fragestellungen konfrontiert. Doch wie belastbar ist ihr Wissen im Praxisalltag? Eine aktuelle Querschnittsstudie aus Österreich zeigt deutliche Unterschiede je nach Krankheitsbild und unterstreicht den Bedarf an struktureller Verbesserung.

Keypoints

  • Ernährungswissen von Hausärzt:innen variiert stark je nach Krankheitsbild.

  • Besonders bei Adipositas bestehen relevante Wissensdefizite.

  • Fortbildungen zeigen einen positiven Effekt.

  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Diätolog:innen wird klar befürwortet.

Ernährung spielt eine zentrale Rolle in der Prävention und Therapie zahlreicher chronischer Erkrankungen. Haus-ärzt:innen übernehmen dabei eine Schlüsselrolle, da sie oft die erste Kontaktstelle im Gesundheitssystem sind und sowohl präventive als auch therapeutische Empfehlungen geben. Gleichzeitig steigt die Prävalenz ernährungsassoziierter Erkrankungen wie Adipositas oder Typ-2-Diabetes kontinuierlich an. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie gut Hausärzt:innen in Österreich in Bezug auf krankheitsspezifische Ernährungsfragen informiert sind.

Quantitative Querschnittsstudie

Im Rahmen einer quantitativen Querschnittsstudie wurde das Ernährungswissen österreichischer Hausärzt:innen mittels eines Onlinefragebogens erhoben. Die Wissensüberprüfung erfolgte anhand jeweils einer leitlinienbasierten Single-Choice-Frage pro Krankheitsbild. Insgesamt konnten 134 Datensätze ausgewertet werden. Abgefragt wurde:

  • Wissen zu 6 häufigen Erkrankungen (Adipositas, Hyperurikämie, Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2, Hypertriglyzeridämie, Hypercholesterinämie)

  • Selbsteinschätzung

  • Überweisungsverhalten an Diätologie

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Varianz im Ernährungswissen je nach Krankheitsbild. Die Prozentwerte geben an, wie viele Hausärzt:innen die jeweilige Wissensabfrage korrekt beantworten konnten.

  • Adipositas: 37,9% korrekt

  • Hyperurikämie: 55,8% korrekt

  • Hypertonie: 53,1% korrekt

  • Diabetes mellitus Typ 2: 79,4% korrekt

  • Hypertriglyzeridämie: 92% korrekt

  • Hypercholesterinämie: 71,5% korrekt

Besonders auffällig ist das geringere Wissen bei Adipositas, obwohl diese Erkrankung eine hohe Prävalenz aufweist. Demgegenüber zeigte sich bei lipidassoziierten Erkrankungen ein deutlich besserer Wissensstand (Abb.1).

Abb. 1: Ergebnisse der Wissensüberprüfung je Krankheitsbild (nach Hochrathner T.)

Bedeutung für die Praxis: Was beinflusst Ernährungswissen?

Die Ergebnisse der Analyse zeigen mehrere Einflussfaktoren:

  • Jüngere Ärzt:innen beantworten Adipositasfragen häufiger korrekt.

  • Zusatzausbildungen verbessern das Wissen (z.B. bei Hypertonie).

  • Selbsteinschätzung und tatsächliches Wissen stimmen nicht immer überein.

Praxistipp
Nutzen Sie gezielt die Zusammenarbeit mit Diätolog:innen bei ernährungs­assoziierten Erkrankungen – insbesondere bei komplexen Fällen wie Adipositas oder metabolischem Syndrom. Eine frühzeitige Überweisung kann die Therapiequalität deutlich verbessern. Die Ergebnisse sollten vor dem Hintergrund einer begrenzten Stichproben­größe und möglicher Verzer­rungen durch das Studien­design interpretiert werden.

Ein Teil der Wissensunterschiede könnte auch durch die Praxisrelevanz der Fragen erklärt werden: Detailwissen (z.B. exakte Zahlenwerte) sind im Alltag oft weniger präsent als grundlegende Empfehlungen. Die Ergebnisse legen nahe, dass Ernährungswissen in der hausärztlichen Versorgung nicht einheitlich ausgeprägt ist. Insbesondere bei komplexen oder praxisfernen Detailfragen (z.B. bei exakten Kalorienwerten) zeigten sich größere Wissenslücken.

Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass Hausärzt:innen im Praxisalltag oft unter Zeitdruck stehen und Ernährungstherapie nicht immer im Detail umsetzen können. Dies unterstreicht die Bedeutung einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit Diätolog:innen (Abb.2). Ein besonders relevantes Ergebnis:

  • 95,1% der Befragten sprechen sich für eine Kassenleistung der Diätologie aus.

  • 87,8% würden häufiger überweisen, wenn dies finanziell abgedeckt wäre.

Abb. 2: Weiterüberweisungen an die Diätologie je Krankheitsbild (nach Hochrathner T.)

Die vorliegenden Daten basieren auf der Bachelorarbeit der Autorin und wurden bereits im Rahmen dieser publiziert.

bei der Verfasserin

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