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Ausbildungsmaterial, Curricula und Möglichkeiten
Jatros
Autor:
Priv.-Doz. Dr. Gudrun Kreye
Klinische Abteilung für Innere Medizin 2, Universitätsklinikum Krems<br> E-Mail: gudrun.kreye@krems.lknoe.at
30
Min. Lesezeit
17.11.2016
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<p class="article-intro">In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass Patienten mit Krebs in fortgeschrittenen Stadien zusätzlich zur Standardtherapie supportive und palliative Maßnahmen benötigen.<sup>1–4</sup> Viele nationale und internationale professionelle Organisationen haben zu einer vermehrten Integration von palliativmedizinischen Maßnahmen in die Behandlung von onkologischen Patienten aufgerufen.<sup>5–8</sup></p>
<p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Key Points</h2> <ul> <li>Es ist für jeden Onkologen essenziell, palliativmedizinische Maßnahmen einzusetzen.</li> <li>Bei spezielleren Fragen sollte ein Experte für Palliativmedizin hinzugezogen werden.</li> <li>Hingegen sollte es für Palliativmediziner, die hauptsächlich mit onkologischen Patienten zu tun haben, verpflichtend sein, sich ebenfalls mit dem neuesten Stand onkologischer Therapien zu beschäftigen.</li> <li>Rasante Entwicklungen in der Onkologie verändern die Landschaft vor allem in Hinblick auf Überlebensdaten.</li> </ul> </div> <p>Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (European Society for Medical Oncology, ESMO) bietet seit 2004 ein motivierendes Programm an, welches onkologischen Zentren, die Palliativmedizin integrieren, ermöglicht, sich für das Prädikat „ESMO designated center of integrated oncology and palliative care“ zu bewerben (Cherny, Ann Oncol 2010). Zentren, die dieses Prädikat tragen dürfen, müssen insgesamt 13 Kriterien erfüllen, die gewährleisten, dass palliative Betreuung routinemäßig in der Behandlung onkologischer Patienten etabliert ist. Zudem müssen an solchen Zentren Ausbildung in palliativen Themen sowie Forschung auf diesem Gebiet gewährleistet und nachgewiesen sein. <br />Bislang fehlt jedoch ein allgemeiner Konsensus darüber, welches Level an Integration ausreichend ist, um ein optimales Integrationskonzept zu bieten. <br />Eine rezente Studie von Hui et al beschäftigte sich mit der Erstellung von Indikatoren, die für die Integration palliativer Betreuung bei onkologischen Patienten maßgeblich sind.<sup>9</sup> Hierfür wurden Experten im Rahmen eines Delphi-Prozesses gebeten, 52 mögliche Indikatoren zu evaluieren. Nach 3 Runden kristallisierten sich 13 Hauptindikatoren und 30 Nebenindikatoren heraus, die (nach weiterer Validierung) die Basis zur Identifikation von Zentren mit einem hohen Integrationslevel bilden könnten. Vier der Hauptindikatoren in Bezug auf klinische Prozesse waren Interdisziplinarität des Teams, routinemäßiges Symptomscreening, Dokumentation von „advanced care plann­ing“ und frühzeitige Zuweisung zu palliativer Mitbetreuung.</p> <p>Vier Indikatoren bekräftigten die Wichtigkeit der Ausbildung zukünftiger Onkologen in Hinblick auf palliative Betreuung.<sup>10</sup> Im Ausbildungskonzept der Onkologen sollte eine Rotation auf eine Palliativeinrichtung Pflicht sein, kombiniert mit Fortbildungen zu diesen Themen.<sup>11</sup> <br />Eine amerikanische Studie evaluierte mittels eines Fragebogens den Wissensstand von Onkologen in Ausbildung und stellte einige Wissenslücken bezüglich palliativmedizinischer Themen fest.<sup>12</sup> Außerdem wiesen nur ca. 25 % aller „fellowship programs“ in den USA verpflichtende Rotationen an palliativmedizinischen Einrichtungen auf. Das „Global Core Curriculum“ für die onkologische Ausbildung, welche sowohl von der ESMO als auch der ASCO (Amer­ican Society of Clinical Oncology) befürwortet wird, legt Wert auf eine gute Ausbildung in Bezug auf palliative Betreuung.</p> <h2>Ausbildung für Onkologen</h2> <p>Entsprechend den ESMO/ASCO-Empfehlungen für ein globales Curriculum in medizinischer Onkologie benötigt man zur Ausbildung zum medizinischen Onkologen ein Minimum von 5 Jahren, wobei zumindest 2 Jahre Ausbildung in innerer Medizin erfolgen sollten, gefolgt von einem onkologischen Ausbildungsprogramm, welches ein klinisches Vollzeittraining in der Diagnose und im Management von Krebspatienten inkludiert. Vorgeschlagen wird auch, Erfahrung in der Krebsforschung zu sammeln, zumindest für ein Jahr, vorzugsweise im Ausland (ESMO-ASCO Recommendations). Gefordert wird auch die kontinuierliche medizinische Weiterbildung („continuous medical education“, CME) von Onkologen.<sup>13</sup> <br />Die ESMO bietet eine multidisziplinäre Fakultät von über 300 führenden Onkologen und ein weites Spektrum an zielgerichteten Informationen, Fortbildungen und E-Learning-Modulen an. Meetings, Kurse und Stipendien sowie eine jährliche Prüfung („ESMO examination“) helfen außerdem, den Wissensstand zu vertiefen (http://www.esmo.org/Science-Education). Auch hierbei wird wiederum Wert auf die Ausbildung und die Aneignung von Fertigkeiten im Umgang mit palliativen Patienten und Situationen am Lebensende gelegt.<sup>14</sup></p> <h2>Ausbildung Palliativmediziner</h2> <p>Derzeit gibt es nur in drei europäischen Ländern Fachärzte für Palliativmedizin (EAPC), nämlich in Großbritannien, Polen sowie Irland.<sup>15</sup> 18 europäische Länder (Stand 1/2014) bieten Programme für die Spezialisierung in Palliativmedizin („programmes on specialisation in palliative medicine“, POS-PM) an. Österreich gehört jedoch noch nicht dazu. Die Spezialisierung auf Palliativmedizin ist bei der ÖÄK und dem BMG eingereicht (EAPC-konform: 12 Monate auf Palliativeinrichtung + 6 Monate aus Sonderfach angerechnet + Theoriekurs).</p> <h2>Integration von Onkologie und Palliativmedizin</h2> <p>Es gibt verschiedene Modelle der Integration palliativer Betreuung im onkologischen Setting.<sup>16</sup> Professionelle Onkologen sollten eine Doppelrolle als Onkologe und Palliativmediziner haben. Alle Onkologen sollten die Grundzüge palliativer Betreuung beherrschen. Palliativmediziner, die hauptsächlich mit onkologischen Patienten arbeiten, sollten ein fundiertes Grundwissen über Hämatoonkologie haben. <br />Hierfür empfiehlt die ESMO, sich mit 9 Kernkompetenzen auseinanderzusetzen:</p> <ul> <li>Onkologisches Management von fortgeschrittenem Krebs</li> <li>Kommunikation mit Krebspatienten und ihren Angehörigen</li> <li>Management von Komplikationen</li> <li>Evaluation und Management der körperlichen Symptome von Krebs und Krebstherapien</li> <li>Interdisziplinäre Betreuung</li> <li>Palliative Forschung</li> <li>Ethische Aspekte im Umgang mit Krebspatienten</li> <li>Verhinderung von Burnout</li> </ul> <h2>Zukunftskonzepte – Ausblick</h2> <p>Aufgrund der rasanten Entwicklungen auf dem Gebiet der Onkologie, die unter anderem dazu führen, dass auch Patienten mit weit fortgeschrittener Erkrankung immer länger leben, wird auch die Entwicklung der onkologischen Palliativmedizin einem Wandel unterworfen sein. <br />Daher ist es enorm wichtig, dass einerseits Hämatoonkologen auf dem Gebiet palliativer Behandlungsoptionen ausgebildet werden, andererseits Palliativmediziner ständig auf dem neuesten Wissensstand auf dem Gebiet für sie relevanter onkologischer Therapien mit all ihren positiven Konsequenzen und Nebenwirkungen sind. <br />Eine ständige bilaterale Fortbildung erscheint daher essenziell.</p></p>
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<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
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<p><strong>1</strong> Hui D et al: Impact of timing and setting of palliative care referral on quality of end-of-life care in cancer patients. Cancer 2014; 120: 1743-9 <strong>2</strong> Temel JS et al: Early palliative care for patients with metastatic non-small-cell lung cancer. N Engl J Med 2010; 363: 733-42 <strong>3</strong> Zimmermann C et al: Early palliative care for patients with advanced cancer: a cluster-randomised controlled trial. Lancet 2014; 383: 1721-30 <strong>4</strong> Abernethy AP et al: Delivery strategies to optimize resource utilization and performance status for patients with advanced life-limiting illness: results from the ‘palliative care trial’. J Pain Symptom Manage 2013; 45: 488-505 <strong>5</strong> Ferris D et al: Palliative cancer care a decade later: accomplishments, the need, next steps. J Clin Oncol 2009; 27: 3052-8 <strong>6</strong> Cherny N et al: European Society for Medical Oncology (ESMO) program for the integration of oncology and palliative care: a 5-year review of the designated centers incentive program. Ann Oncol 2010; 21: 362-9 <strong>7</strong> Kaasa S: Integration of general oncology and palliative care. Lancet Oncol 2013; 14: 571-2 <strong>8</strong> Saarto T: Palliative care and oncology: the case of early integration. Eur J Pall Care 2014; 21: 109 <strong>9</strong> Hui D et al: Indicators of inte­gration of oncology and palliative care programs: an international consensus. Ann Oncol 2015; 26: 1953-9; <strong>10</strong> Abraham JL: Integrating palliative care into comprehensive cancer care. J Natl Compr Canc Netw 2012; 10: 1192-8 <strong>11</strong> Dittrich C et al: ESMO/ASCO recommendations for a Global Curriculum (GC) in medical oncology-edition 2016. Ann Oncol 2016; 27(8): 1378-81 <strong>12</strong> Buss MK et al: Hematol­ogy/oncology fellows training in palliative care: results of a national survey. Cancer 2011; 117: 4304-11 <strong>13</strong> Schrijvers D et al: Continuing medical education: a must for every medical oncologist. Ann Oncol 2003; 14 (10): 1455-9 <strong>14</strong> Cherny N et al: ESMO takes a stand on supportive and palliative care. Ann Oncol 2003; 14 (9): 1335-7 <strong>15</strong> Bolognesi D et al: Specialisation in palliative medicine for physicians in Europe 2014. A supplement of the EAPC Atlas of Palliative Care in Europe. EAPC (<a href="http://www.eapcnet.eu" target="_blank">www.eapcnet.eu</a>) <strong>16</strong> Strasser F: Integrated oncology and palliative care – Part 2. ESMO e-learning module</p>
</div>
</p>
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