Beeinflussung kognitiver Funktionen unter Darolutamid versus Enzalutamid
Bericht:
Dr. Ine Schmale
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Der Erhalt der kognitiven Funktion ist ein wichtiges Bedürfnis von Krebspatient:innen. In einer randomisierten Phase-II-Studie wurden als primärer Endpunkt Veränderungen der Kognition bei Patient:innen mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom, die Darolutamid oder Enzalutamid erhielten, geprüft.
Strukturelle Unterschiede und präklinische Studien geben Hinweise auf eine niedrigere Blut-Hirn-Penetration mit Darolutamid im Vergleich zu Enzalutamid, was zu einer Reduktion der Beeinflussung der kognitiven Leistungsfähigkeit unter der Therapie führen könnte. Die Phase-II-Studie ARACOG wurde durchgeführt, um prospektiv die objektive und subjektive kognitive Funktion bei Patient:innen zu untersuchen, die mit Darolutamid versus Enzalutamid behandelt wurden. Insgesamt 111 Patient:innen erhielten Darolutamid oder Enzalutamid und konnten nach 12 oder 24 Wochen in den jeweils anderen Studienarm wechseln. Dazu musste der Wechsel gewollt sein und eines der folgenden Ereignisse stattgefunden haben:
≥30% Abfall in einem der CANTAB-Module,
≥10 Punkte Abfall im FACT-Cog-Fragebogen,
Stürze oder erhöhtes Risiko für Stürze nach Einschätzung des Behandelnden,
neurologische Toxizität ≥Grad 2.
Mit dem CANTAB („Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery“) MCCD („Maximally Changed Cognitive Domaine“) wurde ein computergestützter Test zur Messung der kognitiven Leistungsfähigkeit verwendet, um die kognitive Veränderung von Therapiebeginn bis zu Woche 24 zu messen. Die CANTAB-Module wurden ausgewählt, weil sie Bereiche abdecken, die während der Androgendeprivationstherapie (ADT) beeinflusst werden könnten:
exekutive Funktion,
visuelles Gedächtnis,
Arbeitsgedächtnis,
Aufmerksamkeit.
5 Module mit übergreifenden Funktionen aus jeweils zwei Bereichen wurden ausgewertet.
Nach 24 Wochen Behandlungszeit wurde unter Enzalutamid ein größerer Abfall der MCCD beobachtet im Vergleich zu Darolutamid (p=0,009). Unter Darolutamid waren die auffälligsten Änderungen in den überschneidenden Bereichen visuelles Gedächtnis und exekutive Funktion, unter Enzalutamid in den überschneidenden Bereichen Arbeitsgedächtnis und exekutive Funktion. Nach 24 Wochen waren 4 von 5 Modulen im Vergleich der Studienarme statistisch unterschiedlich, mit einem Vorteil für Darolutamid.
Als weiterer Test zur Einschätzung der kognitiven Funktion wurde die Lernfähigkeit innerhalb der CANTAB-Module untersucht. Patient:innen, die mit Darolutamid behandelt wurden, zeigten eine erhaltene Lernfähigkeit oder stabile Funktionen, während mit Enzalutamid behandelte Patient:innen stabile Funktionen oder eine Verschlechterung der kognitiven Funktionen aufwiesen.
Nach 12 Wochen wechselten 52% und nach 24 Wochen 71% der Patient:innen, die die Cross-over-Kriterien erfüllten, von Enzalutamid zu Darolutamid. Es wechselte keine:r der Patient:innen, die die Cross-over-Kriterien erfüllten, von Darolutamid zu Enzalutamid. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass die ARACOG-Studie in den USA durchgeführt wurde und Patient:innen Darolutamid gestellt bekamen, während Enzalutamid nur über das Gesundheitssystem, gegebenenfalls mit Zuzahlungen, zu beziehen war.
Fazit:
Unter Enzalutamid wurde ein signifikant größerer Abfall der kognitiven Funktionen gegenüber der Darolutamid-Behandlung objektiv nachgewiesen.
Quelle:
Morgans AK et al.: Cognitive effects of darolutamide vs enzalutamide: Results of ARACOG (AFT-47), a randomized clinical trial from the Alliance for Clinical Trials in Oncology. ASCO 2026; Abstr. #5005
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