MHT: Hormone erhöhen Sterblichkeit und Krebsrisiko nicht
Bei nahezu jeder zweiten Frau wirkt sich die Perimenopause negativ auf Psyche, Schlafqualität und nicht zuletzt die Arbeitsleistung aus. Aktuelle Daten aus Dänemark bestärken die Anwendung der menopausalen Hormontherapie als sinnvolle Option für die meisten Frauen.
Schlafstörungen, psychische Belastung, Hitzewallungen und Konzentrationsstörungen – Wechseljahresbeschwerden beeinträchtigen den Arbeitsalltag vieler Frauen ab 40. Doch weil die Begleiterscheinungen dieser hormonellen Umstellungsphase noch immer als Tabuthema gelten, leiden die meisten still.1 Aktuelle Daten einer dänischen Registerstudie könnten betroffene Frauen darin bestärken, z.B. im Rahmen der gynäkologischen Kontrolluntersuchung eine menopausale Hormontherapie (MHT) in Betracht zu ziehen.
Schlafstörungen und psychische Symptome sind häufig
Das deutsche Business-Netzwerk Healthcare Frauen (HCF) e.V. befragte 821 weibliche Führungskräfte, im Durchschnitt 51,5 Jahre alt.Ein knappes Drittel befand sich in der Anfangsphase der Wechseljahre, rund 43% mittendrin. Nahezu jede Frau berichtete von körperlichen Symptomen, 8 von 10 Frauen hatten Schlafstörungen, 71,6% beschrieben psychische Symptome, zwei Drittel litten unter körperlicher Erschöpfung und Hitzewallungen, fast die Hälfte hatte mit Konzentrationsstörungen (45 %) zu kämpfen. Bei nahezu jeder zweiten Frau wirkte sich das negativ auf die Arbeitsleistung aus. Dennoch fehlten 81,5% keinen einzigen Tag wegen ihrer Wechseljahresbeschwerden. Allerdings reduzierte jede 5. Frau deswegen ihre Arbeitszeit, jede 7. nahm sich eine Auszeit und jede 8. wechselte die Position.1
Aktuelle Registerstudie zu MHT und Mortalität
Eine dänische Registerstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen menopausaler Hormontherapie und der langfristigen Sterblichkeit bei Frauen.2 Ziel war es zu klären, ob MHT das Risiko für die Gesamtsterblichkeit erhöht. In die landesweite Kohortenstudie wurden 876805 dänische Frauen aufgenommen, die zwischen 1950 und 1977 geboren wurden und mindestens 45 Jahre alt waren. Frauen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Thrombosen, Brust- oder Eierstockkrebs oder früherer Hormontherapie wurden ausgeschlossen. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Median 14,3 Jahre. Etwa 11,9% der Frauen lösten mindestens einmal ein Rezept für eine Hormontherapie ein. Insgesamt starben während der Beobachtungszeit 47594 Frauen.
Keine erhöhte Gesamtsterblichkeit
Die zentrale Erkenntnis der Studie: Eine menopausale Hormontherapie war nicht mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit verbunden. Zwar lag die rohe Sterberate bei Anwenderinnen zunächst höher als bei Nichtanwenderinnen, nach statistischer Anpassung verschiedener Einflussfaktoren zeigte sich jedoch kein erhöhtes Risiko. Die adjustierte Hazard-Ratio betrug 0,96. Das bedeutet sogar eine leicht geringere Sterblichkeit unter MHT-Anwenderinnen.
Auch die Dauer der Hormontherapie veränderte das Risiko nicht wesentlich. Frauen mit einer Anwendung von weniger als einem Jahr hatten praktisch kein verändertes Risiko. Bei einer Anwendung von ein bis zehn Jahren zeigte sich sogar eine leichte Reduktion der Sterblichkeit. Selbst bei einer Therapiedauer von über 10 Jahren fand sich keine statistisch signifikante Risikoerhöhung.
Besonders auffällig war der Nutzen bei Frauen, denen zwischen dem 45. und 54. Lebensjahr beide Eierstöcke entfernt worden waren. In dieser Gruppe war die Sterblichkeit unter Hormontherapie um 27–34% niedriger als ohne Behandlung. Frauen mit MHT starben im Median mehrere Jahre später als Frauen ohne Therapie. Bei der Analyse unterschiedlicher Therapieformen schnitten transdermale Präparate wie Pflaster oder Gel am günstigsten ab. Auch eine reine Östrogentherapie oder zyklische Gestagenregime waren mit etwas niedrigeren Sterblichkeitsraten verbunden. Frauen, die erst ab 52 Jahren mit der Therapie begannen, zeigten ebenfalls keine erhöhte Mortalität.
Todesursachen: keine Unterschiede bei der Krebsrate
Hinsichtlich spezifischer Todesursachen fanden die Forschenden keine eindeutigen Unterschiede bei Herz-Kreislauf- oder Krebssterblichkeit. Kurzfristig zeigte sich zwar ein leicht erhöhtes Krebssterberisiko, dieses war jedoch bei längerer Anwendung nicht mehr nachweisbar.
Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse frühere Befürchtungen relativieren, die vor allem nach der Women’s-Health-Initiative-Studie von 2002 entstanden waren. Damals war MHT mit erhöhten Risiken für Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht worden. Die neue Analyse deutet darauf hin, dass moderne Hormontherapie bei sorgfältiger Auswahl der Patientinnen keine erhöhte Gesamtsterblichkeit verursacht und für bestimmte Gruppen sogar Vorteile bringen könnte.2 (red)
Literatur:
1 Eble S et al.: Women in Change – Wechseljahre am Arbeitsplatz als arbeitsmedizinische Herausforderung mit besonderem Fokus auf Führungskräfte. https://doi.org/10.17147/asu-1-464336doi; zuletzt aufgerufen am 20.5.2026 2 Mikkelsen AP et al.: Menopausal hormone therapy and long term mortality: nationwide, register based cohort study. BMJ 2026; 392: e085998
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