Eine Kombinationsbehandlung kann AGA stoppen und das Haar wieder verdichten
Autor:
Univ.-Prof. Dr. Edvin Turkof
Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, Wien
E-Mail: dr.edvin@turkof.com
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Haarausfall ist ein weitverbreitetes Problem, das sowohl Männer als auch Frauen betrifft und erhebliche psychologische Belastungen verursachen kann. Aus diesem Grund werden seit Kurzem in Südkorea die Kosten für die konservative Behandlung des Haarausfalls von den Sozialversicherungen übernommen. Eine effektive Therapie sollte frühzeitig begonnen werden und möglichst alle Komponenten bekämpfen, die den Haarausfall verursachen.
Keypoints
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Die Grundursache des AGA isteine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem Hormon DHT.
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Je früher man mit der Therapie beginnt, umso effektiver ist sie. Für ein nachhaltigesErgebnis ist eine dauerhafte Therapie nötig.
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Eine genaue Anamnese ist vor jeder Therapie notwendig, um die Ursachen des Haarausfalls festzustellen und andere Erkrankungen auszuschließen.
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Die nichtoperative Behandlung desAGA zielt darauf ab, die Haarfollikel zu schützen, die Durchblutung der Kopfhaut zu verbessern, hormonelle Faktoren zu regulieren und die verkümmerten Haarfollikel wieder zu aktivieren.
Ursachen des genetischen Haarausfalls (AGA)
Genetischer Haarausfall bei Männern
AGA ist bei Männern die häufigste Form des Haarausfalls. Weltweit sind ab dem 20. Lebensjahr 20% aller Männer davon betroffen, ab 50 sogar 50%.
Dihydrotestosteron
Das Hormon Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt von Testosteron, bindet an Androgenrezeptoren in den Haarfollikeln und bewirkt eine fortschreitende Miniaturisierung der Haarfollikel. DHT entsteht durch die Aktivität des Enzyms 5-alpha-Reduktase (Typ 1 und 2). Mehrere Gene, darunter das Androgenrezeptor-Gen, beeinflussen die Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber DHT. Die Vererbung erfolgt polygenetisch, wobei sowohl männliche als auch weibliche Verwandte betroffen sein können. Durch die Miniaturisierung der Haarfollikel verkürzt sich die Anagenphase (Wachstumsphase), die Haare werden immer dünner und wachsen schwächer nach, bis sie schließlich ausfallen.
Genetischer Haarausfall bei Frauen vor und nach der Menopause
Bei Frauen tritt AGA bei bis zu 20% vor der Menopause und bei 40–50% nach der Menopause auf.
Hormonelle Veränderungen und Dihydrotestosteron
Der Rückgang der Östrogenproduktion in den Wechseljahren führt zu einem relativen Anstieg der Androgenspiegel, dadurch können die vorhandenen Östrogene die Wirkung der Androgene (Testosteron) nicht mehr ausgleichen. Wenn bei den betroffenen Frauen – wie bei den Männern – die Haarfollikel gegenüber DHT überempfindlich sind, führt dies zu einer AGA.
Altersbedingte Degeneration
Zusätzlich zur hormonellen Umstellung verschlechtern sich die Regenerationsfähigkeit und die Zellteilungskapazität der Haarfollikel mit zunehmendem Alter.
Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom
Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine komplexe endokrine Störung, die bei bis zu 10% der Frauen im reproduktiven Alter auftritt und häufig mit AGA einhergeht.
Vorbeugung und Therapie des Haarausfalls durch Medikamente und körpereigene Wirkstoffe
Die nichtoperative Behandlung des genetischen Haarausfalls zielt darauf ab, die Haarfollikel zu schützen, die Durchblutung der Kopfhaut zu verbessern, hormonelle Faktoren zu regulieren und die verkümmerten Haarfollikel wieder zu aktivieren (zu regenerieren). Es gilt, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen.
Medikamente und ihre Wirkmechanismen
Minoxidil
Minoxidil (eigentlich ein Blutdrucksenker) wirkt vasodilatatorisch (gefäßerweiternd) und verbessert die Durchblutung der Kopfhaut. Dadurch erhalten die Haarfollikel mehr Sauerstoff und Nährstoffe, was die Anagenphase verlängert und das Haarwachstum stimuliert.
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Anwendung: Minoxidil ist in topischer Form (Lösung oder Schaum) und als Injektionslösung erhältlich.
Botox
Stressbedingt ist bei vielen Menschen die Grundspannung der Kopfmuskeln sehr stark erhöht, was die Durchblutung der Haarfollikel herabsetzt. Eine Entspannung der Muskeln führt zu einer Verbesserung der Durchblutung der Kopfhaut.
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Anwendung: Botox wird in spezifische Punkte der Kopfhaut injiziert und ist besonders bei stressbedingtem Haarausfall wirksam.
Finasterid
Finasterid hemmt die 5-alpha-Reduktase Typ 2 (nicht jedoch den Typ 1). Beide Stoffe sind Enzyme, die Testosteron in DHT umwandeln. Finasterid vermag daher den DHT-Spiegel zu senken, und die Miniaturisierung der Haarfollikel wird dadurch verlangsamt oder gestoppt.
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Anwendung: durch orale Einnahme in Form von Tabletten, durch Injektion mit sehr dünner Nadel und durch Auftragen einer Lotion auf die Kopfhaut.
Dutasterid
Dutasterid hemmt beide Isoformen der 5-alpha-Reduktase (Typ 1 und 2) und hat eine viel längere Halbwertszeit, wodurch die Wirkung länger anhält und auch stärker ist. Dadurch ist es in der Hemmung der Wirkung von DHT deutlich effektiver.
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Anwendung: durch orale Einnahme oder durch Injektion mit dünner Nadel in die Kopfhaut. Aufgrund der im Vergleich zu Finasterid bedeutend höheren Molekülgröße ist eine topische Anwendung nicht möglich.
Nebenwirkungen Finasterid und Dutasterid
Bei oraler Einnahme und natürlich in Abhängigkeit von der Dosis und der individuellen Empfindlichkeit können Depression, Libidoverlust und reduzierte Potenz auftreten.
Regenerative Medizin
Die regenerative Medizin zielt darauf ab, die verkümmerten Haarfollikel zu reaktivieren. Aktuell stehen uns drei körpereigene Substanzen zu Verfügung:
Konzentrierte Blutplättchen
Plättchenreiches Plasma (PRP): Blutplättchen enthalten Wachstumsfaktoren, die bei Gewebekontakt freigesetzt werden und ihre regenerative Wirkung auf die Haarfollikel entfalten.
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Anwendung: Blut wird zentrifugiert und im Plasma werden die Blutplättchen (Thrombozyten) konzentriert. Das Plasma wird entnommen und mit dünnen Nadeln in die Kopfhaut injiziert.
Nanofett
Unter dem irreführenden Begriff Nanofett versteht man die Stammzellen des Eigenfetts. Wenn man Stammzellen in den Körper einbringt, setzt man einen regenerativen Prozess in Gang. Stammzellen haben eine sehr starke regenerative Potenz betreffend die verkleinerten Haarfollikel.
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Anwendung: Nach Absaugen von 10–20ml körpereigenem Fett werden die Stammzellen mechanisch isoliert und mit dünnen Nadeln in die Kopfhaut injiziert.
Exosome
Exosome sind ganz kleine Vesikel, die Überträgersubstanzen enthalten, welche Botenstoffe zwischen Zellen übertragen. Es gibt pflanzliche, tierische und körpereigene Exosome, Letztere werden aus Eigenblut gewonnen.
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Anwendung: Es werden 30–40ml Blut entnommen und durch ein Gerät geschleust. Nach 10–15 Minuten erhält man 8–10ml Plasma, das einige Billionen Exosome enthält. Das Plasma wird mit dünnen Injektionen in die Kopfhaut eingebracht.
Zusammenfassung
PRP ist am längsten bekannt. Wir setzen mittlerweile „injectable platelet rich fibrin“ (iPRF) ein, das laut jüngsten Studien effektiver ist. Die Stammzellen sind wohl am potentesten, entfalten ihre Wirkung am besten in Anwesenheit von PRP, sind aber aufwendiger zu gewinnen und werden höchstens zweimal pro Jahr in die Kopfhaut injiziert. Exosome werden erst seit Kurzem eingesetzt, am effektivsten sind die körpereigenen.
Grundprinzipien der Förderung des Haarwachstums ohne Operation
Alle bekannten Behandlungsformen des AGA können die Grundursache nicht beseitigen: die Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber DHT.
Daraus ergibt sich, dass selbst bei gutem Ansprechen auf die medikamentösen Therapien diese nicht vollständig abgebrochen werden können – eine dauerhafte Erhaltungstherapie ist nötig, wenn der Haarausfall nachhaltig gestoppt werden soll.
Eine effektive Behandlung des Haarausfalls sollte möglichst alle Komponenten bekämpfen, die den Haarausfall verursachen: mangelnde Durchblutung, verkümmerte Haarfollikel und die Überempfindlichkeit gegenüber DHT. Unser Therapieansatz geht daher in diese Richtung: Wir injizieren in zweiwöchigen Abständen abwechselnd Antiandrogene (Dutasterid) und gefäßerweiternde Medikamente (Minoxidil) sowie regenerative Substanzen (Nanofett, iPRF und Exosome). Darüber hinaus wird täglich eine topische Lösung mit Finasterid und Minoxidil aufgetragen, die den Injektionszyklus zusätzlich unterstützt.
Die Verabreichung von Dutasterid in Form von Injektionen hilft die gefürchteten Nebenwirkungen wie Libidoverlust und Potenzminderung weitgehend zu vermeiden.
Eine Injektionskur dauert 3–5 Monate. Bei gutem Ansprechen sind die Ergebnisse ab der Hälfte des Therapiezyklus erkennbar. Je früher man mit der Therapie beginnt, umso effektiver ist sie. Junge Männer sollten daher bereits bei den ersten Anzeichen des Haarausfalls damit beginnen; das Gleiche gilt für Frauen, die bereits vor der Menopause von AGA betroffen sind.
Ablauf der nicht operativen Behandlung des Haarausfalls mit unserem Injektionszyklus
Eine genaue Anamnese ist vor jeder Therapie notwendig, um die Ursachen des Haarausfalls festzustellen. Selbstverständlich wird eine trichoskopische Untersuchung der Kopfhaut durchgeführt, um andere Erkrankungen wie Lichen, zikatrizielle Alopezie und entzündliche Kopfhautveränderungen auszuschließen.
Mit Ausnahme der Injektion von Stammzellen (45 Minuten) dauert eine Injektionssitzung etwa 20 Minuten. Danach wird der Kopf gereinigt und die Patient:innen gehen nach Hause. Wir empfehlen, für 24 Stunden den Kopf nicht zu waschen. Bis auf die Vermeidung von massiver Sonnenexposition gibt es nach einer Injektionssitzung für die Patient:innen keine Einschränkungen.
Literatur:
beim Verfasser
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