© Repo Moll-Keyn, mit freundl. Genehmigung

Pioniere der Urologie

Vom Wundarztgehilfen zum Begründer der 1. Wiener chirurgischen Schule

Vincenz von Kern prägte die Wiener Chirurgie an der Schwelle zur Moderne und avancierte vom steirischen Wundarztgehilfen zum Begründer einer operativen Schule. Sein Werk zum Blasensteinschnitt markierte den Höhepunkt seiner Karriere, womit er zeigte, dass medizinischer Fortschritt weiter gefasst auch Lehre, die ärztliche Haltung und kritische Selbstprüfung beinhaltet.

Wer in Wiener Antiquariaten oder in internationalen Antiquariatskatalogen blättert, stößt noch immer auf jenes Handbuch von 1828 – mal im zeitgenössischen Ledereinband, mal als unaufgeschnittener Buchblock im Interimseinband. Es fasst den damaligen Wissensstand zum Blasensteinschnitt zusammen, ordnet den lateralen Steinschnitt wissenschaftlich ein und vermittelt ihn so, dass formal ausgebildete Wundärzte die Operation reproduzierbar ausführen konnten. Erschienen ist das Werk zu einem Zeitpunkt, zu dem die Technik des Seitensteinschnitts ihren Zenit erreicht hatte – kurz bevor sie durch die sog. blinde Blasensteinlithotripsie von Jean Civiale (1792–1867) und Charles Heurteloup (1793–1864) sowie, mit Einführung der Äther- und Lachgasnarkose ab 1847 in Europa (1846 durch Morton in den USA), durch die effizientere Sectio alta zunehmend abgelöst wurde.

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