Benigne Prostatahyperplasie, Prostatavergrößerung & Prostataobstruktion
Autor:
Prim. Univ.-Prof. Dr.
Stephan Madersbacher, FEBU1,2
1 Abteilung für Urologie & Andrologie
Klinik Favoriten, Wien
2 Sigmund Freud Privatuniversität, Wien
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Im Rahmen des Post-EAU-Meetings am 7.April 2026 in Wien berichtete Prim. Univ.-Prof. Dr. Madersbacher zusammenfassend über die aktuellsten Entwicklungen im Bereich der gutartigen Veränderungen der Prostata. Von der Pathogenese bis zu den verschiedensten therapeutischen Ansätzen in der modernen Urologie ist heute das Spektrum an Möglichkeiten in der Urologie vielschichtig.
Keypoints
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Sarkopenie ist mit einer Detrusorunterfunktion assoziiert.
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Wiederverwendbare Katheter sind eine Option.
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Es scheint ein Comeback der permanenten prostatischen Stents zu geben.
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Die Wasserdampfablation zeigt sich auch bei Prostatavolumina über 80ml effektiv.
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Es hat sich endoskopische und robotische Enukleation bei großen Prostatavolumen etabliert.
Sarkopenie & Detrusorunterfunktion
Die Pathogenese der Detrusorunterfunktion (DU) bleibt weitgehend ungeklärt. Santos et al. untersuchten den möglichen Zusammenhang mit einer Sarkopenie. Es wurden 162 Männer (67,9 Jahre) untersucht, wovon 40,7% sarkopen waren. In einer univariaten Analyse korrelierten der Psoas Muscle Index (PMI) (p=0,001), die radiologisch nachgewiesene Sarkopenie (p=0,021), das Alter (p<0,001), die Retention (p<0,001) und Dauerkatheter (DK) oder Selbstkatheterisierung (CISC; p<0,001) mit einer Detrusorunterfunktion. In einer multivariaten Analyse zeigte sich ein Zusammenhang zwischen PMI und DU. Die Pathogenese der Sarkopenie ist multifaktoriell und der pathogenetische Zusammenhang zwischen Sarkopenie und DU ist derzeit unklar.
Wiederverwendbare Katheter
In einer eigenen Sitzung („The Catheter Revolution“) wurden mehrere Aspekte von wiederverwendbaren Kathetern beleuchtet. Das National Health Service (NHS) gibt pro Jahr über 200Millionen Pfund für über 100 Millionen Einmalkatheter für Patienten aus, die sich intermittierend katheterisieren müssen. Aus diesem Grund wurde eine randomisiert kontrollierte Studie (RCT) mit 578 Teilnehmern aufgesetzt. Die Randomisierung erfolgte 1:1 in eine Gruppe mit Einmalkatheter vs. wiederverwendbaren Katheter. Die Beobachtungsdauer betrug 12Monate. Es zeigte sich, dass in der Gruppe der wiederverwendbaren Katheter weniger Harnwegsinfekte auftraten (28,7% vs. 34,4%) und der Antibiotikaverbrauch um 35% geringer war. Lebensqualität und Komplikationen waren in beiden Gruppen vergleichbar. Die Teilnehmer verwendeten den Katheter durchschnittlich 2,8-mal pro Tag. Die Wiederverwendung von Kathetern ist eine Möglichkeit, jedoch sind bessere Industriedesigns erforderlich.
Permanente Stents
Rezent wurden Studien zu permanenten Prostatastents vorgestellt. Diese neuen Stents unterscheiden sich grundlegend bezüglich des Materials (Nitinol) und der Dichtheit des Gewebes von z.B. UroLume®-Stents, die aufgrund von massiven Inkrustationen weitgehend verlassen wurden. Die präsentierten Daten zu RivermarkFloStent und dem ProVee Urethral Expander System sind durchaus ermutigend, was die Verbesserung von Qmax, Restharn und dem International Prostate Symptom Score (IPSS)betrifft. Die gefürchteten Inkrustationen traten dabei in einem Beobachtungszeitraum von zwei Jahren nicht auf.
Optilume®
Der Optilume®-Katheter wird seit einigen Jahren für die minimalinvasive Therapie primär von bulbären Harnröhrenstrikturen eingesetzt. Erste Ergebnisse zur PINNACLE-Studie wurden bereits letztes Jahr präsentiert. Kaplan et al. stellten die 3-Jahres-Daten der RCT-PINNACLE-Studie vor (2:1 Optilume® vs. Scheinbehandlung), die 18 Zentren in den USA bzw. Kanada mit einschloss. 69/148 Patienten erreichten das 3-Jahres-Follow-up. Der IPSS sank von 23,4 auf 10,3, der Qmax stieg von 8,9 auf 17,1ml/s an. Erektion und Ejakulation blieben unverändert, eine invasive Reintervention war bei 6% erforderlich. „Real life“-Daten von Salvaggio et al. aus Italien bestätigten mit 30 Patienten diese ermutigenden Ergebnisse.
Wasserdampfablation
In Österreich bieten knapp 70% aller urologischen Abteilungen diese Technik an, bis dato galt als Grenze ein Prostatavolumen von 80ml. Siqueira et al. führten bei 321 Patienten mit einem Prostatavolumen >80ml eine Wasserdampfablation durch: Prostatavolumen 107ml, Mittellappen 80,7%. Durchschnittlich wurden 13,4 Injektionen durchgeführt. Nach 12 Monaten sank der IPSS von 21,7 auf 9,9, der Qmax stieg von 8,1 auf 14,5ml/s an. Es wurden keine Veränderungen des International Index of Erectile Function (IIEF) und des Male Sexual Health Questionnaire (MSHQ) berichtet.
Laserenukleation
Pastore et al. berichteten über 194 Patienten, bei denen am OP-Tag nach Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) der DK entfernt wurde. Dies war bei 92,8% erfolgreich. Risikofaktoren für einen frustranen Auslassversuch waren das Alter und ein liegender DK. Regalado et al. untersuchten die Wertigkeit eines dünneren Laserresektoskopes mit 22Ch. Die in manchen Serien beobachtete höhere Strikturrate wird u.a. auf die Schaftgröße und die hebelnden Bewegungen zurückgeführt. Im Vergleich zum konventionellen 26Ch-Laserresektoskop fand sich kein Unterschied hinsichtlich Enukleationseffizienz und Morcellation. Einschränkend muss jedoch bemerkt werden, dass das Enukleationsvolumen mit etwa 25ml sehr gering war. Herrmann et al. identifizierten in ihrer Datenbank mit 13428 HoLEP-Operationen (!) 3263 Patienten mit einem PV>100ml. Auch bei sehr großen Prostatae mit >300ml war diese Technik sicher und effizient. HoLEP ist – in erfahrenen Händen – bei jedem PV sicher und effizient durchführbar.
Aquablation
Reddy et al. verglichen HoLEP (n=129) mit der Aquablation (n=93), in die insgesamt 6 Operateure involviert waren. Unterschiede zeigten sich hinsichtlich der OP-Dauer (86min vs. 57min), der Komplikationen (25% vs. 49%), der Reinterventionsrate (3% vs. 13%) und der Inkontinenzrate (50% vs. 17%). Eine antegrade Ejakulation war nach HoLEP bei 36%, nach Aquablation bei 78% noch möglich. Die funktionellen Ergebnisse waren bei beiden Methoden vergleichbar.
Roboter-assistierte Adenomenukleation (RASP)
Mittlerweile wird der OP-Roboter auch für die Adenomenukleation eingesetzt und ersetzt zunehmend die offene Ade-nomenukleation. Heininger et al. berichteten über eine multizentrische Studie mit 17 Zentren (2013–2024) und 1345 Patienten. Das durchschnittliche Prostatavolumen betrug 140ml, die durchschnittliche OP-Zeit 144min. Die funktionellen Ergebnisse entsprachen jenen der offenen OP-Technik. Khanmammadova et al. berichteten über eine ambulante RASP mit einer durchschnittlichen stationären Liegedauer von 144min (!). Perri et al. verglichen ThuLEP mit der RASP. Die ThuLEP hatte eine längere OP-Zeit (83min vs. 66min), eine kürzere Katheterisierung (3,5Tage vs. 7,3 Tage), eine kürzere Hospitalisierung (2,5Tage vs. 4,8 Tage), einen geringeren Hb-Abfall (0,7g/dl vs. 1,3g/dl), jedoch eine höhere Rate an „overactive bladder-dry“ bzw. „-wet“ (12% vs. 4%). Die funktionellen Ergebnisse waren vergleichbar.
Reintervention und Notfallvisiten
Carletti et al. untersuchten die Epic-Cosmos-Datenbank hinsichtlich der Reinterventionsrate und der Reinduktion einer medikamentösen Therapie. Es wurden 6450295 Patienten mit 420611 Eingriffen analysiert. Die 5a-Reinterventionsrate betrug 1–2% nach offener Adenomenukleation, 4,4% nach HoLEP/ThuLEP, 7,1% nach TURP und etwa 15% nach Rezum, TUMT, TUNA und Urolift. Die Reinduktion einer medikamentösen Therapie war in allen Therapiearmen sehr hoch. DiBianco et al. untersuchten die Anzahl der Notfallvisiten einer US-Datenbank mit insgesamt 55693 Interventionen. Diese Rate war am höchsten nach Aquablation (17%) und am geringsten nach Laserenukleation (10%). Die bei Weitem häufigsten Eingriffe waren die TURP, gefolgt von PVP und Urolift. Risikofaktoren für Notfallvisiten waren – wenig verwunderlich – Alter, ein präoperativer DK sowie eine Antikoagulation.
Wartezeit
Selbst in hochentwickelten Sozialstaaten – wie in Österreich – wird die Wartezeit bezüglich chirurgischer Eingriffe zunehmend zu einem Problem. Simunovic et al. untersuchten diesbezüglich die Situation an der Grazer Universitätsklinik. Die Wartezeit für nichtonkologische Eingriffe betrug durchschnittlich 30,8 Wochen (d.h.>6 Monate). 50% aller Eingriffe wurden zumindest 1x verschoben, die am häufigsten verschobenen Eingriffe waren TURP/HoLEP. Fast ein Drittel der Patienten, bei denen der Eingriff verschoben wurde, hatten zumindest eine Komplikation und diese Patienten litten unter mehr psychologischem Stress und Symptombelastung.
Literatur:
beim Verfasser
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