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Psoriasisarthritis

Neue Antikörper bei geschwollenen und schmerzenden Gelenken

Rheumatologie
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<p class="article-intro">Für die rheumatoide Arthritis gibt es schon seit einiger Zeit diverse gezielt wirkende Medikamente. Jetzt entwickeln Firmen auch immer mehr krankheitsmodifizierende Therapien zur Behandlung der Psoriasisarthritis. Zwei neue Präparate wurden auf dem europäischen Rheumatologie-Kongress der EULAR vorgestellt. Die Medikamente wirkten in den Studien gut. Welche Patienten aber langfristig profitieren, müssen weitere Studien zeigen.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Eine Psoriasisarthritis schr&auml;nkt Lebensqualit&auml;t und Produktivit&auml;t der Betroffenen enorm ein: In einer Umfrage aus Europa und Nordamerika<sup>1</sup> berichtete jeder dritte Psoriasispatient, er sei mindestens einmal in den 12 Monaten vor der Umfrage wegen der Arthritis krankgeschrieben gewesen. &Auml;hnlich viele gaben an, sie k&ouml;nnten nicht Vollzeit arbeiten. Nur 4 von 10 nahmen Medikamente ein, obwohl fast alle welche verschrieben bekommen hatten. Jeder dritte Befragte war in den 12 Monaten vor der Umfrage nicht beim Arzt gewesen; als Grund daf&uuml;r wurde am h&auml;ufigsten angegeben, dass ein Arztbesuch vermutlich nicht helfen w&uuml;rde. Von denjenigen, die Medikamente nahmen, empfanden mehr als jeder Zweite dies als Belastung: haupts&auml;chlich wegen der Nebenwirkungen, aber auch wegen der notwendigen Laborkontrollen oder aus Angst vor Injektionen. Auf dem europ&auml;ischen Rheumatologie-Kongress der EULAR 2017 wurden zwei neue Substanzen vorgestellt: der Antik&ouml;rper Guselkumab und der JAK-Inhibitor Tofacitinib. Vor allem Letzteren halten Experten f&uuml;r eine gute Option, wenn andere Therapien nicht gut wirken.<br />&bdquo;Eine Psoriasisarthritis muss man rechtzeitig erkennen und behandeln&ldquo;, betont Prof. Dr. Gerd Burmester, Direktor der Abteilung f&uuml;r Rheumatologie und klinische Immunologie an der Charit&eacute; Universit&auml;tsmedizin Berlin. &bdquo;Sonst k&ouml;nnen die Gelenke zerst&ouml;rt werden, man kann sie irgendwann nicht mehr bewegen und scheidet wom&ouml;glich vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus.&ldquo; Bei Patienten mit peripherer Arthritis und schlechter Prognose sollte man gem&auml;&szlig; EULAR-Leitlinie<sup>2</sup> rasch eine Therapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten (DMARDs) starten, r&auml;t Prof. Dr. Josef Smolen, Leiter der Klinischen Abteilung f&uuml;r Rheumatologie an der Universit&auml;tsklinik f&uuml;r Innere Medizin III, Wien, einer der Autoren der Leitlinie (Abb. 1). &bdquo;Und auch bei jenen mit milder Krankheit, wenn die Arthritis sich trotz nichtsteroidaler Antiphlogistika und Glukokortikoidinjektionen nicht bessert.&ldquo; Das DMARD der ersten Wahl ist Methotrexat, weil es auch gut gegen die Psoriasis der Haut wirkt. Sprechen Patienten nicht gen&uuml;gend darauf an, kommen TNF-Hemmer infrage. Eignen sich diese nicht, werden Ustekinumab oder Secukinumab oder ein anderer TNF-Hemmer empfohlen.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2018_Jatros_Ortho_1801_Weblinks_s60_1.jpg" alt="" width="1417" height="1945" /></p> <h2>Tofacitinib bei Spritzenangst</h2> <p>Bei rheumatoider Arthritis geh&ouml;rt der Januskinase(JAK)-Inhibitor Tofacitinib schon seit einiger Zeit zu den neuen Therapieoptionen. &bdquo;JAK-Inhibitoren sind eine gute Alternative zu Biologika&ldquo;, sagt Prof. Smolen. &bdquo;Die Patienten k&ouml;nnen sie als Tablette einnehmen. So k&ouml;nnten sie sich zum Beispiel besonders f&uuml;r diejenigen eignen, die eine Nadelphobie haben.&ldquo; Gem&auml;&szlig; der neuen Leitlinie zur rheumatoiden Arthritis k&ouml;nnen die JAK-Inhibitoren jetzt auch fr&uuml;her eingesetzt werden. &bdquo;Wir haben zu Tofacitinib jetzt mehr Langzeitdaten, die keine neuen oder unerwarteten Nebenwirkungen zeigten&ldquo;, sagt Smolen. Auch ein weiterer JAK-Inhibitor, Baricitinib, hat Phase-III-Studien beendet und eine gute Wirksamkeit ohne neue Sicherheitsbedenken gezeigt. Beide Medikamente sind f&uuml;r die rheumatoide Arthritis zugelassen.<br />In einer am EULAR-Kongress vorgestellten Studie mit Tofacitinib<sup>3</sup> bei Psoriasisarthritis wurden 422 Patienten 2:2:2:1:1 randomisiert und bekamen entweder oral 5mg oder 10mg Tofacitinib zweimal t&auml;glich oder 40mg Adalimumab subkutan alle 14 Tage oder Placebo (Umstellung auf Tofacitinib nach 3 Monaten). Die &uuml;brigen Patienten wurden mit Placebo behandelt. Nach drei Monaten hatten die Patienten mit Tofacitinib ein h&ouml;heres ACR20-Ansprechen (50,5 % bzw. 60,6 % vs. 33,3 % ; p&le;0,05 bzw. p&lt;0,0001) und eine st&auml;rkere Verbesserung im HAQ-DI (Health Assessment Questionnaire Disability Index; &ndash;0,35 bzw. &ndash;0,40 vs. &ndash;0,18; p&le;0,05 bzw. p&lt;0,001) erreicht. Der Effekt hielt 12 Monate an (Abb. 2). <br />Auch Adalimumab schnitt besser ab als Placebo. Mehr als 91 % der Patienten waren nach 12 Monaten radiologisch progressionsfrei, d.h., im modifizierten Total Sharp Score (mTSS) war ein Anstieg von &le;0,5 Punkten zu verzeichnen. <br />An unerw&uuml;nschten Wirkungen traten bei den Tofacitinib-Patienten am h&auml;ufigsten Infekte der oberen Atemwege (7,5&ndash;10,6 % ), Nasopharyngitis (7,5&ndash;11,5 % ) und Kopfschmerzen (3,8&ndash;10,6 % ) auf.<br />&bdquo;Tofacitinib ist eine vielversprechende Substanz bei Psoriasisarthritis&ldquo;, meint Prof. Dr. med. Diego Kyburz, Chefarzt Rheumatologie am Universit&auml;tsspital Basel. &bdquo;Es ist ideal f&uuml;r Patienten, die eine orale Therapie m&ouml;chten oder die nicht gen&uuml;gend auf andere Medikamente ansprechen.&ldquo;</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2018_Jatros_Ortho_1801_Weblinks_s60_2.jpg" alt="" width="1417" height="995" /></p> <h2>Guselkumab vor allem bei Hautbeteiligung?</h2> <p>Das zweite neue Medikament &ndash; Guselkumab &ndash; ist ein Antik&ouml;rper gegen die p19-Untereinheit von Interleukin 23. In der Phase-IIa-Studie<sup>4</sup> wurden 149 Patienten mit aktiver Psoriasisarthritis untersucht, bei denen &ge;3 % der K&ouml;rperoberfl&auml;che von Plaque-Psoriasis befallen waren. Sie erhielten randomisiert 2:1 entweder 100mg Guselkumab subkutan oder Placebo, und zwar zu Studienbeginn, nach 4 Wochen und danach alle 8 Wochen bis 44 Wochen nach Studienbeginn. Patienten, die nach 16 Wochen weniger als 5 % Besserung in der Anzahl geschwollener und schmerzhafter Gelenke zeigten, konnten auf eine Therapie mit Ustekinumab wechseln. Nach 24 Wochen wechselten alle verbliebenen Patienten auf eine Guselkumab-Therapie. Zu diesem Zeitpunkt hatten deutlich mehr Studienpatienten mit Guselkumab ein ACR20-, ACR50- oder ACR70-Ansprechen als mit Placebo, auch erzielten sie bessere Werte im Psoriasis Area Severity Index (PASI). Fast 40 % der Patienten unter Guselkumab und 6,3 % der Placebo-Teilnehmer erreichten nach 24 Wochen einen PASI von 100, also eine von Psoriasis komplett freie Haut. <br />Unerw&uuml;nschte Ereignisse waren nach 24 Wochen in beiden Gruppen &auml;hnlich h&auml;ufig (Placebo: 32,7 % , Guselkumab: 36,0 % ), die meisten waren Infektionen. Unerwartete Nebenwirkungen wurden nicht beschrieben. Schwerwiegende Infektionen, Tumoren oder Todesf&auml;lle traten in dieser Zeit nicht auf. <br />&bdquo;F&uuml;r Guselkumab fehlen uns publizierte Phase-III-Studien zur Psoriasisarthritis, um eine klare Aussage machen zu k&ouml;nnen, wer profitiert&ldquo;, sagt Prof. Kyburz. Der Antik&ouml;rper k&ouml;nnte eine weitere Option sein f&uuml;r Patienten, die nicht auf konventionelle Basismedikamente oder TNF-Inhibitoren ansprechen. Sinnvoll k&ouml;nne Guselkumab sein bei Patienten mit Psoriasisarthritis und deutlicher Haut-Psoriasis, meint Prof. Burmester, denn es wirke hier sehr gut. <br />Weder Tofacitinib noch Guselkumab sind zur Therapie der Psoriasisarthritis zugelassen. Prof. Kyburz setzt Tofacitinib aber bereits &bdquo;off-label&ldquo; ein. Ein anderer IL-23-Antik&ouml;rper ist jedoch bereits zugelassen: Ustekinumab. &bdquo;Die beiden Antik&ouml;rper richten sich gegen unterschiedliche Untereinheiten von Interleukin 23&ldquo;, erkl&auml;rt Prof. Kyburz. &bdquo;Ob Guselkumab gegen&uuml;ber Ustekinumab einen Vorteil aufweist, werden weitere Studien zeigen m&uuml;ssen.&ldquo; Es sei gut, dass es immer mehr krankheitsmodifizierende Medikamente f&uuml;r Psoriasisarthritis gebe. &bdquo;Es muss aber auch gew&auml;hrleistet sein, dass es gen&uuml;gend klinische Studien gibt, um herauszufinden, welche Pr&auml;parate und welcher Wirkmechanismus optimal sind.&ldquo; <br />Wichtig ist, dass die Psoriasisarthritis &uuml;berhaupt diagnostiziert und rechtzeitig therapiert wird. &bdquo;Einige Medikamente wirken sowohl auf der Haut als auch in den Gelenken&ldquo;, sagt Prof. Kyburz. &bdquo;Welches Pr&auml;parat infrage kommt, m&uuml;ssen Rheumatologen gemeinsam mit Dermatologen besprechen.&ldquo; Eine intensive Therapie k&ouml;nne die Entz&uuml;ndung in den Gelenken deutlich bremsen. &bdquo;Wir gehen davon aus, dass wir damit Gelenkzerst&ouml;rung verhindern k&ouml;nnen.&ldquo;</p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Kavanaugh A et al.: Rheumatol Ther 2016; 3: 91-102 <strong>2</strong> Gossec L et al.: Ann Rheum Dis 2016; 75: 499-510 <strong>3</strong> Mease P et al.: Ann Rheum Dis 2017; 76: 141-2 <strong>4</strong> Deodhar A et al.: Ann Rheum Dis 2017; 76: 142-3</p> </div> </p>
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