Pflegefachpersonen am stärksten gesucht
Das neue Obsan-Bulletin unterstreicht mit neuesten Daten den Fachkräftemangel in der Pflege. Gleichzeitig dominieren Personaldienstleister den Stellenmarkt.
Neuchâtel. Am 15. November 2024 waren in der Schweiz 8623 Stellen für Pflegefachpersonen der Tertiärstufe ausgeschrieben – so viele wie für keinen anderen Beruf. Das zeigt das aktuelle Bulletin des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan). Seit 2018 stieg die Zahl der offenen Stellen um rund 40 Prozent. Besonders in der Langzeitpflege und in den Grossregionen Zentral- und Ostschweiz zeigt sich ein überdurchschnittlicher Bedarf. Im Verhältnis zur Anzahl an Beschäftigten wurden in den Gesundheitsinstitutionen mehr als drei Stellen pro 100 Pflegefachpersonen ausgeschrieben. Dies verdeutlicht den anhaltenden Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal in der Schweiz.
Den grössten Teil der Stellenausschreibungen veröffentlichen Personaldienstleister: Im vierten Quartal 2024 entfielen 62,4 Prozent der neu ausgeschriebenen Stellen auf sie. Nur 28 Prozent der Stellen stammten direkt von Gesundheitsinstitutionen (15 Prozent Spitäler, acht Prozent Alters- und Pflegeheime, fünf Prozent Spitex). Der Anteil der Personaldienstleister blieb über die Jahre hoch, trotz leichter Rückgänge 2022 und 2023. Ob sie Gesundheitsinstitutionen in der Personalrekrutierung ersetzen oder gleichzeitig dieselben Fachkräfte ansprechen, lässt sich laut Obsan nicht eindeutig feststellen. Die durchschnittliche Vakanzdauer lag im vierten Quartal 2024 bei 48 Tagen und blieb damit seit 2018 weitgehend stabil. Die steigende Zahl offener Stellen spiegelt sich in dieser Kennzahl nicht wider – vermutlich, weil standardisierte Ausschreibungsfristen und Bewerbungsprozesse einen grossen Einfluss auf die Dauer haben.
Nicht bekannt ist, wie viele Pflegefachpersonen in den Schweizer Gesundheitsinstitutionen temporär angestellt sind, heisst es in dem Bericht. Laut Florian Liberatore, stellvertretender Leiter Management im Gesundheitswesen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, sind viele HR-Abteilungen der Leistungserbringer mit der Administration der Vielzahl an Arbeitsmodellen überfordert. Die zunehmende Verbreitung digitaler Vermittlungs- und Buchungsapplikationen würde aber eine Chance bieten, aussagekräftige und aktuelle Daten zu verschiedenen Formen der Temporärarbeit zu sammeln. «Klar ist, eine umfassende Erhebung der Temporärarbeit in der Pflege würde endlich eine fundierte Datengrundlage für die kontrovers und emotional geführte Diskussion über Temporärarbeit bieten», wird Liberatore zitiert. Die geplanten Erweiterungen bei der Erfassung der Temporärarbeit, insbesondere durch SpiGes (Projekt des BFS zur Vereinfachung der Datenerhebung und -nutzung im Bereich der spitalstationären Gesundheitsversorgung), seien ein wichtiger erster Schritt.
Insgesamt zeigt das nationale Monitoring des Pflegepersonals, dass der Fachkräftemangel anhält und durch die wachsende Zahl an Ausschreibungen sowie die zentrale Rolle von Personaldienstleistern zusätzlich dynamisiert wird. (red)
Quelle: Obsan
Das könnte Sie auch interessieren:
Obsan zieht Bilanz
Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) hat seinen Leistungsauftrag 2021–2025 abgeschlossen. Neue Publikationen, Prognosen zur Langzeitpflege und erweiterte Monitorings ...
Zuckersteuer gegen Übergewicht und Folgeerkrankungen
Während in der Schweiz immer noch über die Zuckersteuer debattiert wird, ist man in Deutschland schon einen Schritt weiter: Eine Expertenkommission empfiehlt die Einführung.
Schweizer Gesundheit klar über OECD-Schnitt
Die Schweiz schneidet im jüngsten OECD-Gesundheitsbericht bei neun von zehn Schlüsselindikatoren besser ab als der Durchschnitt. Schwächen zeigen sich vor allem bei Kosten, Prävention ...