Handverletzungen im Sport
Autor:innen:
Univ.-Prof. Dr. med. Peter M. Vogt1
Dr. med. Dr. med. univ. Viola A. Stögner2
1 Direktor der Klinik für Plastische, Ästhetische Hand- und Wiederherstellungschirurgie
2Medizinische Hochschule Hannover
Korrespondenz:
E-Mail: vogt.peter@MH-Hannover.de
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Im modernen Breitensport ist ein stetig steigender Aktivitätstrend zuverzeichnen, der jedoch mit einer Zunahme spezifischer Verletzungsmuster einhergeht.So entfallen mittlerweile bis zu 20% aller Sportverletzungen auf die Handregion. Davon betreffen rund 60% die Finger, gefolgt von komplexen Verletzungen des Handgelenks. Die Ätiologie ist dabei vielfältig und reicht von direkten Kollisionen und Ballkontakten bis hin zu Traumata durch Sturz auf die ausgestreckte Hand.1–3
Keypoints
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Patient:innen mit Verletzungen der Finger und der Mittelhand stellen im handchirurgischen Alltag die häufigste Klientel dar.
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Das Handgelenk ist insbesondere durch Stürze verletzungsgefährdet.
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Überlastungserscheinungen können zu radialseitigen sowie ulnarseitigen Pathologien führen.
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Eine spezifische ICD-Codierung für Sportverletzungen gibt es derzeit noch nicht.
Traumatologie der Finger und des Kapsel-Band-Apparates
Die Finger stellen die am häufigsten betroffene Funktionseinheit dar, insbesondere in ballorientierten Disziplinen wie Volleyball oder Basketball.2,4 Patient:innen mit Verletzungen der Finger und der Mittelhand sind im handchirurgischen Alltag daher die häufigste Klientel. Es dominieren Stauchungen, Luxationen, Frakturen sowie Kapselbandverletzungen der Mittel- und Endgelenke.4
Ein klassisches Krankheitsbild ist der sogenannte Mallet-Finger. Hierbei kommt es durch direkte Krafteinwirkung auf die Fingerspitze zu einem subkutanen Strecksehnenriss oder einem knöchernen Aussprengetrauma am Endglied.5 Ebenfalls sportartspezifisch ist der Skidaumen, eine Ruptur des ulnaren Seitenbandes (Ligamentum collaterale ulnare), die häufig durch die Hebelwirkung des Skistocks bei einem Sturz ausgelöst wird.6
Aktuelle Daten (unter anderem der MHH 2013–2018) zeigen, dass Ballsportarten ohne Schläger (insbesondere Fussball und Handball), Radsport und Reitsport die Hauptverursacher für Fingerverletzungen sind.
Während Fussball mit ca. 21,5% die Inzidenz anführt, weist der Reitsport mit durchschnittlich 3,2 Tagen die längste Dauer der stationären Behandlung auf.
Die Hauptrisikogruppe sind Männer im Alter zwischen 25 und 39 Jahren.
Verletzungen der Fingerendglieder
Der häufigste Unfallmechanismus ist die Kombination aus Hyperextension und axialer Krafteinwirkung auf die Fingerspitze. Der Mallet-Finger ist ein subkutaner Strecksehnenabriss am Endglied. Die Therapie erfordert eine konsequente Ruhigstellung in der Stack’schen Schiene.5 Im eigenen Vorgehen hat sich eine verlängerte Immobilisation für 12 Wochen bewährt.Bei der Busch-Fraktur handelt es sich um eine knöcherne Avulsion der Strecksehne (Endgliedfraktur), die je nach Fragmentgrösse konservativ oder operativ versorgt wird.
Kapsel-Band-Läsionen der proximalen Interphalangealgelenke
Das proximale Interphalangealgelenk (PIP) ist durch einen hochkomplexen Apparat gesichert. Anatomisch sichern die dorsale Kapsel und die Sagittalbänder die Streckseite, während die palmare Platte (nur distal angeheftet) als Schutz gegen Hyperextension dient. Die Kollateralbänder bieten Stabilität gegen Ab-/Adduktion und Rotation. Läsionen der palmaren Platte erfordern nach der Primärversorgung (konservativ oder operativ) meist eine frühfunktionelle Behandlung mit einem Extensionsblock, um eine stabile Ausheilung ohne dauerhaftes Streckdefizit zu ermöglichen. Hinsichtlich der dorsalen Kapsel/des Tractus intermedius bedürfen isolierte Läsionen (PIP C) spezifischer Nachbehandlungskonzepte zur Vermeidung einer Knopflochdeformität.
Spezifische Daumen- und Metakarpalverletzungen
Beim Skidaumen handelt es sich um die Ruptur des ulnaren Kollateralbandes (UCL) am Daumengrundgelenk, sie ist eine Schlüsselverletzung. Da der Daumen über kein Ligamentum metacarpale transversum profundum verfügt, führt eine Instabilität hier zu einem massiven Verlust der Greiffunktion.6 Luxationen treffen häufig den Zeige- und Kleinfinger. Klinisch ist auf eine oft diskrete «Bajonettstellung» zu achten. Bei palmar tastbarem Metakarpalköpfchen besteht dringender Verdacht auf eine Luxation, die im Röntgen in drei Ebenen gesichert werden muss. Beim Boxer’s Knuckle handelt es sich um eine Verletzung des Sagittalband-Apparates über dem Metakarpalköpfchen, meist durch Schlagtraumata.
Seltene Entitäten und Überlastungen
Während Ringbandstenosen («Schnappfinger») im Sport eher Sekundärfolgen chronischer Überlastung sind, stellen akute Ringbandrupturen (v.a. beim Klettern) eine Domäne spezialisierter Handchirurgie dar. Metakarpalfrakturen machen etwa 39% der stationär behandelten Fälle aus, wobei ca. 60% der Patienten operativ versorgt werden müssen.
Karpale Frakturen und Handgelenk
Das Handgelenk ist besonders bei Stürzen gefährdet. Während die «Boxer-Fraktur» – dahinter verbirgt sich ein Mittelhandbruch, meist des 5. Strahls – oft durch direkte Schlageinwirkung entsteht, führt der Sturz auf die ausgestreckte Hand häufig zu komplexen ligamentären Instabilitäten oder Frakturen.7 Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Kahnbeinfraktur, also der Bruch des Os scaphoideum.8 Bei Männern zwischen 20 und 30 Jahren tritt diese Verletzung statistisch gesehen häufiger auf als die distale Radiusfraktur und bei typischem Verletzungsmuster muss die Fraktur zwingend ausgeschlossen werden.
In der klinischen Untersuchung hat sich die Unterscheidung nach der Schmerzlokalisation bewährt. Radialseitig stehen neben der Skaphoidfraktur vor allem SL-Band-Rupturen, radiale Tendinopathien sowie das Karpaltunnelsyndrom im Fokus,9 ulnarseitig hingegen Läsionen des Discus triangularis (TFCC), das ulnokarpale Impaktionssyndrom sowie Nervenkompressionen wie das Loge-de-Guyon-Syndrom, seltener Verletzungen wie die Fraktur des Hamulus ossis hamati.10
Chronische Überlastung und Nervenkompression
Repetitive Belastungen, insbesondere Tennissport, führen häufig zu chronischen Überlastungsschäden wie der Tendovaginitis oder verschiedenen Nervenkompressionssyndromen (z.B. Sulcus-nn.-ulnaris-Syndrom).11 Diese erfordern oft eine frühzeitige ergonomische Anpassung oder eine gezielte physiotherapeutische Intervention, um eine Chronifizierung zu verhindern.
Die radiale Handgelenksinstabilität bei Skaphoidfraktur und SL-Bandruptur
Verletzungen der radialen Handwurzel gehören zu den kritischsten Entitäten in der Sportmedizin. Aufgrund ihrer komplexen Anatomie und der hohen biomechanischen Belastung erfordern insbesondere das Os scaphoideum und der skapholunäre Bandapparat eine präzise Diagnostik, um langfristige Instabilitäten oder eine posttraumatische Arthrose zu vermeiden.
Die Skaphoidfraktur
Das Skaphoid ist mit 78% der am häufigsten verletzte Karpalknochen,besonders in Kontaktsportarten (Football, Rugby) und Hochgeschwindigkeitssportarten wie Skating oder Rollerblading.8,12 Typisch ist der Sturz auf die ausgestreckte, meist pronierte und radial deviierte Hand. Entscheidend ist hierbei eine Hyperextension des Handgelenks von über 90°. Diagnostisch bilden das konventionelle Röntgen in vier Ebenen und bei klinischem Verdacht ein CT oder MRT die Basis.13 Jedoch gilt es, darauf zu achten, dass ein negativer Erstbefund im Röntgen eine Fraktur nicht sicher ausschliesst;eine zeitnahe Verlaufskontrolle ist bei persistierenden Beschwerden obligat.12 Therapeutisch erfolgt die Entscheidung je nach Frakturtyp, Lokalisation und Dislokationsgrad zwischen konservativer Immobilisation und operativer Versorgung (z.B. Herbertschraube).14
Die skapholunäre (SL-)Bandruptur
Dabei handelt es sich um die häufigste karpale Instabilität. Sie entsteht akut durch einen Sturz auf die hyperextendierte Hand oder chronisch durch repetitiven axialen Stress.9 Hinsichtlich Klinik und Diagnostik sind der Watson-Test sowie der SL-Ballottement-Test wegweisend. Radiologisch zeigen das p.a. und das Seitenbild oft eine verstärkte Flexion des Skaphoids (Signet-Ring-Sign). Darüber hinaus gilt in Stressaufnahmen ein SL-Spalt von >3mm (bekannt als Terry-Thomas-Sign) als pathognomonisch.9 Chronische Verläufe sind durch einen statischen SL-Spalt, vergrösserte SL-Winkel und eine DISI(«dorsal intercalated segment instability»)-Fehlstellung gekennzeichnet.15 Der Diagnosesicherung dienen MRT oder MRT/CT-Arthrografien, weniger die Arthroskopie.
Hinsichtlich des therapeutischen Managements ist bei vermuteten oder partiellen Rupturen eine Immobilisation primär ausreichend. Eine weitere Wettbewerbsteilnahme kann dem Athleten unter Schutz oft erlaubt werden. Bei persistierenden Schmerzen und einer daraus resultierenden Einschränkung der athletischen Performance besteht die Indikation zur Handgelenksarthroskopie. Bei persistierender Instabilität steht ein breites Spektrum an Bandersatzplastiken zur Verfügung (Kapsulodese, verschiedene Sehnendurchzugstechniken mittels FCR- oder ECRL-Sehne) sowie bei fortgeschrittener Destruktion die Arthrodese.16 Prognostisch besteht trotz adäquater Therapie und intensiven Trainings der Handgelenksstabilisatoren ein erhöhtes Risiko für einen dauerhaften Gelenkverschleiss.
Fazit für die Praxis
Die frühzeitige Diagnostik radialseitiger Schmerzen nach einem Hyperextensionstrauma ist unerlässlich, um insbesondere eine Skaphoidfraktur auszuschliessen, wobei die Skaphoidfraktur eine konsequente radiologische Überwachung erfordert. Bei der SL-Bandruptur ist die Wiederherstellung der dynamischen Stabilität vorrangig, um die sportliche Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten.
Subakute Handgelenkspathologien
Subakute Handgelenkspathologien im Sport stellen Sportmediziner vor grosse diagnostische Herausforderungen. Die Differenzierung zwischen ligamentären Instabilitäten, Sehnenüberlastungen und nervalen Kompressionen ist dabei für den langfristigen Erhalt der Gelenkfunktion entscheidend.
Radialseitige Tendinopathien
Radiale Sehnenbeschwerden sind im Sport weitverbreitet. Sie betreffen meist die Sehnenfächer oder spezifische Kreuzungspunkte und entstehen durch Überlastung. Die Tendovaginitis stenosans de Quervain als häufigste Tendinopathie bei Athleten betrifft das erste Strecksehnenfach (Musculus extensor pollicis brevis und Musculus abductor pollicis longus).17 Typisch treten sie bei Sportarten wie Golf, Rückschlagspielen, Volleyball oder Fliegenfischen auf – Sportarten mit kräftigem Greifen, Ulnardeviation oder extensivem Daumengebrauch. Der Pathomechanismus ist durch ein repetitives Luxieren der Sehnen über den Processus styloideus radii gekennzeichnet und führt zu Sehnenverdickung und Entzündung.
Klinisch und diagnostisch zeigen sich eine Druckdolenz ca. 2cm proximal des Processus styloideus radii und ein positiver Finkelstein-Test. Die Sonografie zeigt eine Hypertrophie des Retinaculums und peritendinöse Ödeme. Eine wichtige Differenzialdiagnose stellt das Intersektionssyndrom («oarsman’s wrist») dar, das vor allem Ruderer, Gewichtheber und Skifahrer betrifft. Es entsteht durch die Reibung am Kreuzungspunkt des 1. und 2. Strecksehnenfachs oder durch eine stenosierende Tenosynovitis des 2. Fachs. Klinisch treten Schmerzen weiter proximal auf (4–8cm proximal des Processus styloideus radii), insbesondere bei Handgelenksextension.
Die Diagnostik radialseitiger Beschwerden stützt sich primär auf die klinische Untersuchung und Sonografie. Ein Röntgen dient meist nur dem Frakturausschluss; eine MRT wird bei Tendinopathien nicht routinemässig eingesetzt.
Therapiestufen:
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konservativ (Mittel der Wahl): Belastungsanpassung, Immobilisierung, Kühlung und NSAID. Bei Persistenz können gezielte Injektionen (Lokalanästhetika, Kortikosteroide oder Äthoxysklerol) in die Sehnenscheide sowie eine Stosswellentherapie erfolgen.17
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chirurgisch: Bei Therapieresistenz ist die offene Spaltung des betroffenen Kompartments indiziert.
Ulnarseitige Pathologien
Hierzu zählen insbesondere die Extensor-carpi-ulnaris(ECU)-Läsion (häufig bei Ruderern und Schlägersportarten), das ulnokarpale Impaktionssyndrom sowie Läsionen des TFCC oder Frakturen des Hamulus ossis hamati.Während radialseitige Beschwerden oft mit dem Greifakt assoziiert sind, resultieren ulnarseitige Pathologien häufig aus komplexen Rotationsbewegungen und axialen Kraftübertragungen. Die Differenzierung zwischen Sehneninstabilitäten, Impaktionssyndromen und fibrokartilaginären Läsionen ist daher entscheidend für die Sportfähigkeit des Athleten.
Läsionen des Musculus extensor carpi ulnaris (ECU)
Die ECU-Sehne ist ein zentraler Stabilisator des ulnaren Handgelenks. Läsionen treten typischerweise am nichtdominanten Handgelenk (z.B. beidhändige Rückhand beim Tennis) oder an der führenden Hand in der Abwärtsphase des Golfschlags auf. Die Entstehung lässt sich auf akute Traumata durch forcierte Palmarflexion, Supination und Ulnardeviation oder chronische repetitive Mikrotraumata zurückführen.
Klinisch zeigt sich als Leitsymptom ein ulnarseitiger Schmerz, oft begleitet von mechanischem «Schnappen» (Subluxation) bei Supination. Diagnostisch ist die Sonografie der Goldstandard zum Nachweis dynamischer Instabilitäten.19 Die MRT dient zur Beurteilung umliegender Strukturen (Ausschluss TFCC-Läsion). Therapeutisch erfolgt konservativ eine Immobilisierung in Extension und Ulnardeviation, gefolgt von exzentrischem Training. Bei akuten Luxationen oder Therapieresistenz ist die anatomische Rekonstruktion der Sehnenführung (Retinaculum-Plastik) eine erfolgreiche Option für eine rasche Rückkehr in den Sport.
Ulnokarpales Impaktionssyndrom
Da die distale Ulna etwa 20% der axialen Last trägt, führen anatomische Varianten wie die Ulna-Plusvariante zu einer chronischen Überlastung des ulnaren Karpus.18 Klinisch zeigen sich ein einschleichender Schmerz bei Pronation und Greifen und ein positiver ulnokarpaler Stresstest. Diagnostisch wird ein Röntgen in p.a. Ansicht (0°-Stellung) sowie unter Belastung (maximaler Griff) durchgeführt, um eine dynamische Plusvariante zu demaskieren. Das MRT zeigt oft Signalanhebungen bis zu begleitenden Chondromalazien am Os lunatum. Therapeutisch stehen konservativ Immobilisierung und Injektionen im Vordergrund. Chirurgisch gilt bei einer Plusvariante von >2–3mm die Ulnaverkürzungsosteotomie als Goldstandard; kleinere Diskrepanzen können mittels «Wafer-Resektion» (arthroskopisch) behandelt werden (Abb.1).
Abb. 1: (a) Ulnares Impaktionssyndrom mit Impingement des Ulnaköpfchens am Os lunatum mit Schmerzen bei Ulnarduktion. (b) Nach Ulnaverkürzungsosteotomie, Längenreduktion auf Radiusgelenksniveau und verbesserter Kongruenz im distalen Radioulnargelenk schmerzfreier Patient
Läsionen des TFCC
Der «triangular fibrocartilage complex» (TFCC) ist der Hauptstabilisator des distalen Radioulnargelenks (DRUG).10 Läsionen finden sich gehäuft bei Schläger- und Kontaktsportarten. Klinisch zeigen sich ein tiefer ulnarseitiger Schmerz und Klicken bei Rotation. Diagnostisch wegweisend sind der Piano-Key-Test (Ballottement des Ulnaköpfchens) und der Pisiform-Boost-Test. Therapeutisch stehen konservativ Taping und Physiotherapie über 3 Monate zur Verfügung, sofern keine DRUG-Instabilität vorliegt. Operativ können periphere Risse arthroskopisch oder offen refixiert werden (Return to Sport nach ca. 3 Monaten). Zentrale Läsionen werden débridiert, oft kombiniert mit einer Ulnaverkürzung, da zentrale Risse aufgrund mangelnder Vaskularisation nicht heilungsfähig sind.18,19
Ossäre Verletzungen des Hamulus ossi hamati und des Triquetrums
Dabei handelt es sich um Frakturen der kleineren Handwurzelknochen, die im Standard-Röntgen oft übersehen werden. Die Hamulus-ossis-hamati-Fraktur ist typisch für Golf oder Baseball (direkter Schlag durch den Schlägergriff).20 Diagnostisch werden Spezialaufnahmen (Karpaltunnel-View) oder CT durchgeführt. Therapeutisch ist die Exzision des Fragments oft die Therapie der Wahl, da konservative Massnahmen bei Pseudarthrosen oft scheitern und die Gefahr einer Beugesehnenruptur (FDP) besteht. Sie ermöglicht Rückkehr in den Sport innerhalb von 6 Wochen. Die Triquetrumfraktur ist nach der Skaphoidfraktur die zweithäufigste karpale Fraktur.23 Nichtdislozierte Frakturen heilen meist unter 2- bis 4-wöchiger Ruhigstellung gut aus. Eine OP-Indikation (Schraube/K-Draht) besteht nur bei relevanter Dislokation.
Fazit für die Praxis
Ulnarseitige Beschwerden erfordern eine differenzierte Betrachtung von Weichteilen und Knochen. Während bei Sehnen- und Bandläsionen oft die funktionelle Instabilität therapiert werden muss, steht bei ossären Pathologien wie der Hamulus-Fraktur die Vermeidung von Langzeitkomplikationen durch frühzeitige chirurgische Intervention im Vordergrund.
Zusammenfassung
Trotz steigender Fallzahlen fehlt bisher eine spezifische ICD-Codierung für Sportverletzungen, was die epidemiologische Erfassung erschwert. Die Therapie folgt etablierten handchirurgischen Standards, wobei die frühzeitige Diagnose entscheidend ist. Verletzungen wie die palmare Plattenruptur oder diskrete Luxationen werden leicht übersehen, führen aber ohne adäquate Schienung oder operative Rekonstruktion zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen und dauerhafter Leistungsminderung.
Literatur:
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