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„Übermenschliche“ Diagnostik

Wie ein Reasoning-LLM erfahrene Internist:innen in komplexen Fällen schlägt

Seit Ledley und Lusted 1959 in Science die computergestützte Differenzialdiagnose als Goldstandard postulierten, wird der diagnostische Wettstreit zwischen Maschine und Kliniker:in neu vermessen. Mit der Einführung der ersten „Reasoning“-Modelle – Sprachmodelle, die vor der Antwort eine explizite Gedankenkette durchlaufen – ist diese Frage erneut auf den Prüfstand gekommen. Brodeur et al. legen nun in Science die bislang umfassendste Evaluation eines solchen Modells (OpenAI o1-preview) gegen einen Baseline-Pool aus mehreren Hundert Ärzt:innen vor.

Bevor wir die Daten betrachten, lohnt sich eine begriffliche Schärfung: Die eigentlich interessante Frage ist nicht „Maschine versus Mensch“, sondern die Vier-Wege-Frage – „machine intelligence“ vs. „human intelligence“ vs. „human-augmented machine“ vs. „machine-supporting human“. Nur die letzten beiden Konfigurationen sind klinisch relevant; die ersten beiden sind im Versorgungsalltag eine Phantomdebatte.

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