Osteoporoseprävention unter endokriner Therapie
Autorin:
Dr. med. Dr. phil. Konstantina Chrysou
Oberärztin, Fachärztin für Medizinische Onkologie und Allgemeine Innere Medizin
Affidea Brust-Zentrum Zürich
E-Mail: konstantina.chrysou@affidea.ch
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Die verbesserten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten haben die Prognose bei Brustkrebs deutlich verbessert. Damit gewinnen auch therapiebedingte Langzeitfolgen zunehmend an Relevanz. Der therapiebedingte Knochenverlust zählt zu den häufigsten Langzeitfolgen endokriner Therapien und erhöht das Frakturrisiko erheblich. Eine frühzeitige Risikoerfassung und konsequente Prävention sind daher essenziell.
Welche Therapien erhöhen das Risiko?
Mehrere systemische Therapien des Mammakarzinoms können den Knochenstoffwechsel beeinflussen. Der wichtigste Mechanismus ist der therapiebedingte Östrogenentzug, da Östrogen eine zentrale Rolle bei der Regulation des Knochenumbaus spielt. Sinkt der Östrogenspiegel, nimmt die Aktivität der Osteoklasten zu, wodurch der Knochenabbau beschleunigt wird.
Den stärksten Einfluss auf den Knochenstoffwechsel haben Aromatasehemmer. Sie blockieren die Umwandlung von Androgenen in Östrogene nahezu vollständig und führen bei postmenopausalen Frauen zu einem deutlich beschleunigten Knochenverlust im Vergleich zur natürlichen Menopause. Das Risiko für osteoporotische Frakturen steigt entsprechend an.
Besonders ausgeprägt ist der Effekt bei prämenopausalen Patient:innen, wenn Aromatasehemmer mit einer Ovarialsuppression durch GnRH-Analoga kombiniert werden. Der abrupt eintretende Östrogenmangel führt innerhalb kurzer Zeit zu einem erheblichen Verlust an Knochenmasse.
Auch eine chemotherapieinduzierte vorzeitige Menopause trägt zum erhöhten Frakturrisiko bei. Darüber hinaus können längerfristig eingesetzte Glukokortikoide, die beispielsweise im Rahmen supportiver Therapien verwendet werden, den Knochenstoffwechsel zusätzlich negativ beeinflussen. Die wichtigsten therapiebedingten Risikofaktoren sind in Tabelle 1 zusammengefasst.
Diagnostik und Frakturrisikobewertung
Die Grundlage einer wirksamen Prävention ist die strukturierte Erfassung des individuellen Frakturrisikos bereits vor Beginn der endokrinen Therapie. Internationale Leitlinien empfehlen bei allen Patient:innen mit geplanter Aromatasehemmertherapie oder Ovarialsuppression eine DXA-Knochendichtemessung vor Therapiebeginn. Abhängig vom Ausgangsbefund und vom individuellen Frakturrisiko sollte die Untersuchung nach 12 bis 24 Monaten wiederholt werden. Zur Abschätzung des individuellen Frakturrisikos kann ergänzend das FRAX®-Instrument herangezogen werden, sofern die Anwendung für die jeweilige Person geeignet ist. Vor Einleitung einer antiresorptiven Therapie sollten Serumkalzium, Kreatinin und 25-OH-Vitamin-D bestimmt werden.
Prävention beginnt mit dem Lebensstil
Nicht alle Patient:innen benötigen sofort eine medikamentöse Osteoporosetherapie. Alle profitieren jedoch von konsequenten Basismassnahmen. Regelmässiges Kraft- und Gleichgewichtstraining verbessert die Knochendichte und reduziert gleichzeitig das Sturzrisiko. Ergänzend werden eine ausreichende Kalziumzufuhr, eine Vitamin-D-Substitution, Rauchverzicht sowie ein moderater Alkoholkonsum empfohlen.
Wann Medikamente erforderlich sind
Liegen eine Osteoporose oder eine Osteopenie mit erhöhtem Frakturrisiko vor, sollte eine antiresorptive Therapie eingeleitet werden. Die Indikation richtet sich nicht allein nach der Knochendichte, sondern berücksichtigt auch klinische Risikofaktoren wie Alter, vorangegangene Fragilitätsfrakturen, familiäre Belastung, Rauchen sowie die geplante Dauer der endokrinen Therapie.
Zur Verfügung stehen Bisphosphonate und Denosumab. Beide Substanzklassen hemmen die Knochenresorption, erhalten die Knochendichte und reduzieren das Risiko therapiebedingter Frakturen. Für Denosumab konnte in der ABCSG-18-Studie bei postmenopausalen Patient:innen unter Aromatasehemmertherapie eine Reduktion klinischer Frakturen um rund 50% gezeigt werden.
Bei der Wahl der antiresorptiven Therapie sollte der unterschiedliche Evidenzhintergrund berücksichtigt werden. Denosumab wird primär zur Prävention und Behandlung des therapieassoziierten Knochenverlusts eingesetzt. Bisphosphonate haben bei bestimmten Patient:innengruppen zusätzlich einen adjuvanten onkologischen Stellenwert.
Adjuvante Bisphosphonate sollten bei postmenopausalen Patient:innen mit frühem Brustkrebs und relevantem Rezidivrisiko im Rahmen der individuellen Therapieplanung angeboten werden. Dies gilt auch für Patient:innen mit therapieinduzierter Menopause oder anhaltender Ovarialsuppression. Die EBCTCG-Metaanalyse zeigte in geeigneten Patient:innengruppen eine signifikante Reduktion von Knochenrezidiven sowie eine Verbesserung der brustkrebsspezifischen Mortalität.
Die Entscheidung für eine adjuvante Bisphosphonattherapie sollte unter Berücksichtigung des individuellen Rezidivrisikos, der Begleiterkrankungen und des Frakturrisikos gemeinsam mit den Patient:innen getroffen werden.
Vor Beginn einer antiresorptiven Therapie sollten eine zahnärztliche Untersuchung, die Kontrolle der Nierenfunktion (bei Bisphosphonaten) sowie eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D sichergestellt werden. Während der Behandlung werden eine tägliche Kalziumzufuhr von insgesamt 1000–1200mg sowie eine Vitamin-D-Substitution von 800–1000 I.E. empfohlen, sofern kein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel vorliegt. Nach Absetzen von Denosumab ist aufgrund des Risikos eines Rebound-assoziierten Knochenverlusts mit multiplen Wirbelkörperfrakturen eine sequenzielle Bisphosphonattherapie erforderlich.
Häufig eingesetzte antiresorptive Therapien sind Zoledronsäure (4mg i.v. alle 6 Monate), Alendronat (70mg p.o. einmal wöchentlich), Ibandronat (150mg p.o. einmal monatlich bzw. 3mg i.v. alle 3 Monate) sowie Denosumab (60mg s.c. alle 6 Monate). Die Wahl des Präparats richtet sich nach dem individuellen Frakturrisiko, der Nierenfunktion, Begleiterkrankungen sowie einer möglichen zusätzlichen onkologischen Indikation.
Literatur:
● Cardoso F et al.: Early breast cancer: ESMO Clinical Practice Guideline for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol 2024; 35(2): 159-82 ● Shapiro CL et al.: Management of osteoporosis in survivors of adult cancers with nonmetastatic disease: ASCO Guideline Update. JClin Oncol 2023; 41: 1781-801 ● Hadji P et al.: Management of aromatase inhibitor-associated bone loss (AIBL) in postmenopausal women with hormone-sensitive breast cancer: joint position statement of the IOF, CABS, ECTS, IEG, ESCEO, IMS, and SIOG. J Bone Oncol 2017; 7: 1-12 ● Early Breast Cancer Trialists‘ Collaborative Group (EBCTCG): Adjuvant bisphosphonate treatment in early breast cancer: meta-analysis of individual patient data from randomised trials. Lancet 2015; 386(10001): 1353-61 ● Gnant M et al.: Adjuvant denosumab in postmenopausal patients with hormone receptor-positive breast cancer (ABCSG-18): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet 2015; 386(9992): 433-43 ● Eastell R et al.: Effect of anastrozole on bone mineral density: 7-year results from the ATAC trial. J Bone Miner Res 2008; 23: 1215-22 ● Gregson CL et al.: National Osteoporosis Guideline Group (NOGG). The 2024 UK clinical guideline for the prevention and treatment of osteoporosis. Arch Osteoporos 2025; 20(1): 119
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