SGN-SSN-Jahrestagung 2025

«Die Nephrologie erlebt aktuell eine kleine Revolution»

Pietro Cippà ist seit April 2025 Chefarzt Nephrologie und Transplantationsimmunologie am Universitätsspital Basel – und seit dem Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Nephrologie (SGN-SSN) im Dezember 2025 Präsident der Fachgesellschaft. Wir haben ihn gefragt, welche Schwerpunkte er während seines Amtes setzt, welches seine persönlichen Kongresshighlights waren und ob die Doppelfunktion nicht zum Spagat wird.

Herr Professor Cippà, Sie haben das Präsidentenamt von Prof. Dr. med. Michael Dickenmann übernommen. Worauf legen Sie die Schwerpunkte während Ihrer SGN-Präsidentschaft?

P. Cippà: Im Wesentlichen sind das die folgenden drei Bereiche:

  • Implementierung neuer Innovationen in der Nephrologie Nach Jahren des Stillstands erlebt die Nephrologie aktuell eine kleine Revolution, mit vielen neuen Therapieoptionen. Ein zentrales Anliegen ist es, diese Innovationen effizient und sinnvoll in der Praxis umzusetzen.

  • Stärkung der chronischen Nierenkrankheit (CKD) als gesundheitspolitische Priorität Die chronische Nierenkrankheit wird international zunehmend als relevantes Public-Health-Thema anerkannt, unter anderem durch ein klares Statement der Weltgesundheitsorganisation, WHO. In den letzten Jahren hat sich vor allem die Schweizerische Nierenstiftung für eine bessere Aufklärung in diesem Bereich engagiert. Als Präsident der SGN möchte ich die Zusammenarbeit von Fachgesellschaften, Hausärzten, Patientenorganisationen und schliesslich auch der Politik weiter verbessern – damit Betroffene frühzeitig erkannt und optimal behandelt werden.

  • Nachhaltigkeit im Gesundheitssystem Nachhaltigkeit betrifft nicht nur die Finanzierung neuer Therapien, sondern auch den verantwortungsvollen Umgang mit Human Resources und der Umwelt. Ziel ist es, langfristig tragfähige Strukturen zu fördern, die medizinische Qualität sichern und gleichzeitig ökonomisch und ökologisch sinnvoll sind.

Im April 2025 haben Sie zudem die Professur für Nephrologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Basel und die Position als Chefarzt für Nephrologie und Transplantationsimmunologie angetreten. Gibt es Bereiche, bei denen die Vereinbarkeit von SGN-SSN-Präsidentschaft und Klinikleitung zu einem Balanceakt werden könnte?

P. Cippà: Die grösste Herausforderung ist für mich klar das Zeitmanagement. Der Aufbau neuer Projekte in der Klinik erfordert aktuell viel Energie, ebenso wie meine Aufgabe als Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Nephrologie. Inhaltliche Konflikte sehe ich jedoch keine, da beide Rollen dasselbe Ziel verfolgen: die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten.

Was waren für Sie die Top-3-Themen am diesjährigenSGN-SSN-Kongress?

P. Cippà: Ein grosses Thema war die Therapie der chronischen Nierenkrankheit. Noch vor wenigen Jahren galt die CKD als kaum behandelbar, heute stehen mehrere wirksame Medikamente zur Verfügung. Die zentrale Herausforderung liegt nun darin, die richtigen Patientinnen und Patienten frühzeitig zu identifizieren und Therapiekombinationen gezielt einzusetzen. Dies erfordert ein Umdenken weg von klassischen Fachsilos hin zu einer engeren interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Hausarztmedizin, Nephrologie, Kardiologie, Endokrinologie und anderen Fachdisziplinen. In diesem Zusammenhang fand ich den Vortrag von Frau Professor Smeeta Sinha aus Manchester (UK) sehr interessant, die gezeigt hat, wie strukturierte Früherkennung und integrierte Versorgung erfolgreich in einem regionalen und nationalen Gesundheitssystem umgesetzt werden können.

Grosse Fortschritte gibt es zudem bei gezielten Therapien für einzelne Nierenerkrankungen. Am SGN-Kongress hat Herr Professor Fadi Fakhouri aus Lausanne neue Studiendaten zur Behandlung bei C3-Nephropathie präsentiert, die am gleichen Tag im New England Journal of Medicine erschienen sind. Das war Zufall und ein echtes Kongresshighlight!

Gleichzeitig hat der Jahreskongress gezeigt, dass es auch in der Grundlagenforschung vorangeht. Wir haben in der Schweiz einige sehr aktive Forschungsgruppen mit interessanten Projekten. Die mit dem Publication Award ausgezeichnete Arbeit von Dr. med. Anna Faivre aus Genf ist sehr spannend und zeigt, dass auch unter den jungen Nephrologinnen und Nephrologen vielversprechende Talente sind.

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