Update: Neues in der Psoriasistherapie
Bericht: Reno Barth
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
PD Dr. Dr. med. Ahmad Jalili, Buochs, gab in seinem Vortrag eine Übersicht über derzeit zur Verfügung stehende topische und systemische Psoriasistherapien sowie über innovative Substanzen im Zulassungsprozess. Der Trend geht zur topischen Anwendung oder oralen Einnahme. Bezüglich Wirksamkeit erscheint ein PASI-100-Ansprechen als realistisches Therapieziel.
Es gibt keine andere dermatologische Erkrankung, deren Pathophysiologie so intensiv beforscht wurde und so gut verstanden wird wie die Psoriasis», sagte PD Dr. Dr. med. Ahmad Jalili, Buochs. Mehrere relevante Zytokine wurden als Ziele für moderne Therapien identifiziert. Zugelassen sind heute in der Schweiz die TNF-α-Inhibitoren Etanercept, Adalimumab, Infliximab und Certolizumab pegol, die Interleukin(IL)-17-Inhibitoren Secukinumab (anti-IL-17A), Ixekizumab (anti-IL-17A) und Bimekizumab (anti-IL-17A & F), der IL-12/IL-23(p40)-Inhibitor Ustekinumab, die IL-23(p19)-Inhibitoren Guselkumab, Tildrakizumab und Risankizumab sowie der PDE-4-Inhibitor Apremilast. Die meisten sind auch für die Behandlung der Psoriasisarthritis zugelassen. Jalili: «Das bedeutet, wenn wir rechtzeitig die Therapie starten, bestehen gute Chancen, dass sich die Psoriasisarthritis gar nicht entwickelt.»
Mit topischen Therapien, mit denen in leichten Fällen das Auslangen gefunden wird, und den genannten systemischen Optionen lassen sich bei den meisten Betroffenen dramatische Verbesserungen des Hautbildes und des Wohlbefindens erreichen. Damit sind aber noch nicht alle Probleme gelöst, so Jalili. Beispielsweise sind Gedächtniszellen («tissue resident memory cells») in der Dermis und Epidermis mit den aktuellen Therapien nicht erreichbar, weshalb eine Heilung der Psoriasis derzeit noch nicht möglich ist. Die Sicherheit ist gross. Jalili: «Wir kennen unsere Therapien sehr gut und wir können sagen, dass wir sicher unterwegs sind.»
Neue topische Therapien – derzeit noch nicht in Europa
Bedarf an neuen Entwicklungen besteht beispielsweise bei den topischen Thera-pien, wo nach wie vor mit sehr alten Substanzen wie Kortikosteroiden gearbeitet wird. Die am Kongress der American Association of Dermatology (AAD) diskutierten Daten zeigten auch eine generell sehr eingeschränkte Adhärenz bei den topischen Behandlungen. Mit der Zahl und Komplexität der erforderlichen Applikationen nimmt die Adhärenz ab. Man müsse die Anwendung also vereinfachen, so Jalili. Potenzial in diese Richtung hat der topische PDE-4-Inhibitor Roflumilast: In mehreren Phase-III-Studien zeigte eine einmal tägliche Anwendung mit topischem Roflumilast eine gute Wirksamkeit bei Psoriasis in schwierigen Körperregionen wie dem Kopf und intertriginösen Bereichen.1 Jalili bezeichnete die Ergebnisse als «für eine topische Therapie aussergewöhnlich gut». Roflumilast ist als Creme und als Schaum in der Indikation Psoriasis in den USA, nicht jedoch in der EU und der Schweiz zugelassen.
Eine weitere steroidfreie Option in der topischen Therapie der Psoriasis ist Tapinarof, ein Agonist am Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AhR), der die Genexpression von proinflammatorischen Zytokinen wie IL-17, -4, -5 und -13 hemmt und darüber hinaus eine Hochregulation von Barriereproteinen wie Filaggrin und Loricrin bewirkt, die letztlich zu einer Verbesserung der gestörten Hautbarrierefunktion führen. Darüber hinaus hat Tapinarof antioxidative Wirkungen.2 In den Phase-III-Studien PSOARING 1 und PSOARING 2 wurden mit Tapinarof bei Anwendung einmal täglich PGA-Ansprechraten, definiert durch Erscheinungsfreiheit oder annähernde Erscheinungsfreiheit plus mindestens zwei Punkte Verbesserung, von 35 bis 40% erreicht (Abb.1).3 Auf Basis dieser Daten wurde Tapinarof bereits 2022 von der FDA zugelassen und 2025 von der AAD mit starker Empfehlung ausgestattet. Jalili wies auch auf Daten hin, die einen krankheitsmodifizierenden Effekt nahelegen. Nach dem Absetzen von Tapinarof dauert es nämlich im Median 115 Tage, bis die Proband:innen wieder symptomatisch werden. In Europa stehen Zulassungen bislang aus.
Im Rahmen des AAD-Kongresses wurden Kriterien vorgestellt, anhand deren amerikanische Dermatolog:innen, denen diese Produkte zur Verfügung stehen, die Wahl zwischen Roflumilast und Tapinarof treffen können, so Jalili. Für Roflumilast spricht der Umstand, dass Formulierungen sowohl als Creme als auch als Schaum verfügbar sind, während es Tapinarof nur als Creme gibt. Hautreizungen treten mit Tapinarof häufiger auf. Roflumilast-Creme hat in den USA auch eine Zulassung für Kinder ab sechs Jahren. Bei Kombination mit systemischen Therapien sollte auf alternative Wirkmechanismen geachtet werden. Das heisst, Roflumilast sollte mit einem IL-17-Inhibitor kombiniert werden, Tapinarof mit einem oralen PDE-4-Inhibitor.
Abb. 1: PGA-Ansprechen mit Tapinarof-Creme bei Plaquepsoriasis (modifiziert nach Lebwohl MG et al. 2021)3
Orale Therapien: hochselektive TYK-2-Inhibitoren und IL-23-Blocker
Zahlreiche Neuerungen gibt es auch auf dem Gebiet der oralen Therapien. Eine dieser Innovationen ist eine in den USA bereits zugelassene Retard-Formulierung des seit mehr als zehn Jahren verfügbaren Apremilast für die Einnahme einmal täglich. Kontraindikation besteht bei Patient:innen mit schwerer Niereninsuffizienz.
In den USA und in der EU, nicht jedoch in der Schweiz zugelassen ist Deucravacitinib, ein oraler, selektiver Inhibitor der Tyrosinkinase(TYK)-2, der bei therapeutischer Dosierung JAK-1, JAK-2 und JAK-3 nicht beeinflusst. TYK-2 spielt eine entscheidende Rolle in der Pathophysiologie der Psoriasis. Die Zulassung zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Plaquepsoriasis bei Erwachsenen basiert auf den Ergebnissen der Phase-III-Studien POETYK PSO-1 und POETYK PSO-2, die eine überlegene Wirksamkeit von Deucravacitinib im Vergleich zu Placebo und der Gabe von Apremilast zweimal täglich nach 16 und 24 Wochen sowie über einen Zeitraum von 52 Wochen zeigen. Mittlerweile liegen auch Daten über mehr als vier Jahre vor, die ein stabiles Ansprechen und keine neuen Sicherheitssignale zeigen.4
Mit Zasocitinib und Envudeucitinib befinden sich auch bereits zwei TYK-2-Inhibitoren einer neuen Generation in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklung. Diese zeigen eine noch ausgeprägtere Affinität zu TYK-2 und interagieren noch weniger mit den anderen Januskinasen. Zasocitinib könnte noch in diesem Jahr die Zulassung in den USA erlangen. In den klinischen Studien erreichten bereits nach acht Wochen bis zu 35% der Patient:innen PASI-100-Ansprechen – also eine komplett erscheinungsfreie Haut.5 Jalili wies darauf hin, dass nach dem Absetzen das Ansprechen über fünf Monate stabil blieb. Für Envudeucitinib liegen ähnlich gute Daten vor. Wie bei allen JAK-Inhibitoren können auch unter Therapie mit TYK-2-Inhibitoren akneähnliche Läsionen auftreten. Monitoring ist also erforderlich.
Mittlerweile ist in den USA auch ein oraler IL-23-Inhibitor verfügbar. Icotrokinra ist ein Peptid, das den IL-23-Rezeptor blockiert und in klinischen Studien gute Effekte hinsichtlich IGA 0/1 und PASI-90-Ansprechen zeigte. Beispielsweise wurde in der Studie ICONIC-ADVANCE 1 ein PASI-90-Ansprechen von 66% erreicht, womit Überlegenheit nicht nur gegenüber Placebo, sondern auch gegenüber Deucravacitinib gezeigt wurde. Jalili betonte in diesem Zusammenhang, dass PASI-90 heute das Ziel ist, das in Studien und im klinischen Alltag angestrebt wird. Die PASI-100- und IGA-0-Ansprechraten nach 52 Wochen liegen in der Grössenordnung von beachtlichen 50%.6 Jalili: «Dabei bin ich mir sicher, dass manche Patient:innen in diesem Jahr die eine oder andere Tablette vergessen haben.» Auch bei Jugendlichen konnten mit Icotrokinra sehr gute Ansprechraten erreicht werden. Das Sicherheitsprofil ist mit jenem der Anti-IL-23-Biologika vergleichbar. Icotrokinra ist in den USA seit März 2026 verfügbar, die Zulassung in Europa wurde beantragt.
Ein weiteres im Rahmen des AAD 2026 diskutiertes Thema waren die Verbindungen zwischen Psoriasis und Adipositas. Dies ist relevant, da rund 30% der Psoriasispatient:innen auch unter Adipositas leiden und Adipositas mit einer Verschlechterung der Psoriasis assoziiert ist. Die Gruppe der Inkretinmimetika ist wirksam in der Behandlung der Adipositas und hat darüber hinaus auch antiinflammatorische Effekte. Mehrere Fallserien weisen darauf hin, dass sich auch die Psoriasis bei adipösen Patient:innen unter Therapie mit Inkretinmimetika bessert. In den randomisierten, kontrollierten Studien TOGETHER-PsO und TOGETHER-PsA wird die Kombination von Ixekizumab und Tirzepatid in einer Population von Patient:innen mit Psoriasis bzw. Psoriasisarthritis mit Ixekizumab-Monotherapie verglichen. Erste Ergebnisse zeigen unter der Kombination in beiden Indikationen bessere Ansprechraten.7,8
Quelle:
«Psoriasis», Vortrag von PD Dr. Dr. med. Ahmad Jalili, Buochs, beim 10. Post AAD Highlight Meeting 2026, 12. Mai 2026 in Zürich
Literatur:
1 Gooderham MJ et al.: Roflumilast foam, 0.3%, for psoriasis of the scalp and body: the ARRECTOR phase 3 randomized clinical trial. JAMA Dermatol 2025; 161(7): 698-706 2 Bissonnette R et al.: Tapinarof in the treatment of psoriasis: a review of the unique mechanism of action of a novel therapeutic aryl hydrocarbon receptor-modulating agent. J Am Acad Dermatol 2021; 84(4): 1059-67 3 Lebwohl MG et al.: Phase 3 trials of Tapinarof cream for plaque psoriasis. N Engl J Med 2021; 385(24): 2219-29 4 Armstrong AW et al.: Deucravacitinib in plaque psoriasis: four-year safety and efficacy results from the Phase 3 POETYK PSO-1, PSO-2 and long-term extension trials. J Eur Acad Dermatol Venereol 2025; 39(7): 1336-51 5 Takeda Press Release: https://www.takeda.com/newsroom/newsreleases/2026/zasocitinib-phase3-clinical-trial-results/; zuletzt aufgerufen am 10.6.20266 Gold LS et al.: Once-daily oral Icotrokinra versus placebo and once-daily oral deucravacitinib in participants with moderate-to-severe plaque psoriasis (ICONIC-ADVANCE 1 & 2): two phase 3, randomised, placebo-controlled and active-comparator-controlled trials. Lancet 2025; 406(10510): 1363-74 7 Eli Lilly Press Release: https://investor.lilly.com/news-releases/news-release-details/lillys-taltz-ixekizumab-and-zepbound-tirzepatide-used-together-0; zuletzt aufgerufen am 10.6.2026 8 Merola JF et al.: Ixekizumab with Tirzepatide achieved greater disease control than Ixekizumab alone in adults with psoriatic arthritis and overweight or obesity: results from a randomized clinical trial. Presented at ACR Convergence 2026
Das könnte Sie auch interessieren:
Alopecia areata: Induzierte Immunregulation lässt Haare wachsen
Unterschiedliche Biologika und Januskinase-Inhibitoren, die auch bei anderen Autoimmunerkrankungen der Haut zum Einsatz kommen, sind für Alopecia areata (AA) zugelassen oder werden in ...
Wie Inkretinmimetika (auch) auf die Haut wirken
Prof. Dr. med. Thomas Kündig, Zürich, berichtete in seinem Vortrag über die Wirkungen und Nebenwirkungen von Inkretinmimetika in der Dermatologie. Nach aktuellem Wissensstand sind diese ...
Die menschliche Haut in der modernen Kunst
Dr. Ralph Ubl, Professor für neuere Kunstgeschichte an der Universität Basel, stellte sich der schwierigen Herausforderung, einem Raum voller erwartungsvoller Dermatologen das Organ Haut ...