Solide Daten für IL-17-Blockade bei Hidradenitis suppurativa
Bericht: Reno Barth
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Auch in der Therapie der Hidradenitis suppurativa spielen die Interleukin(IL)-17-Blocker eine immer wichtigere Rolle. PD Dr. med. Florian Anzengruber, Graubünden, sprach in seinem Vortrag über die ermutigenden Langzeitdaten der zugelassenen Antikörper Secukinumab und Bimekizumab sowie über einen oralen IL-17-Blocker und mehrere orale bzw. topische JAK-Inhibitoren, die sich derzeit in klinischen Studien befinden.
Die früher als Akne inversa bezeichnete Hidradenitis suppurativa (HS) ist im Zeitalter der Biologika relativ gut behandelbar. «Wir sind nicht ganz so weit wie bei der Psoriasis, aber wir haben durchaus unsere Möglichkeiten», sagte dazu Anzengruber, TNF-Blocker kommen in dieser Indikation seit geraumer Zeit zum Einsatz, mehr und mehr Daten liegen auch zu den Interleukin(IL)-17-Blockern vor. Im Rahmen des Kongresses der American Academy of Dermatology (AAD) 2026 wurden beispielsweise Langzeitdaten zu Secukinumab über vier Behandlungsjahre präsentiert. Sie zeigten, dass Patient:innen, die in den Zulassungsstudien gut auf die Behandlung angesprochen haben, bei Weiterführung der Medikation weiterhin gut ansprechen.1 Anzengruber unterstrich, dass es sich bei dieser Auswertung um eine Analyse mit Non-Responder-Imputation handelt, in der sämtliche Patient:innen, von denen keine Daten mehr verfügbar sind, als Therapieversager eingestuft werden. Bei Langzeitbeobachtungen ist die Non-Responder-Imputation folglich ein deutlich rigideres Verfahren als die Per-Protokoll-Auswertung.
Langzeitdaten wurden auch für Bimekizumab, einen weiteren bei HS zugelassenen IL-17-Blocker, präsentiert. Sie zeigten ebenfalls ausgezeichnetes und mit den Behandlungsmonaten besser werdendes Ansprechen. Nach drei Jahren zeigten 59,3% der Studienpatient:innen 90%ige Response nach dem Internationalen Hidradenitis-suppurativa-Schweregrad-Score-System (IHS4), das die verschiedenen Läsionstypen (Knoten, Abszesse, drainierende Tunnel) erfasst und unterschiedlich gewichtet. Bei rund 40% der Patient:innen wurde sogar ein IHS4-100-Ansprechen erreicht, was vollständiger Erscheinungsfreiheit entspricht.2 Anzengruber hob hervor, dass diese Daten deutlich machen, dass sich bei der HS ein Ansprechen nicht schnell einstellt und sich die Ergebnisse insbesondere in Bezug auf die ehrgeizigeren Ziele IHS4-90 und -100 nach Woche 16 noch einmal deutlich verbessert hatten. Dies sei praxisrelevant, da es zeige, dass man bei HS nicht schnell aufgeben sollte, wenn das initiale Therapieergebnis nicht den Hoffnungen entspreche. Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass nach drei Jahren unter Behandlung mit Bimekizumab bei mehr als 90% der Patient:innen mit mindestens fünf Fisteln zu Behandlungsbeginn drei oder mehr Fisteln abgeheilt waren.3 Weitere Auswertungen der Phase-III-Studien zu Bimekizumab und ihrer Verlängerungsstudien zeigten durch alle untersuchten Subpopulationen gleichermassen gutes und stabiles Ansprechen.4
Mit Lutikizumab befindet sich auch ein dualer Interleukin-1α/1β-Antagonist in klinischen Studien und zeigte in der Phase II Wirksamkeit bei Biologika-vorbehandelten Patient:innen. Im Rahmen des AAD 2026 wurden nun Daten aus einer weiteren Phase-II-Studie vorgestellt, in der die Verbesserung des Schweregrads der HS als Endpunkt verwendet wurde. Über 16 Wochen ging der Anteil der Patient:innen mit schwerer HS von 74,5% auf 22,5% zurück. Bei 20% wurde die Krankheit nach 16 Wochen als inaktiv, bei weiteren 30% als leicht eingestuft. Der Erfolg trat innerhalb weniger Wochen ein, nach 16 Wochen war unter Therapie mit Lutikizumab der IHS4-Score in der Studienpopulation um 71% zurückgegangen (Abb.1).5 Bei jeder Messung wurde der Anteil der schwer Betroffenen geringer, so Anzengruber. Mit Abdakibart wird ein weiterer IL-1-Inhibitor in der Indikation HS untersucht. Eine Phase-III-Studie befindet sich bereits in Planung.
Orale IL-Blocker und JAK-Inhibitoren in klinischen Studien
Mit Sonelokimab befindet sich nun auch ein oraler IL-17-Blocker in der Indikation HS in fortgeschrittener klinischer Entwicklung. Mit einem Ansprechen von 75% nach dem Hidradenitis Suppurativa Clinical Response (HiSCR) Score wurde für die Phase-III-Studien ein anspruchsvolles Ziel gewählt. Dieses erreichten in zwei Studien nach 16 Wochen rund 34% der Patient:innen, wobei in einer der beiden Studien Signifikanz verfehlt wurde. Bis Woche 40 stieg der Anteil an Respondern auf 62% an, bei 25% wurde sogar komplette inflammatorische Remission erreicht.6 Eine weitere, jedoch noch nicht zugelassene Option in der Therapie der HS ist Remibrutinib, ein oraler, hochselektiver Inhibitor der Bruton-Tyrosinkinase, für den aktuell eine Zulassung bei chronischer spontaner Urtikaria besteht. Die bisher verfügbaren Daten in der Indikation HS sprechen für eine gute Wirksamkeit. Primärer Endpunkt war die Reduktion von Abszessen und entzündlichen Knötchen ohne Zunahme von Fisteln zu Woche 16. Diesen Endpunkt erreichten mit Remibrutinib 25mg fast 70% der Patient:innen. Die höhere Dosis von 100mg brachte keinen weiteren Vorteil. HiSCR90 wurde mit Non-Responder-Imputation nach 16 Wochen bei 36,4% der Studienpopulation beobachtet. An Nebenwirkungen traten vor allem Infektionen, Hämatome und Nasopharyngitis auf, in einem Fall kam es zu einer akuten Pankreatitis, in einem weiteren zu einer hypertensiven Krise.
Auch topisches Ruloxitinib wird in der Indikation HS untersucht. Eine Phase-II-Studie spricht für einen signifikanten Effekt auf die Zahl der Abszesse und Noduli. In oraler Anwendung werden mehrere JAK-Inhibitoren in der Therapie der HS untersucht. Zu Upadacitinib wurden im Rahmen des AAD 2026 Langzeitdaten über 48 Wochen vorgestellt. Sie stammen aus der Verlängerung einer Phase-II-Studie, in der 30mg Upadacitinib täglich innerhalb von 12 Wochen bei 38,3% der Studienpatient:innen zu HiSCR50-Ansprechen führten. Alle 68 Studienpatient:innen litten unter schwerer HS und waren zum Teil mit TNF-Inhibitoren vorbehandelt. In der Verlängerungsphase der Studie wurden die Placebopatient:innen aus der ersten Phase auf Upadacitinib 15mg umgestellt und die 30-mg-Gruppe wurde weiterbehandelt wie zuvor. Endpunkt der Verlängerungsstudie war ein IHS4-Ansprechen zu Woche 40. Dabei erreichten mehr als 40% ein 50%iges Ansprechen nach IHS4. Auf Basis dieser Ergebnisse wird nun eine Phase-III-Studie gestartet.
Zu Povorcitinib, einem weiteren oralen JAK1-Inhibitor, wurden positive Daten über 54 Behandlungswochen von den Phase-III-Studien STOP-HS 1 und 2 präsentiert, die Povorcitinib in den Dosierungen 75mg und 45mg mit Placebo verglichen. In beiden Studien zeigte sich signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo mit HiSCR50-Ansprechraten um die 40%. In den folgenden Wochen verbesserte sich das Ansprechen jedoch deutlich. Nach 54 Wochen zeigten in den verschiedenen Gruppen der Studie zwischen 60 und 70% HiSCR50-Ansprechen. Alle Typen von Läsionen sprachen auf die Behandlung an.7
Akne vulgaris: Innovation von Hormonrezeptorblocker bis Impfung
Obwohl in der Behandlung der Akne vulgaris zahlreiche Optionen zur Verfügung stehen, kommen nach wie vor neue Therapien hinzu. So wies Anzengruber auf den topischen Androgenrezeptor-Antagonisten Clascoteron hin, der die Talgbildung in der Haut reduziert und seit Anfang 2026 in ganz Europa zugelassen ist. Anzengruber: «Man geht davon aus, dass die Wirkung mit Tretinoin vergleichbar ist, Clascoteron jedoch weniger Nebenwirkungen verursacht. Wir haben in der Schweiz noch keine Erfahrungen damit, aber die Nebenwirkungsrate in den Studien ist sehr gering.»
Eine aktuelle Studie zeigte auch für Lebensstilmassnahmen bzw. Ernährungstherapie gute Wirksamkeit. Konkret konnte mit dem Genuss von Mandeln in einem randomisierten Studiendesign eine Reduktion sowohl der inflammatorischen als auch der nichtinflammatorischen Akne-läsionen demonstriert werden. Die Proband:innen der Mandel-Gruppe assen täglich 60 Gramm Mandeln, also rund 45 Stück, was im Alltag nicht immer leicht zu machen sein dürfte, so Anzengruber. Die Einnahme von Mandeln führt nicht zur Austrocknung der Haut.8
Neue Daten gibt es auch zu Sarecyclin, einem Tetrazyklin-Antibiotikum, das bereits in der Behandlung der Akne vulgaris eingesetzt wird. Im Rahmen des AAD 2026 wurde unter anderem eine gepoolte Analyse von drei Phase-III-Studien präsentiert, die die Wirksamkeit von Sarecyclin bei Akne im Bereich von Hals und Rücken untersuchte. Über 12 Wochen wurde mit dem Antibiotikum sowohl am Hals als auch am Rücken eine IGA-Verbesserung um mindestens zwei Punkte und damit signifikante Überlegenheit im Vergleich zu Placebo erreicht. Bekannte und klassentypische Nebenwirkungen von Sarecyclin sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Photosensitivität etc.9
In sehr früher klinischer Erprobung befindet sich auch eine Impfung gegen Akne vulgaris, genauer eine mRNA-Vakzine gegen Cutibacterium acnes. Zielgruppe sind Personen mit ausgeprägter Familienanamnese. Derzeit läuft eine Phase-I/II-Studie zur Dosisfindung bei erwachsenen Patient:innen.
Quelle:
«Hidradenitis Suppurativa, Akne & Rosazea (inkl. Q & A)», Vortrag von PD Dr. med. Florian Anzengruber, Graubünden, beim 10. Post AAD Highlight Meeting 2026, 12. Mai 2026 in Zürich
Literatur:
1 Shi VY et al.: Four year efficacy of continuous Secukinumab in SUNSHINE/SUNRISE core and extension trials on hidradenitis suppurativa (HS) lesions. Poster ID: 75099, presented at American Academy of Dermatology Annual Meeting 2026, March 27–31, 2026, Denver 2 Tzellos T et al.: Bimekizumab impact on dichotomous IHS4 response levels over 3 years in moderate to severe HS. Results from BE HEARD EXT. Presented at American Academy of Dermatology Annual Meeting 2026, March 27–31, 2026, Denver 3 Hsiao J et al.: Bimekizumab reduces draining tunnel count over 3 years in HS: data from BE HEARD EXT. Presented at American Academy of Dermatology Annual Meeting 2026, March 27–31, 2026, Denver 4 Sayed CJ et al.: Bimekizumab efficacy by patient subgroups in moderate to severe hidradenitis suppurativa: 3-year phase 3 results from BE HEARD EXT. 2026. Poster ID: 73230, presented at American Academy of Dermatology Annual Meeting 2026, March 27–31, 2026, Denver 5 Alhusayen R et al.: Charakterization of the IHS4 response to Lutikizumab treatment in biologic naive patients with moderate to severe hidradenitis suppurativa. Poster ID: 72433, presented at American Academy of Dermatology Annual Meeting 2026, March 27–31, 2026, Denver 6 Kimball A et al.: Sonelokimab in moderate-to-severe HS: long-term results through week 40 of two phase 3 trials. Presented at American Academy of Dermatology Annual Meeting 2026, March 27–31, 2026, Denver 7 Porter ML et al.: Povorcitinib in patients with moderate to severe hidradenitis suppurativa: 54-week efficacy and safety results from the STOP-HS1 & STOP-HS2 phase 3 studies. Presented at American Academy of Dermatology Annual Meeting 2026, March 27–31, 2026, Denver 8 Moitra P et al.: Almond supplementation improves acne lesions and skin microbial diversity in adults with mild to moderate acne vulgaris. Nutrients 2026; 18(4): 625 9 Del Rosso J et al.: Beyond the face: treating truncal acne with Sarecycline – a multinational phase 3 pooled analysis. Poster ID: 71146, Presented at American Academy of Dermatology Annual Meeting 2026, March 27–31, 2026, Denver
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