Neuigkeiten in der dermatologischen Lasermedizin
Autorin:
Dr. med. Natalie Anasiewicz
Oberärztin
Klinik für Dermatologie
Schwerpunkt Lasermedizin & Dermatochirurgie
Universitätsspital Zürich
E-Mail: natalie.anasiewicz@usz.ch
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Die Innovationen der vergangenen Jahre in der dermatologischen Lasermedizin betreffen weniger völlig neue Lasersysteme als vielmehr neue Behandlungskonzepte. Im Vordergrund stehen heute frühere Interventionen, multimodale Therapien, «laser-assisted drug delivery», Lasersysteme mit geringerer Downtime sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Unterstützung der Therapieplanung. Gemeinsam ist diesen Entwicklungen das Ziel, Behandlungen individueller, sicherer und effektiver zu gestalten.
Keypoints
-
Ein früher Beginn der fraktionierten CO₂-Lasertherapie kann Narbendicke, Elastizität und kosmetisches Ergebnis verbessern.
-
Die Kombination verschiedener Lasersysteme entsprechend der dominierenden Narbenkomponenteermöglicht eine gezielte Behandlung von Hauttextur, Erythem und Pruritus.
-
Eine spannende Entwicklung ist die Nutzung fraktionierter ablativer CO2-Laser zur gezielten transdermalen Wirkstoffapplikation über Mikrokanäle.
Narbenbehandlung: früh behandeln und gezielt kombinieren
Die fraktionierte CO2-Lasertherapie bleibt der Goldstandard für die Behandlung hypertropher, traumatischer und atropher Narben. Neuere Studien zeigen jedoch, dass sich der optimale Behandlungszeitpunkt verschoben hat. Während früher das vollständige Ausreifen der Narbe abgewartet wurde, spricht die aktuelle Evidenz dafür, bereits kurz nach der Epithelialisierung, z.B. beim Fadenzug, mit der Lasertherapie zu beginnen. Durch die Modulation der frühen Wundheilung können Narbendicke, Elastizität und kosmetisches Ergebnis nachhaltig verbessert werden.1,2
Ebenso kombiniert man in der gleichen Sitzung verschiedene Lasersysteme. Der fraktionierte CO2-Laser verbessert vor allem Kollagenremodellierung und Hauttextur, während vaskuläre Laser gezielt die entzündliche Komponente der Narbe behandeln. Neben dem gepulsten Farbstofflaser gewinnt insbesondere der 532-nm-KTP-Laser an Bedeutung. Aktuelle Arbeiten zeigen nicht nur eine Reduktion des persistierenden Narbenerythems, sondern auch eine deutliche Linderung des häufig belastenden Pruritus.3 Die moderne Narbentherapie entwickelt sich damit zunehmend zu einem phänotypbasierten Konzept, bei dem verschiedene Lasersysteme entsprechend der dominierenden Narbenkomponente kombiniert werden.
«Laser-assisted drug delivery»: Der Laser als Wirkstoffvehikel
Eine spannende Entwicklung ist die Nutzung fraktionierter Laser zur gezielten transdermalen Wirkstoffapplikation. Fraktionierte ablative CO2-Laser erzeugen Mikrokanäle, über die Medikamente tief in Epidermis und Dermis eingebracht werden können. Dadurch lassen sich deutlich höhere lokale Wirkstoffkonzentrationen erzielen als durch eine alleinige topische Therapie.4
Nicht alle Verfahren eignen sich jedoch gleichermassen für dieses Konzept. OCT-Untersuchungen zeigen, dass Microneedling und Radiofrequenz-Microneedling überraschenderweise keine persistierenden Hautkanäle erzeugen und bereits nach wenigen Minuten wieder verschlossen sind. Dagegen bleiben die durch fraktionierte CO2-Laser erzeugten Ablationskanäle noch nach 24 Stunden offen und ermöglichen dadurch ein deutlich grösseres therapeutisches Zeitfenster für die Wirkstoffaufnahme.5 Diese Daten erklären, weshalb ablative fraktionierte Laser heute als Referenzverfahren für die «laser-assisted drug delivery» (LADD) gelten.
Klinisch am besten untersucht ist bislang die Kombination mit Kortikosteroiden oder 5-Fluorouracil zur Behandlung hypertropher Narben (Abb.1A+B). Darüber hinaus erweitern neue pharmakologische Ansätze das Einsatzgebiet. So konnte kürzlich gezeigt werden, dass die lasergestützte Applikation von Latanoprost bei depigmentierten Verbrennungsnarben eine klinisch relevante Repigmentierung fördern kann.6 Damit entwickelt sich LADD zunehmend zu einer Plattformtechnologie für innovative dermatologische Therapien.
Abb. 1: (A) 3 Jahre postoperativ nach serieller Exzision eines konnatalen Nävus vor Therapiebeginn; (B) nach 6 Behandlungen mit fraktioniertem CO2-Laser mit LADD mit Triamcinolon und Kombination mit langgepulstem 532-nm-Laser
Weniger Downtime: Laser im Zeitalter der Longevity
Auch die ästhetische Laserdermatologie befindet sich im Wandel. Während ablative CO2-Laser weiterhin die höchste Wirksamkeit erzielen, wünschen sich Patientinnen und Patienten zunehmend Behandlungen mit kürzerer Ausfallzeit. Neue 2910-nm-Faserlaser, beispielsweise das UltraClear®-System, ermöglichen durch einen präziseren thermischen Effekt eine effektive Hautverjüngung bei geringerer Downtime. Gleichzeitig gewinnen nichtablative fraktionierte Laser weiter an Bedeutung, auch wenn hierfür meist mehrere Sitzungen erforderlich sind.7
Diese Entwicklung passt zum Konzept der Longevity-Medizin, bei der nicht mehr die einmalige Korrektur ausgeprägter Haut-alterung, sondern der langfristige Erhalt einer gesunden Hautfunktion im Vordergrund steht. Über die bekannten Effekte der Kollagenneubildung hinaus rücken zunehmend die epigenetischen Wirkmechanismen der Lasertherapie in den Fokus. Aktuelle Arbeiten legen nahe, dass Laser über Veränderungen der DNA-Methylierung, Histonmodifikationen und nicht-codierende RNAs regenerative Signal-wege reprogrammieren, die Fibroblastenfunktion verbessern und zelluläre Seneszenz modulieren könnten. Damit werden Laser zunehmend nicht nur als thermische Instrumente, sondern als potenzielle Modulatoren der Hautbiologie verstanden – ein vielversprechendes Konzept, das jedoch durch klinische Studien mit molekularen Endpunkten weiter validiert werden muss.8,9
Künstliche Intelligenz unterstützt die Lasertherapie
Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in die Lasermedizin. Moderne Machine-Learning-Algorithmen lernen anhand grosser Bild- und Patient:innendatensätze Zusammenhänge zwischen Hautmerkmalen, Behandlungsparametern und Therapieergebnissen und unterstützen so die klinische Entscheidungsfindung.10
Ein bereits etabliertes Beispiel ist der Skintel® Melanin Reader, der den Melaningehalt der Haut objektiv bestimmt und dadurch die Auswahl geeigneter Laserparameter insbesondere bei pigmentselektiven und ästhetischen Behandlungen unterstützt. Moderne Plattformen wie AVAVASync® gehen einen Schritt weiter und verbessern die Standardisierung der Behandlung. Das System dokumentiert automatisch Energie, Pulsdauer und Behandlungstiefe, speichert frühere Parameter und erleichtert deren reproduzierbare Anwendung bei Folgebehandlungen. Die Entscheidung über Fluenz oder Pulsdauer trifft jedoch weiterhin ausschliesslich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. KI fungiert derzeit als intelligentes Assistenzsystem – nicht als autonomer Laseroperator.9 Noch nicht.
Fazit
Die dermatologische Lasermedizin entwickelt sich zunehmend von einer geräteorientierten hin zu einer individualisierten Therapie. Frühzeitige Narbenbehandlung, phänotypbasierte Laserkombinationen, LADD, neue Systeme mit reduzierter Downtime und KI-gestützte Assistenzsysteme erweitern das therapeutische Spektrum erheblich. Die Auswahl des geeigneten Lasers und der Behandlungsstrategie bleibt jedoch auch künftig eine ärztliche Kernkompetenz.
Literatur:
1 Liu J et al.: Mechanism exploration of early intervention with CO₂ ablative fractional laser to improve surgical scars. Dermatol Surg 2025; 51(12): 1123-8 2 Karmisholt KE et al.: Early laser intervention to reduce scar formation – a systematic review. J Eur Acad Dermatol Venereol 2018; 32: 1099-110 3 Waibel JS et al.: Scar therapy of skin. Facial Plast Surg Clin North Am 2023; 31(4): 453-62 4 Labadie JG et al.: Evidence-based clinical practice guidelines for laser-assisted drug delivery. JAMA Dermatol 2022; 158(10): 1193-201 5 Wang JV et al.: Evaluation of device-based cutaneous channels using optical coherence tomography: impact for topical drug delivery. Dermatol Surg 2022; 48(1): 120-5) 6 Atefi N et al.: Evaluation of the efficacy, safety, and satisfaction rate of topical latanoprost in patients with hypopigmented burn scars treated with fractional CO₂ laser: a double-blind randomized controlled clinical trial. Lasers Med Sci 2025; 40(1): 14 7 Murray TN et al.: Full-face and neck resurfacing with a novel ablative fractional 2910 nm erbium-doped fluoride glass fiber laser for advanced photoaging. Lasers Surg Med 2024; 56(3): 249-56) 8 Kelm RC, Murphrey MB: The impact of lasers and energy-based devices on cellular senescence: a systematic review. Lasers Surg Med 2026; 58(1): 5-20 9 Haykal D: Lasers as epigenetic modulators: reprogramming skin biology toward regeneration and longevity – EADV 2025. EMJ Dermatol 2025; 13(1): 26-30 10 Ghafoor M et al.: Artificial intelligence and laser dermatology: current applications and future innovations. Qual Res J Soc Stud 2025; 2(3): 1335-44
Das könnte Sie auch interessieren:
KI als Co-Pilot der Teledermatologie
Teledermatologie ist längst mehr als eine digitale Sprechstunde. Im zeitversetzten Bild- und Textversand («store and forward») entstehen strukturierte Bilder, Texte und Verlaufsdaten, ...
Besonderheiten bei Skin of Color
Globale Mobilität verändert das dermatologische Patientenspektrum in Klinik und Praxis. Die sichere Beurteilung von Skin of Color setzt eine diagnostische Expertise voraus, die über die ...
Die menschliche Haut in der modernen Kunst
Dr. Ralph Ubl, Professor für neuere Kunstgeschichte an der Universität Basel, stellte sich der schwierigen Herausforderung, einem Raum voller erwartungsvoller Dermatologen das Organ Haut ...