© Simon Müller

Fallberichte aus der «Abendvisite»

Chronischer Pruritus: von der Theorie zur Praxis

Chronischer Pruritus (CP) ist definiert als Juckreiz mit einer Dauer von mindestens sechs Wochen. Für die Abklärung des CP ist entscheidend, nicht nur die Haut, sondern auch extrakutane Hinweise zu beachten. Besonders relevant sind hohe und anhaltende Juckreizintensität, nächtliche Betonung, Therapieresistenzen sowie Begleitsymptome. Dass Dermatolog:innen dabei eine diagnostische Weichenstellfunktion haben können, zeigen die bei der «Abendvisite» präsentierten Fälle.

Für die klinische Einordnung des chronischen Pruritus (CP) ist die Klassifikation des International Forum for the Study of Itch (IFSI) zentral, die Patient:innen anhand primärer und sekundärer Effloreszenzen in drei Gruppen einteilt und dadurch die differenzialdiagnostische Zuordnung vereinfacht. Gruppe I umfasst Pruritus auf primär entzündeter Haut. Hier stehen Dermatosen im Vordergrund, und es finden sich Primäreffloreszenzen wie Maculae, Papeln, Noduli, Tumoren, Vesiculae, Bullae oder Pusteln. Gruppe II beschreibt Pruritus auf primär nichtentzündeter Haut. In dieser Konstellation fehlen Primäreffloreszenzen, allenfalls können Kratzläsionen vorhanden sein. Die Ursachen können internistisch, neurologisch, psychogen oder medikamentös bedingt sein. Gruppe III umfasst chronische Kratzläsionen, bei denen charakteristische sekundäre Hautveränderungen im Vordergrund stehen. Da diese aus Gruppe I oder II entstehen können, sind die Ursachen dafür sowohl dermatologisch als auch nichtdermatologisch (Abb.1).1,2

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