Pityriasis lichenoides chronica
Autorinnen:
Dr. Laura Schneller
Dr. Christine Wagger
Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie
Universitätsklinikum der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg
E-Mail: l.schneller@salk.at
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Die Pityriasis lichenoides chronica ist eine seltene, chronisch-entzündliche, papulosquamöse Hauterkrankung unklarer Genese mit schubweisem Verlauf. Trotz meist günstiger Prognose kann die Erkrankung über längere Zeit persistieren und erfordert eine sorgfältige differenzialdiagnostische Abklärung sowie klinische Verlaufskontrollen.
Keypoints
-
PLC ist eine seltene, chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit typischerweise schubhaftem sowie rezidivierendem Verlauf.
-
Die Pathogenese ist nicht abschließend geklärt, jedoch wird oft ein Infekt-getriggerter, immunologisch vermittelter Mechanismus angenommen.
-
Klinisch wegweisend sind eine feine, glimmerartige Schuppung und das sogenannte Sargdeckelphänomen.
-
Trotz eines oft über Monate bis Jahre andauernden Verlaufs ist die Prognose bei Kindern in der Regel günstig.
Die Pityriasis lichenoides chronica (PLC) tritt vor allem im Kindes- und jungen Erwachsenenalter auf. Klinisch imponiert sie durch ein polymorphes Exanthem aus teils schuppenden Papeln und Plaques an Rumpf und proximalen Extremitäten.
Fallstudie
Ein 16 Monate alter Patient wurde in unserer kinderdermatologischen Spezialam-bulanz aufgrund seit sechs Monaten bestehender, multipler, disseminierter rötlich-bräunlicher Papeln sowie kleiner Plaques mit diskreter Schuppung vorstellig (Abb.1+2). Systemische Beschwerden, insbesondere Pruritus, bestanden nicht. Die Umgebungsanamnese war unauffällig; relevante Vorerkrankungen lagen ebenso wenig vor wie eine Dauermedikation. Der Entwicklungszustand des Kindes war altersentsprechend.
Abb. 1 + 2: 2 Jahre alter Junge mit disseminierten rötlich-bräunlichen makulopapulösen Effloreszenzen am Stamm, teils mit feiner, glimmerartiger Schuppung, teils exkoriiert durch Manipulation/Kratzen. Die Läsionen imponieren überwiegend monomorph
Abb. 3: Im weiteren Verlauf kommt es zu einer signifikanten Abblassung der Läsionen sowie zu einer Reduktion der Läsionsanzahl
Die histopathologische Untersuchung zeigte ein unspezifisches Bild mit Para-keratose, Akanthose, Spongiose sowie einem überwiegend lymphozytären Infiltrat. Weder eine Therapie mit topischen Kortikosteroiden noch eine systemische antibiotische Behandlung mit Erythromycin führten zu einer klinischen Besserung.
Im weiteren Verlauf zeigte sich über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren ein undulierender Krankheitsverlauf (Abb.3). Schließlich kam es zu einer spontanen, vollständigen Abheilung sämtlicher Hautläsionen.
Definition und Pathogenese
Die PLC stellt eine seltene chronisch-entzündliche Hauterkrankung dar, die vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen beobachtet wird.1 Die Krankheit wurde erstmals 1894 beschrieben.2 Im Kindesalter treten Häufigkeitsgipfel der Erkrankung typischerweise im Alter von fünf und zehn Jahren auf. Allgemein besteht kein geschlechtsspezifischer Unterschied.2
Die Pathogenese der Erkrankung ist Gegenstand kontroverser Diskussionen. Während einige Autoren sie als entzündliche Reaktion auf einen infektiösen Auslöser interpretieren, betrachten andere sie als T-Zell-assoziierte lymphoproliferative Erkrankung. Die PLC wurde unter anderem mit kürzlich aufgetretenen Infektionen (v.a. Atemwegserkrankungen durch Streptokokken, Varizellen, Epstein-Barr-Virus), der Einnahme bestimmter Medikamente, Impfungen sowie mit Autoimmunerkrankungen wie der Alopecia areata oder der Autoimmunhepatitis in Verbindung gebracht.2,3
Klinische Präsentation
Die PLC zeigt typischerweise einen schubweisen Verlauf über Monate bis hin zu Jahren. Klinisch präsentiert sie sich mit einem variablen Erscheinungsbild aus erythematösen bis bräunlichen Papeln und Plaques, die teilweise eine feine Schuppung aufweisen und meist ohne Narben abheilen.1 Die betroffenen Kinder sind überwiegend beschwerdefrei, gelegentlich (bei ca. 2/3 der Fälle) wird ein leichter Juckreiz angegeben. Die Hautveränderungen finden sich bevorzugt am Rumpf sowie an den oberen Extremitäten.4 Charakteristisch für die Erkrankung sind eine feine, glimmerartige Schuppung sowie das sogenannte „Sargdeckelphänomen“, bei dem sich durch leichtes Kratzen eine zusammenhängende Schuppenschicht von der Läsion ablösen lässt.5
Die Diagnose wird daher meist klinisch gestellt und kann bioptisch gesichert werden.2
Typisch ist bei Kindern auch die ausgeprägte postinflammatorische Dyspigmentierung, besonders bei dunkleren Hauttypen, die eine klinische Abgrenzung zur Mycosis fungoides schwierig machen kann.
Differenzialdiagnosen
Die PLC manifestiert sich entweder de novo oder stellt eine chronische Variante der Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta (PLEVA) dar. Die Unterscheidung basiert primär auf klinischen und zeitlichen Merkmalen, wobei erhebliche Überlappungen bestehen. Ein Übergang zwischen den beiden Verlaufsformen ist in rund 5% der Fälle beschrieben (Tab.1).6
Tab. 1: Gegenüberstellung von Pityriasis lichenoides chronica und Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta (modifiziert nach Altmeyer P, Bacharach-Buhles M 2025)6
Mögliche weitere Differenzialdiagnosen sind vor allem die Psoriasis (guttata), der Lichen planus, die lymphomatoide Papulose oder die (atypische) Pityriasis rosea.
Therapie und Prognose
Für die Behandlung der PLC besteht weiterhin eine begrenzte Evidenzlage – hochwertige randomisierte Studien fehlen. In der klinischen Praxis kommen primär topische Kortikosteroide, Calcineurininhibitoren sowie indifferente Basistherapeutika zum Einsatz, jedoch mit insgesamt geringen Ansprechraten. Systemisch werden Antihistaminika zur symptomatischen Kontrolle eines Pruritus eingesetzt sowie auch orale Antibiotika (insbesondere Erythromycin, Azithromycin). Für Erythromycin werden in Studien Ansprechraten zwischen 25% und 73% berichtet; trotz dieser Variabilität gilt es als Erstlinientherapie.7,8 Eine ausreichend lange Behandlungsdauer (üblicherweise >2–3 Monate) ist entscheidend, da kürzere Therapien mit einem erhöhten Rezidivrisiko assoziiert sind. Bei schweren oder therapieresistenten Verläufen kann eine Behandlung mit (niedrig dosiertem) Methotrexat nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erwogen werden.2,8
Zusätzlich stellt die Phototherapie mit UVB (bei Erwachsenen alternativ PUVA) eine häufig wirksame Therapieoption dar. Im Kindesalter wird sie erst bei ausreichender Kooperationsfähigkeit durchgeführt (ab ca. 6 Jahren).2,8 Aufgrund unzureichender Daten zum Langzeitrisiko UV-induzierter Hautmalignome bei Kindern wird diese Therapie in der Regel zeitlich begrenzt (<3 Monaten) angewendet.2
Die PLC verläuft in der Regel benigne mit einer medianen Krankheitsdauer von etwa 20 Monaten (Range 3–132 Monate). Die Erkrankung verläuft bei Kindern tendenziell chronischer als bei Erwachsenen,2,9 Rezidive sind häufig (bei ca. 77% der Patient:innen). Regelmäßige klinische Verlaufskontrollen werden empfohlen, da in seltenen Fällen ein Übergang in ein kutanes T-Zell-Lymphom (Mycosis fungoides) beschrieben wurde. Bei Erwachsenen wird dieses Risiko mit etwa 5% innerhalb von 3 bis 11 Jahren angegeben, während für Kinder lediglich Einzelfallberichte vorliegen, sodass eine verlässliche Risikoeinschätzung derzeit nicht möglich ist.2,10
Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die PLC eine seltene, überwiegend gutartige, jedoch chronische Hauterkrankung ist, die im Kindesalter als relevante Differenzialdiagnose bei generalisierten schuppenden papulösen Effloreszenzen in Betracht gezogen werden sollte.
Dieser Artikel basiert auf folgendem zuvor veröffentlichten Fallbericht: Schneller L, Wagger C: Pityriasis lichenoides chronica – eine wichtige Differenzialdiagnose im Kindesalter. hautnah 2025; 24: 163-6; doi: 10.1007/s12326-025-00734-5. Die vorliegende Fassung wurde umformuliert.
Literatur:
1 Fatturi AL et al.: Pityriasis lichenoides: assessment of 41 pediatric patients. J Pediatr (Rio J) 2024; 100(5): 527-32 2 Geller L et al.: Pityriasis lichenoides in childhood: review of clinical presentation and treatment options. Pediatr Dermatol 2015; 32(5): 579-92 3 Elbendary A et al.: Role of streptococcal infection in the etiopathogenesis of pityriasis lichenoides chronica and the therapeutic efficacy of azithromycin: a randomized controlled trial. Arch Dermatol Res 2023; 315(3): 521-30 4 Zang JB et al.: Pityriasis lichenoides: long-term follow-up study. Pediatr Dermatol 2018; 35(2): 213-19 5 Altmeyer P, Bacharach-Buhles M: Pityriasis lichenoides chronica. Altmeyers Enzyklopädie 2025; https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/pityriasis-lichenoides-chronica-3097 ; zuletzt aufgerufen am 28.4.2026 6 Altmeyer P, Bacharach-Buhles M: Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta. Altmeyers Enzyklopädie 2025; https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/pityriasis-lichenoides-et-varioliformis-acuta-3098 ; zuletzt aufgerufen am 28.4.2026 7 Chen Y et al.: Oral erythromycin in pityriasis lichenoides chronica and pityriasis lichenoides et varioliformis acuta. Dermatol Ther 2020; 33(3): e13311 8 Bellinato F: A systematic review of treatments for pityriasis lichenoides. J Eur Acad Dermatol Venereol 2019; 33(11): 2039-49 9 Ersoy-Evans S et al.: Pityriasis lichenoides in childhood: a retrospective review of 124 patients. J Am Acad Dermatol 2007; 56(2): 205-10 10 Zaaroura H et al.: Relationship between pityriasis lichenoides and mycosis fungoides: a clinicopathological, immunohistochemical, and molecular study. Am J Dermatopathol 2017; 39(1): 1-8
Das könnte Sie auch interessieren:
Acne vulgaris – eine Nahrungsmittelallergie?
Allein die Fragestellung klingt verrückt, wo doch immer hormonelle Einflüsse als Ursache für Akne angeführt werden. Ziel dieses Beitrags ist es, die Hormone als alleinige Ursache infrage ...
Impfstoffe gegen humane Papillomviren
Humane Papillomviren sind weitverbreitete, teils sexuell übertragene Viren. Die Infektion verläuft in einer überwiegenden Zahl der Fälle symptomlos, kann jedoch gutartige Warzen sowie ...
Lymphomatoide Papulose bei Kindern und Jugendlichen
Die lymphomatoide Papulose ist eine meist gutartig verlaufende, chronisch-rezidivierende Erkrankung, die histopathologisch maligne Lymphomerkrankungen imitieren kann. Diagnostisch ist ...