Acne vulgaris – eine Nahrungsmittelallergie?
Autor:
Univ.-Prof. Dr. Reinhart Jarisch
FAZ – Floridsdorfer Allergie Zentrum, Wien
E-Mail: jarisch@faz.at
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Allein die Fragestellung klingt verrückt, wo doch immer hormonelle Einflüsse als Ursache für Akne angeführt werden. Ziel dieses Beitrags ist es, die Hormone als alleinige Ursache infrage zu stellen und gleichzeitig zu hinterfragen, ob es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Akne gibt.
Keypoints
-
Acne vulgaris ist als kosmetisches Problem anzusehen. Sie tritt primär im Gesicht und am Rücken auf.
-
Der Talg ist das Öl für die Akneflamme.Maßnahmen, die die Talgproduktion senken, mildern unweigerlich den Krankheitsverlauf.
-
Gesicht und Rücken dienen als „Mülldeponie“ für unverdauliche Nahrungsmittel.
-
Akneerkrankten ist der Konsum von Nüssen und Schokolade verboten.
Das Hauptziel dabei ist die Frage, ob Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. -allergien als Akneauslöser fungieren können. Weiters wird infrage gestellt, ob die antibiotische Wirkung von Tetracyclinen gegen das Propionibacterium acnes hauptsächlich für die Heilung verantwortlich ist.
Beginnen wir mit der Frage, wie wichtig die Behandlung von Acne vulgaris ist. Das hervorragende Lehrbuch von Plewig und Kligman mit dem Titel „Akne und Rosazea“ umfasst über 700 Seiten – und das für nur zwei ähnliche Krankheitsbilder!
Schätzungen gehen davon aus, dass über 80% der Bevölkerung irgendwann im Leben mit Akne zu tun hatten. Aber an Akne stirbt man nicht! Hingegen existieren über Masern keine derart umfangreichen Lehrbücher – und daran starben 2024 weltweit etwa 95000 Menschen.
Warum daher die große Aufmerksamkeit für Acne vulgaris? Da sich die Akne vornehmlich im Gesicht (aber auch am Rücken) zeigt, wird klar, dass wir es mit einem kosmetischen Problem zu tun haben. Das Gesicht ist der Spiegel der Seele des Menschen, und das Gesicht wird durch die Akne „beleidigt“.
In dem eingangs genannten Buch von Plewig werden 29 Arten von Akne beschrieben. Einige davon sind hier exemplarisch hevorgehoben:
-
Acne neonatorum wird bei vielen Neugeborenen gesehen und verschwindet nach Wochen von alleine.
-
Testosteron-induzierte Akne bei Jugendlichen belastet viele junge Leute. In dem Zusammenhang ist interessant, dass Kastraten keine Akne bekommen.
-
Die Bodybuilding-Akne ist eine Blick-diagnose bei jungen Sportlern, die Testosteron nehmen.
-
Und letztlich sei hier die sogenannte Mallorca-Akne genannt, die bei Aufenthalten vor Ort auftritt und UV-induziert ist.
Ursachen
Die Akne hat streng genommen keine exakt definierbare Ursache. Der Talg ist das Öl für die Akneflamme. Talgspiegel, wie sie beim Erwachsenen vorkommen, sind für die Entstehung dieser Krankheit eine absolute Voraussetzung. Maßnahmen, die die Talgproduktion senken – Röntgenstrahlen, Östrogene, Antiandrogene oder Isotretinoin –, mildern unweigerlich den Krankheitsverlauf. Kein anderer Faktor korreliert so überzeugend mit dem Schweregrad der Akne. Eine schwere Akne ist immer mit starker Seborrhö verbunden. Umgekehrt verläuft bei niedriger Talgproduktion die Krankheit entsprechend leichter.
Um die Titelfrage zu beantworten, möchte ich die Chlorakne besprechen:
Die Dioxin(TCDD)-Freisetzung aus Industriebetrieben führte in den USA 1972–1973 und 1974–1977, in Seveso/Italien 1976, in Taiwan 1979 und Spanien 1981 zu schwersten Aknefällen im Umkreis von bis zu 40km. Der bekannteste Vergiftungsfall ist der ehemalige Präsident der Ukraine: Herr Juschtschenko.
Und nun zur Auflösung der Titelfrage: Prof. Saurat aus der Dermatologischen Universitätsklinik Genf hat eine Studie mit Mäusen durchgeführt, die radioaktiv markiertes Dioxin zum Fressen bekommen haben. Da Dioxin nicht verdaulich ist, wurde es entweder wieder ausgeschieden (gut) oder resorbiert (schlecht). Wenn es resorbiert wird, dann sucht der Körper für den „Müll“ eine „Mülldeponie“.
Aber die Mülldeponie des Menschen sind leider das Gesicht und der Rücken, wie die Studien mit radioaktiv markiertem Dioxin zeigten.
Nicht verdaulich sind für den Menschen Nüsse und Kakao, daher ist Akneerkrankten der Konsum von Nüssen und Schokolade verboten.
Jetzt bleibt nur noch die Frage, warum Tetracycline (z.B. Minostad 50mg Kapseln 1x1) bei Akne helfen. Die niedrige Dosierung macht einen antibiotischen Effekt wenig wahrscheinlich. Von einem Chemiker aus der Gerichtsmedizin in Wien wurde jedoch die Tatsache bestätigt, dass Tetracycline auch Chelatoren sind, und – wie die beiden Scheren des Krebses – den Müll abräumen.
Nicht das harmlose Bakterium Propionibacterium acnes ist primär schuld, sondern Nahrungsmittel, die wir nicht verdauen können und daher im Gesicht und am Rücken „deponieren“, im wahrsten Sinne des Wortes.
Literatur:
● Plewig G, Kligman AM: Akne und Rosazea. Zweite, neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Heidelberg: Springer, 1994 ● Schäfer M et al.: Activation of Nrf2 in keratinocytes causes chloracne (MADISH)-like skin disease in mice. EMBO Mol Med 2014; 6(4): 442-57
Das könnte Sie auch interessieren:
Pityriasis lichenoides chronica
Die Pityriasis lichenoides chronica ist eine seltene, chronisch-entzündliche, papulosquamöse Hauterkrankung unklarer Genese mit schubweisem Verlauf. Trotz meist günstiger Prognose kann ...
Impfstoffe gegen humane Papillomviren
Humane Papillomviren sind weitverbreitete, teils sexuell übertragene Viren. Die Infektion verläuft in einer überwiegenden Zahl der Fälle symptomlos, kann jedoch gutartige Warzen sowie ...
Lymphomatoide Papulose bei Kindern und Jugendlichen
Die lymphomatoide Papulose ist eine meist gutartig verlaufende, chronisch-rezidivierende Erkrankung, die histopathologisch maligne Lymphomerkrankungen imitieren kann. Diagnostisch ist ...