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Neue S2k-Leitlinie: intensive Schmerztherapie bei Kindern und Jugendlichen

Was Kindern mit starken Schmerzen am besten hilft

Laut Erhebungen leiden 6,7% der Kinder und Jugendlichen an schwer beeinträchtigenden Schmerzen. Unter Leitung der Deutschen Schmerzgesellschaft wurde erstmals eine Leitlinie zur stationären interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie (IMST) bei Kindern erstellt, um die Versorgung zu verbessern.

Unbeschwerte Kindheit? Von wegen! In Deutschland geben etwa 30% der Kinder und Jugendlichen im Alter von 8–17 Jahren an, in den letzten 3 Monaten chronische bzw. wiederkehrende Schmerzen erlebt zu haben.1 Daten der zweiten KIGGS-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zeigen, dass die Häufigkeit von wiederholt auftretenden Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen seit 2010 deutlich angestiegen ist.2 Die Prävalenz chronischer Schmerzen nimmt mit zunehmendem Alter zu und Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Kopfschmerzen sind die häufigste Schmerzart bei Jugendlichen, gefolgt von muskuloskelettalen Schmerzen und Bauchschmerzen; Kinder unter elf Jahren leiden dagegen am häufigsten an wiederkehrenden Bauchschmerzen.2,3 Eine höhere Schmerzintensität steht in Zusammenhang mit emotionaler Beeinträchtigung, Schlafproblemen, der Einnahme von Schmerzmedikamenten und schmerzbedingten Arztbesuchen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die an schwer beeinträchtigenden Schmerzen leiden – und damit Zielgruppe der neuen Leitlinie sind – beträgt in Deutschland etwa 6,7%.1,4

Internationale Studien zeigen ähnliche Daten. Für Österreich gibt es zwar keine entsprechenden Erhebungen, Expert:innen gehen aber davon aus, dass die Lage hierzulande ähnlich alarmierend ist. Bleiben die chronischen Schmerzen unbehandelt oder falsch behandelt, können sie bis ins Erwachsenenalter fortbestehen und enorme negative Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft haben.

Stationäre, interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie

Die effektivste Behandlungsmethode für schwere chronische Schmerzerkrankungen bei Kindern ist die stationäre interprofessionelle Schmerztherapie (IMST). Die IMST ist ein komplexes multimodales und interdisziplinäres Therapieverfahren, das auf einem biopsychosozialen Krankheitsverständnis beruht, verhaltenstherapeutisch orientiert ist und aktivierende Maßnahmen bevorzugt.4

Die individuellen Therapieziele sowie das individuelle Behandlungskonzept werden dabei eng unter den beteiligten Berufsgruppen abgestimmt. Sie zielen darauf ab, die Schmerzen zu verringern und die Lebensqualität der Kinder wieder zu steigern. „Der Schulbesuch und sportliche Aktivtäten sollen wieder möglich werden und die Kinder sollen wieder Freude am Lernen und am Leben haben“, so die Psychologin PD Dr. Julia Wager vom Deutschen Kinderschmerzzentrum, unter deren Leitung die Leitlinie erstellt wurde. „Die Verringerung der schmerzbedingten Beeinträchtigung ist das primäre Behandlungsziel, damit betroffene Kinder und Jugendliche wieder aktiv am Leben teilnehmen können“, so Wager. Eine stationäre IMST für Kinder und Jugendliche soll in einer Klinik für Kinder und Jugendliche und mit einem interdisziplinären, pädiatrisch geschulten Behandlungsteam erfolgen, das auf die emotionalen und entwicklungsbedingten Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen kann.

Neue S2k-Leitlinie

Die konsensbasierte S2k-Leitlinie „Stationäre Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST) bei Kindern und Jugendlichen“ ist mit einer Langfassung, einer Kurzfassung sowie einem Methodenreport auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlich medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/145-006 abrufbar. Eine Version für Patient:innen soll folgen. (red)

Pressemitteilung der Deutschen Schmerzgesellschaft vom 25.3.2026; S2k-Leitlinie 20264

1 Grothus S et al.: Pediatric chronic pain grading - a revised classification of the severity of pediatric chronic pain. Pain 2024; 165 (9): 2087-97 2 Krause L et al.: Kopf-, Bauch-und Rückenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz 2019; 62 (10): 1184-94 3 Wager J et al.: Prevalence and associated psychosocial and health factors of chronic pain in adolescents: Differences by sex and age. In: Eur J Pain 2020; 24 (4): 761-72 4 Deutsche Schmerzgesellschaft: S2k-Leitlinie Stationäre Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie (IMST) bei Kindern und Jugendlichen – Langversion 1.0, 2026. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/145-006 ; zuletzt aufgerufen am 8.4.2026

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