Unfruchtbarkeit bei Frauen steigt weltweit weiter an
Die Belastung durch Unfruchtbarkeit bei Frauen im Alter von 35 bis 49 Jahren ist in den vergangenen drei Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Daten der Global Burden of DiseaseStudy 2023.
Den Berechnungen eines überwiegend chinesischen Forschungsteams zufolge waren im Jahr 2023 weltweit rund 53,6 Millionen Frauen im Alter zwischen 35 und 49 Jahren von Unfruchtbarkeit betroffen. Die altersstandardisierte Prävalenzrate (ASPR) lag bei 6907,12 pro 100000 Frauen, die altersstandardisierte Krankheitslast gemessen in „disability-adjusted life years“ (DALYs) bei 36,29 pro 100000 Frauen.
Deutliche regionale Unterschiede
Die Krankheitslast war regional unterschiedlich verteilt. Die höchsten altersstandardisierten Prävalenz- und DALY-Raten fanden sich 2023 in Ostasien, während Australasien die niedrigsten Werte aufwies. Betrachtet nach sozioökonomischem Entwicklungsstand zeigten Regionen mit mittlerem und gehobenem mittlerem Socio-demographicIndex (SDI) die höchste Belastung. Gleichzeitig verringerte sich die Ungleichheit zwischen Regionen mit niedrigem und hohem SDI im Untersuchungszeitraum, auch wenn Länder mit niedrigem SDI weiterhin eine erhebliche Krankheitslast tragen.
Anstieg bis 2036 erwartet
Für die Zukunft prognostiziert das verwendete Bayes’sche Age-Period-Cohort-Modell einen weiteren deutlichen Anstieg. Bis 2036 könnte die Zahl der betroffenen Frauen im Alter von 35 bis 49 Jahren gegenüber 2023 um 48,58% auf rund 79,6 Millionen zunehmen. Parallel dazu erwarten die Autoren einen nahezu 50-prozentigen Anstieg der DALYs. Den stärksten Zuwachs sagen die Modellierungen für die Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen voraus.
Mögliche Gründe für die steigende Unfruchtbarkeit
Neben der biologisch bedingten Abnahme der ovariellen Reserve und der Eizellqualität im höheren reproduktiven Alter verweisen die Autoren auf eine spätere Familiengründung, Adipositas, Stress sowie eine verbesserte Diagnostik durch den zunehmenden Einsatz assistierter Reproduktionsverfahren.
Fazit der Autoren
Nach Einschätzung der Autoren unterstreichen die Ergebnisse den wachsenden Stellenwert der Unfruchtbarkeit bei Frauen höheren reproduktiven Alters als globale Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. Sie sprechen sich für gezielte, an den jeweiligen regionalen Gegebenheiten orientierte Strategien sowie eine priorisierte Ressourcenallokation aus, um der künftig steigenden Krankheitslast zu begegnen. (red)
Literatur:
1 Du Y et al.: Epidemiological trends, disparities, and developmental correlates of infertility in women of advanced maternal age, 1990–2023: a comprehensive analysis within the GBD framework. Lancet Obstet Gynaecol Womens Health 2026; 2: e597-e612
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