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Der Lebensstil macht es aus

Risiko für Typ-2-Diabetes trotz „schlechter Gene“ senken

Eine rezente prospektive Analyse der UK Biobank zeigt: Ein gesunder Lebensstil ist unabhängig von der genetischen Prädisposition mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert.

Typ-2-Diabetes entsteht durch das Zusammenspiel genetischer und modifizierbarer Risikofaktoren. Während zahlreiche Studien beide Einflussgrößen bereits einzeln untersucht haben, war bislang weniger gut geklärt, wie sich ein gesunder beziehungsweise ungesunder Lebensstil auf das Erkrankungsrisiko in unterschiedlichen genetischen Risikogruppen auswirkt. Dieser Fragestellung gingen Zhao et al. anhand von Daten der UK Biobank nach. In die prospektive Kohortenstudie wurden 332251 Erwachsene ohne Diabetes zu Studienbeginn eingeschlossen. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13,6 Jahren entwickelten 13128 Teilnehmende (4,0%) einen Typ-2-Diabetes.

783 genetische Varianten und vier Lebensstilfaktoren untersucht

Zur Bestimmung der genetischen Prädisposition berechneten die Forschenden einen genetischen Risikoscore (GRS) auf Basis von 783 mit Typ-2-Diabetes assoziierten genetischen Varianten. Der Lebensstil wurde anhand von vier Faktoren bewertet: Body-Mass-Index, Raucherstatus, körperliche Aktivität und Ernährungsqualität. Entsprechend den Kriterien der American Heart Association wurden die Teilnehmenden anhand von Body-Mass-Index, Raucherstatus, körperlicher Aktivität und Ernährungsqualität in drei Lebensstilgruppen eingeteilt. Ein gesunder Lebensstil lag vor, wenn mindestens drei der vier Faktoren als gesund bewertet wurden, ein ungesunder bei mindestens drei ungesunden Faktoren. Alle übrigen Kombinationen wurden als intermediärer Lebensstil klassifiziert.

Keine Überraschung: höchstes Risiko bei ungünstiger Kombination

Sowohl der genetische Risikoscore als auch der Lebensstil waren unabhängig voneinander mit dem Auftreten eines Typ-2-Diabetes assoziiert. Gegenüber Personen mit niedrigem genetischem Risiko betrug die adjustierte Hazard-Ratio 1,59 für ein moderates und 2,58 für ein hohes genetisches Risiko. Ein intermediärer beziehungsweise ungesunder Lebensstil war im Vergleich zu einem gesunden Lebensstil mit Hazard-Ratios von 2,38 beziehungsweise 6,83 verbunden. Besonders ausgeprägt war das Erkrankungsrisiko bei Personen mit hoher genetischer Prädisposition und gleichzeitig ungesundem Lebensstil. Verglichen mit der Referenzgruppe – niedriges genetisches Risiko und gesunder Lebensstil – lag die Hazard-Ratio in dieser Gruppe bei 16,33. Aber auch innerhalb jeder genetischen Risikokategorie war ein ungesunder Lebensstil konsistent mit einem höheren Diabetesrisiko assoziiert als ein gesunder Lebensstil.

Was hatte den stärksten positiven Einfluss?

Unter den einzelnen Lebensstilfaktoren zeigte der BMI den stärksten Zusammenhang mit dem Auftreten eines Typ-2-Diabetes. Im Vergleich zu Personen mit einem BMI im gesunden Bereich (18,5–24,9 kg/m2) betrug die Hazard-Ratio 2,81 bei Übergewicht (BMI 25,0–29,9 kg/m2) und 8,84 bei Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m2). Die Autoren berechneten zudem die populationsattributable Fraktion. Dieser epidemiologische Kennwert schätzt den Anteil aller Krankheitsfälle in der untersuchten Population, der – unter den Annahmen des Modells – theoretisch vermeidbar wäre, wenn der betrachtete Risikofaktor beseitigt würde. Den Berechnungen zufolge wären unabhängig vom genetischen Risiko mehr als 55% der neu aufgetretenen Typ-2-Diabetesfälle theoretisch vermeidbar gewesen, wenn alle Personen mit einem intermediären oder ungesunden Lebensstil einen gesunden Lebensstil aufgewiesen hätten.

Limitationen

Zu den Einschränkungen der Studie zählt, dass die Lebensstilfaktoren ausschließlich zu Studienbeginn erhoben wurden und teilweise auf Selbstauskünften beruhten. Zudem bestand die Studienpopulation überwiegend aus Personen europäischer Abstammung, sodass die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen eingeschränkt sein könnte. (red)

1 Zhao et al.: Associations of combined genetic and lifestyle risks with incident type 2 diabetes in the UK biobank. Diabetes 2026; 75(5): 860-66

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