Energydrinks verändern Herzwerte – was könnte das bedeuten?
Energydrinks sind für viele ein willkommener schneller Wachmacher und Leistungsbooster. Ein aktueller systematischer Review zeigt jedoch, dass ihr Konsum regelmäßig mit messbaren Veränderungen von Herzfrequenz, Blutdruck und elektrokardiografischen Parametern verbunden ist. Besonders die wiederholt beobachtete QTc-Verlängerung lenkt den Blick auf mögliche kardiovaskuläre Risiken – auch wenn viele Fragen zu den Langzeitfolgen weiterhin offenbleiben.
Wachsende Popularität, zunehmende Bedenken
Energydrinks sind längst ein fester Bestandteil des Alltags vieler Jugendlicher und junger Erwachsener. Der globale Markt für diese Produkte wächst kontinuierlich, während gleichzeitig die Diskussion über mögliche gesundheitliche Risiken an Intensität gewinnt. Ein aktueller systematischer Review in Current Cardiology Reportshat die verfügbare Evidenz zu den Auswirkungen von Energydrinks auf das Herz-Kreislauf-System zusammengefasst und liefert damit eine aktuelle Bestandsaufnahme für die klinische Praxis.
Daten aus 37 Studien ausgewertet
Für die Analyse wurden 37 Studien mit insgesamt 1597 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausgewertet. Das durchschnittliche Alter der untersuchten Personen lag bei 22,6 Jahren. Die Studien umfassten sowohl randomisierte kontrollierte Untersuchungen als auch experimentelle und Querschnittsstudien. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen von Energydrinks auf hämodynamische Parameter und elektrokardiografische Veränderungen.
Die Ergebnisse zeigen ein konsistentes Bild akuter kardiovaskulärer Reaktionen nach dem Konsum von Energydrinks. In 60,9% der untersuchten Studien wurde ein signifikanter Anstieg der Herzfrequenz beobachtet. Auch Blutdruckveränderungen traten häufig auf: Ein Anstieg des systolischen Blutdrucks wurde in 53,8% der Studien nachgewiesen, während der diastolische Blutdruck in 61,5% der Untersuchungen signifikant zunahm. Darüber hinaus fanden sich in einzelnen Studien Hinweise auf Erhöhungen des mittleren arteriellen Drucks, des Herzzeitvolumens und des Schlagvolumens.
Hinweise auf Veränderungen der kardialen Erregungsleitung
Besondere Aufmerksamkeit widmen die Autor:innen den elektrokardiografischen Befunden. Von den 19 Studien, die EKG-Parameter untersuchten, analysierten zwölf das QTc-Intervall. In acht dieser zwölf Untersuchungen zeigte sich eine signifikante Verlängerung des QTc-Intervalls. Insgesamt berichteten 63,2% der EKG-Studien über relevante QTc-Veränderungen. Zusätzlich wurden Veränderungen weiterer EKG-Parameter beschrieben, darunter Auffälligkeiten des PR-Intervalls, des QRS-Komplexes sowie der T-Welle. Solche Veränderungen wurden in 57,9% der Studien mit elektrokardiografischer Auswertung dokumentiert.
Aussagekraft durch Studienpopulation begrenzt
Die Autor:innen weisen darauf hin, dass die Aussagekraft der aktuellen Evidenz durch die Zusammensetzung der untersuchten Population begrenzt wird. Die meisten Studien wurden an jungen, überwiegend gesunden Personen durchgeführt. Daten zu Patient:innen mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, arterieller Hypertonie, Arrhythmien oder metabolischen Erkrankungen liegen bislang nur in begrenztem Umfang vor. Ebenso fehlen belastbare Erkenntnisse über langfristige Auswirkungen eines regelmäßigen Konsums.
Relevanz für die ärztliche Beratung
Aus Sicht der Autor:innen unterstreichen die vorliegenden Daten die Notwendigkeit einer differenzierten Beratung insbesondere bei Personen mit potenziell erhöhtem kardiovaskulärem Risiko. Während Energydrinks häufig als harmloser Leistungs- oder Konzentrationsbooster wahrgenommen werden, zeigen die verfügbaren Studien, dass ihr Konsum regelmäßig mit messbaren Veränderungen von Herzfrequenz, Blutdruck und elektrokardiografischen Parametern einhergeht. Welche klinische Bedeutung diese Effekte langfristig haben und welche Konsequenzen sich insbesondere für Risikopatient:innen ergeben, bleibt Gegenstand zukünftiger Forschung. (red)
Quelle:
Kardiovaskuläre Auswirkungen von Energydrinks, Univadis, 15. Juni 2026
Literatur:
1 Mandato J et al.: The effects of energy drinks on the cardiovascular system: A systematic review. Curr Cardiol 2025; 156(27). doi.org/10.1007/s11886-025-02293-w
Das könnte Sie auch interessieren:
Atemübungen für mutigere Entscheidungen
Gezielte Modulation des Atemrhythmus kann menschliche Entscheidungen beeinflussen. Insbesondere scheint eine verlängerte Ausatmung die Belohnungssensitivität des Gehirns zu erhöhen und ...
Regelmäßiges Essen tut der Leber gut
Lange hielt sich die Empfehlung, besser mehrere kleine Mahlzeiten anstatt drei großer einzuplanen. Aktuelle Studienergebnisse sprechen nun dafür, auf Zwischenmahlzeiten weitestgehend zu ...
Weniger Fleisch, weniger Harnwegsinfekte?
Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, sind laut einer großen nordamerikanischen Kohortenanalyse seltener von wiederkehrenden Harnwegsinfektionen betroffen als Frauen, die ...