Weiterhin stäuben die Gräser
Autoren:
Dr. Markus Berger1–3
Lukas Dirr, MSc3,4
Dr. Johannes M. Bouchal3,4
1HNO-Abteilung, Klinik Landstraße, Wiener Gesundheitsverbund
2Allergiezentrum Wien West
3Österreichischer Polleninformationsdienst
4Abteilung für Strukturelle und Funktionelle Botanik, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien
E-Mail: markus.berger@pollenresearch.com
Ein überdurchschnittlich heißer Juni liegt hinter uns. Die Pollenkonzentrationen der Gräser bewegen sich dabei überwiegend im langjährigen Durchschnitt. Im Verlauf des Monats verlagerte sich der Höhepunkt der Gräserblüte jedoch zunehmend aus den Niederungen in höhere Lagen.
Ein kurzer Rückblick: Linde, Edelkastanie und Liguster standen den gesamten Juni über weitverbreitet in Blüte und markierten das Ende der Pollensaison der Bäume und Sträucher. Gegen Ende des Monats waren sie bereits weitgehend abgeblüht. Auch der Götterbaum hat seine Blüte inzwischen beendet. Sowohl der Beginn als auch das Ende der Blüte dieses Neophyten fielen heuer deutlich früher als im langjährigen Mittel in den Juni.
Worauf müssen sich Allergiker:innen in den kommenden Wochen einstellen?
Die Gräser bleiben weiterhin das wichtigste Allergen in der Umgebungsluft. Ein Massenstäuben, wie es im Mai zu beobachten war, ist allerdings nicht mehr zu erwarten. Dennoch sind im fortgeschrittenen Saisonverlauf regional weiterhin noch hohe Belastungen möglich. In den Wäldern stehen nun vor allem schattenliebende Waldgräser in Blüte. Auch entlang von Bächen und Flüssen können dichte Grasbestände für einen intensiven Pollenflug sorgen. Bei sonnigem und trockenem Wetter können Gräserpollen zudem aus höheren Lagen in allergologisch relevanten Mengen in die Niederungen verfrachtet werden und dort die lokale Pollenbelastung zusätzlich verstärken. Neben den Gräsern blühen derzeit auch Brennnessel, Ampfer, Wegerich und Fuchsschwanzgewächse. Deren Pollen können die Gesamtbelastung der Luft weiter erhöhen.
Was ist außerdem in der Luft?
Bereits Ende Juni wurden uns aus dem Osten Österreichs erste blühende Exemplare des Gemeinen Beifußes gemeldet. In den Niederungen erreicht diese Art ihren Blütehöhepunkt meist in der ersten Augusthälfte. Personen mit einer Sensibilisierung gegenüber diesem Korbblütler sollten dichte Bestände während der gesamten Blütezeit möglichst meiden.
Die Pilzsporensaison ist nun in vollem Gange. Warmes und feuchtes Wetter begünstigt die Bildung und Freisetzung von Pilzsporen. Während Niederschläge die Pollenkonzentrationen senken und Pollenallergiker:innen meist kurzfristig entlasten, gilt für Personen mit einer Sensibilisierung gegenüber Pilzsporen das Gegenteil: Nach dem Regen setzen viele Pilze vermehrt Sporen frei, wodurch die Belastung vorübergehend deutlich ansteigen kann. Auch die Erntezeit bringt für diese Gruppe von Allergiker:innen eine erhöhte Belastung mit sich. Beim Dreschen von Getreide werden große Mengen an Feinstaub und Pilzsporen aufgewirbelt und in der Luft verteilt. Wer Pilzsporen möglichst vermeiden möchte, findet in höheren Lagen oft günstigere Bedingungen: Mit zunehmender Seehöhe nimmt die Konzentration von Pilzsporen in der Luft deutlich ab, sodass eine Bergwanderung eine gute Möglichkeit zur Allergenvermeidung sein kann.
Luftschadstoffe und Pollenallergie
Bei hohen Temperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung steigen insbesondere in städtischen Gebieten die Konzentrationen von bodennahem Ozon. Dieser Luftschadstoff reizt die Schleimhäute und Atemwege und kann allergische Beschwerden zusätzlich verstärken. Das auf polleninformation.at und in der Pollen+ App berechnete Allergierisiko berücksichtigt diese verstärkenden Einflüsse bei der Berechnung des Allergierisikos und liefert eine realitätsnahe Einschätzung der zu erwartenden Belastung.
Detaillierte Informationen über die App
Für detailliertere Informationen zum Pollenflug in Österreich konsultieren Sie gerne die kostenlosen Services des Österreichischen Polleninformationsdienstesentweder über polleninformation.at oder die Pollen+ App (verfügbar Android und iOS).
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