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Phytotherapie bei Blasenentzündung
ÖGU Aktuell
Autor:
Dr. Yas Palli-Razmara
Fachärztin für Urologie und Andrologie<br> Hansa Privatklinikum Graz<br> Informationen: 0664 462 06 50<br> www.urologie-lichenpraxis.at
30
Min. Lesezeit
21.08.2019
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<p class="article-intro">Bei vielen Frauen treten Harnwegsinfekte immer wieder auf und entwickeln sich zu einer chronischen Erkrankung, wobei die Ursachen dafür unterschiedlich sein können. Wiederkehrende Harnwegsinfekte müssen nicht immer ausschließlich mit Antibiotika behandelt werden – vor allem bei unkomplizierten Harnwegsinfekten können pflanzliche Mittel zum Einsatz kommen.</p>
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<p class="article-content"><p>Jede fünfte Frau ist mehr als einmal pro Jahr von einer Blasenentzündung betroffen. Diese kann chronisch werden und sich in periodisch wiederkehrenden Harnwegsinfekten äußern. Mögliche Auslöser und Risikofaktoren sind unter anderem Schwangerschaft, fortgeschrittenes Alter, häufiger Geschlechtsverkehr und mangelnde Intimpflege. Hauptverursacher von Harnwegsinfektionen sind Escherichia-coli-Bakterien, die aus dem Darm in den Harntrakt verschleppt werden. Nach der Infektion können sich einige Bakterien in einem Biofilm an der Blasenwand einnisten. Als Biofilm versteht man einen dünnen, schützenden Schleimfilm. In diesem Versteck überleben sie in einer Art schlafendem Zustand und sind so schwer erreichbar für Antibiotika sowie das körpereigene Immunsystem. Durch andere Bakterien werden sie aktiviert, wodurch wiederkehrende Blasenentzündungen begünstigt werden können.</p> <h2>Natürliche Hemmung der Biofilmbildung</h2> <p>Bei mehr als 60 % aller bakteriellen Infektionskrankheiten schützen sich die Erreger im Biofilm vor dem menschlichen Immunsystem und der Wirkung von Antibiotika. Bakterien, die in einem Biofilm zusammenleben, können äußeren Einflüssen leichter widerstehen und untereinander Resistenzgene austauschen, wodurch insgesamt eine Resistenzbildung begünstigt werden kann. Neue Studien zeigen, dass natürliche Inhaltsstoffe aus Birkenblättern, aber auch von Kresse, Kren und Cranberry den Vorteil haben, die Bildung des Biofilms schädlicher Bakterien zu hemmen. Unterschiedliche Wirkweisen tragen dazu bei, deshalb ist der Einsatz einer Kombination dieser pflanzlichen Wirkstoffe sinnvoll.</p> <h2>Pflanzliche Stoffe bei Harnwegsinfekten</h2> <p>Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten (kein Fieber, keine Schmerzen im Nierenbereich, kein Blut im Urin) können pflanzliche Präparate sowie reichlich Flüssigkeitszufuhr als Ersttherapie wirksam sein. Werden die Symptome nicht besser, sollte zusätzlich eine Kurzzeit- Antibiotikatherapie von drei Tagen erfolgen. Damit Harnwegsinfekte nicht immer wieder auftreten, sind eine regelmäßige Blasenentleerung vor allem nach dem Geschlechtsverkehr, ausreichende Trinkmengen (etwa zwei Liter pro Tag) sowie die Einnahme von Birkenblättern, Cranberry und Kresse oder Meerrettich zu empfehlen. Es kann durchaus sinnvoll sein, diese Pflanzenkombinationen zusätzlich zu einer Antibiotikatherapie einzunehmen. Einerseits, um die Wirkung des Antibiotikums zu unterstützen, und andererseits, um einer eventuellen Resistenzbildung vorzubeugen.</p></p>
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