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Onkologische Therapie

Dermatologische Nebenwirkungen gynäkologisch-onkologischer Therapien

Dermatologie | Onkologie

In den vergangenen Jahren wurde eine Vielzahl von neuen Therapien zur Behandlung von gynäkologischen Tumoren zugelassen, von denen die Patientinnen profitieren. Diese neuen Substanzen, aber auch herkömmliche Chemotherapien gehen mit spezifischen Nebenwirkungen einher, wobei die Haut oftmals besonders betroffen ist. Der folgende Bericht gibt einen Überblick über bekannte Nebenwirkungen von Chemo-, Immun- und zielgerichteten Therapien.

Chemotherapie

Paravasate

Einige Chemotherapeutika wie Doxorubicin, Actinomycin D und Vinca-Alkaloide können zu Nekrosen der Haut und des Unterhautgewebes führen. Für die ersten beiden Substanzen stellt vor allem das sofortige Abstellen der Infusion, die Hochlagerung der betroffenen oberen Extremität und die vorsichtige Applikation von kühlenden Kompressionen, möglichst ohne Druck, den Therapiestandard dar. Bei Vinca-Alkaloiden wird eine lokale Wärmeapplikation empfohlen.

Hand-Fuß-Syndrom

Pegyliertes liposomales Doxorubicin weist als typische Nebenwirkung eine palmoplantare Erythrodysästhesie auf. Dabei sind jene Stellen betroffen, die besonderem Druck und Reibung ausgesetzt sind bzw. waren. Als Prophylaxe wird am Tag vor der Therapie bis zum Tag 4, also 5 Tage lang, empfohlen, Druck und Reibung der Haut vor allem an den Handflächen und an den Fußsohlen zu reduzieren. Auch sollte die Exposition gegenüber heißem Wasser reduziert werden. Melkfett hat sich neben einer Verlängerung des Therapieintervalls und einer Dosisreduktion als effektiv in der Behandlung des Hand-Fuß-Syndroms erwiesen. Bei Capecitabin ist auch insbesondere auf das Hand-Fuß-Syndrom zu achten, das eine Dosisunterbrechung und -reduktion notwendig macht.

Zielgerichtete Therapie

Everolimus

Der mTOR-Hemmer Everolimus wird in Kombination mit dem steroidalen Aromatase-Hemmer Exemestan eingesetzt. Bei dieser Kombinations-Behandlung sind jedoch v.a. eine Mundschleimhautentzündung und Hautjucken bzw. ein Hautexanthem möglich.

Alpelisib

Dieser Inhibitor der Phosphoinositid-3-Kinase (PI3K) bewirkt bei etwa einem Drittel der Patientinnenein Hautexanthem. Makulopapulöse Hautexantheme treten meist nach 14 Tagen auf. Dosisreduktionen sind bei 64% der Patientinnen nötig, bei 25% erfolgt ein Therapieabbruch. Makulopapulöse Exantheme, die von einem starken Juckreiz begleitet werden, sind häufig. Sie können aber durch die prophylaktische Gabe von Antihistaminika wie Cetirizin deutlich abgeschwächt und teilweise sogar verhindert werden.

HER2-gerichtete Therapien

Eine bestimmte Gruppe von Brustkrebspatientinnen (HER2+++) wies bislang die schlechteste Prognose auf. Gegen diese HER2-überexprimierenden Tumoren werden heute bereits neoadjuvant und adjuvant standardisiert HER2-gerichtete Therapien gezielt eingesetzt. Trastuzumab und Pertuzumab sowie Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) und Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd) kommen für diese Patientinnen zum Einsatz. Sie greifen an der extrazellulären Domäne der Tumorzelle an, während Lapatinib und Neratinib als Tyrosin-Kinase-Inhibitoren einen intrazellulären Angriffspunkt aufweisen. Alle genannten Substanzen können trockene, schuppende Haut, Hautjucken und seltener makulopapulöse Exantheme verursachen. Dagegen sind vor allem lokal angewendete feuchtigkeitsspendende Cremes hilfreich.

Immuntherapie

Immunvermittelte Dermatotoxizität stellt eine häufige, meist leichte bis moderate Nebenwirkung von Checkpoint-Inhibitoren dar, die gegen PD-1 („programmed cell death protein 1“) bzw. dessen Liganden PD-L1 gerichtet sind. Ab einem Schweregrad 2 der Nebenwirkung sollte die Gabe der Immuntherapie (vorübergehend) unterbrochen werden. Es sollten Kortikosteroide (v.a. Prednisolon 1–2mg/kg) peroral angewendet werden. Auch wurden Fälle von Stevens-Johnson-Syndrom und toxischer epidermaler Nekrolyse bei Patientinnen unter Immuntherapie berichtet. Bei Bestätigung des Verdachts solcher Syndrome sollte die Immuntherapie dauerhaft abgesetzt werden. Immunvermittelte schwere Hautreaktionen treten bei 1–2% der Patienten auf, darunter Fälle von Grad 2, 3 oder 5 bei 0,2%, 1,1% und <0,1% der Patienten. Die mediane Zeit bis zum Auftreten schwerer Hautreaktionen betrug ca. 3 Monate. Die mediane Dauer der Hauttoxizität beträgt 6 Wochen.

Konklusion

Kolleginnen und Kollegen aus dem Fachbereich der Dermatologie werden zunehmend auch mit typischen Nebenwirkungen von Chemo-, Immun- und zielgerichteten Therapien gynäkologisch-onkologischer Patientinnen konfrontiert. Eine möglichst rasche Intervention und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind für den weiteren Therapieverlauf der Patientinnen entscheidend.

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