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Social Media in der kardiovaskulären Medizin

#Cardiotwitter

Kardiologie & Gefässmedizin
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Jatros
07. November 2019
Autor:
Priv.-Doz. Dr. Konstantin Krychtiuk, PhD

Universitätsklinik für Innere Medizin II<br> Klinische Abteilung für Kardiologie<br> Medizinische Universität Wien<br> E-Mail: konstantin.krychtiuk@meduniwien.ac.at<br> Twitter: @krychtiukmd

<p class="article-intro">Im Juni dieses Jahres erhielt ich die Einladung, am diesjährigen Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) einen Vortrag zum Thema „Be a Twitter Pro“ zu halten. Als großer Fan und aktiver Teilnehmer der kardiologischen „Social Media“-Szene fühlte ich mich mehr als geschmeichelt und geehrt. Bei den Vorbereitungen zu diesem Vortrag kam es mir jedoch plötzlich – wie bin ich hier gelandet?</p> <p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Keypoints</h2> <ul> <li>Kolleginnen und Kollegen in Ausbildung diskutierten gemeinsam mit Opinion-Leadern und sogar Autorinnen und Autoren wichtiger Publikationen zeitnah &uuml;ber Twitter.</li> <li>F&uuml;r edukative Tweets hat sich das Konzept von &bdquo;Tweetorials&ldquo; durchgesetzt, das aufeinander folgende Tweets verwendet.</li> <li>Viele sehr erfolgreiche Projekte und Kollaborationen sind aus Tweets entstanden.</li> <li>Mit Hashtags #Cardiotwitter und #CardioEd oder &uuml;ber die Channels der Gesellschaften wie der ESC unter @escardio verbindet man sich mit der Community.</li> <li>Einfach anmelden und in weniger als 1 Minute ist man in einer neuen Welt der Kommunikation, Kollaboration und Fortbildung in der kardiovaskul&auml;ren Medizin.</li> </ul> </div> <p>Ich fliege zu dem gr&ouml;&szlig;ten kardiovaskul&auml;ren Meeting der Welt und halte einen Vortrag zum Thema &bdquo;Social Media&ldquo;? Ist das nicht eher etwas f&uuml;r (Sp&auml;t-)Pubertierende und w&uuml;tende Weltpolitiker? Ist das nicht die Plattform, die Menschen wie die &bdquo;Kardashians&ldquo; ber&uuml;hmt gemacht hat? Ein Ort, an dem Wahlen manipuliert werden?<br /> Ich m&ouml;chte gleich zu Beginn dieses Artikels mit vielen Vorurteilen und Meinungen zu sozialen Medien aufr&auml;umen (Abb. 1). Wenn der moderne Mensch etwas nicht wei&szlig; oder nicht genau kennt, dann befragt er oft &bdquo;Wikipedia&ldquo;. Hier findet man zum Thema &bdquo;Twitter&ldquo; folgende Zusammenfassung: &bdquo;Twitter (Englisch f&uuml;r Gezwitscher) ist ein Mikrobloggingdienst des Unternehmens Twitter Inc. Auf Twitter k&ouml;nnen angemeldete Nutzer telegramm artige Kurznachrichten verbreiten. Die Nachrichten werden &sbquo;Tweets&lsquo; (aus dem Englischen &sbquo;to tweet&lsquo; f&uuml;r &sbquo;zwitschern&lsquo;) genannt.&ldquo; So weit, so unverst&auml;ndlich. Was ist denn nun dran an der #Cardiotwitter-Welt? (Mit einem &bdquo;#&ldquo; werden sogenannte &bdquo;Hashtags&ldquo; versehen, das sind Schlagworte, mit denen man Postings zu einem bestimmten Thema wie in diesem Fall der Kardiologie finden kann.) Nun, im Rahmen des #ESCCongress 2018 nahmen insgesamt mehr als 12 000 Twitter- Benutzer aktiv an der Online-Diskussion teil und erstellten mehr als 50 000 Tweets, welche eine Reichweite von mehr als 400 000 000 Impressionen erreichten und zum gr&ouml;&szlig;ten Teil edukativer Natur waren, wie von Sarah Hudson et al. sch&ouml;n zusammengefasst.<sup>1</sup> Ich m&ouml;chte im folgenden Artikel meine pers&ouml;nliche Reise in die #Cardiotwitter-Welt darstellen und vier wichtige Faktoren (Kommunikation, Aus- und Fortbildung, Kollaboration sowie Spa&szlig;) f&uuml;r die Attraktivit&auml;t und den Erfolg sozialer Medien in der kardiovaskul&auml;ren Medizin darstellen.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Kardio_1904_Weblinks_jatros_kardio_1904_s11_abb1.jpg" alt="" width="250" height="146" /></p> <h2>Kommunikation</h2> <p>Meine pers&ouml;nliche Reise begann auf der Jahrestagung des American College of Cardiology 2017 in Washington D. C. Mit Tausenden weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern pferchte ich mich in einen &uuml;berdimensionierten Raum mit riesigen Leinw&auml;nden, auf denen die Geschehnisse auf der B&uuml;hne im Rahmen der &bdquo;Late-Breaking Clinical Trials&ldquo;-Sessions dargestellt wurden. Diese Sessions im Rahmen der gro&szlig;en kardiologischen Meetings ziehen jedes Mal Tausende Menschen an, welche Ergebnisse pr&auml;sentiert bekommen, die gleichzeitig bereits online publiziert werden und keine Interaktion erlauben. Meist gibt es einen vorab definierten &bdquo;Discussant&ldquo;, der die Ergebnisse analysiert, ein Erlebnis, welches einen gelegentlich entt&auml;uscht zur&uuml;ckl&auml;sst. An diesem Tag galt mein Hauptinteresse der Pr&auml;sentation der FOURIER- Studie, der ersten Phase-III-Studie zu PCSK-9-Hemmern. W&auml;hrend der Pr&auml;sentation dieser interessanten und diskussionsw&uuml;rdigen Resultate hatte ich das Bed&uuml;rfnis, mich auszutauschen und mit Kollegen diese Ergebnisse zu diskutieren, diese wollten jedoch lieber den folgenden Pr&auml;sentationen lauschen. So fand ich mich auf meinem Smartphone wieder und bei der Suche nach der Vollpublikation fand ich mich pl&ouml;tzlich in der Twitter-Welt. Dort sah ich Peers wie auch angesehene Mitglieder und f&uuml;hrende Pers&ouml;nlichkeiten der kardiovaskul&auml;ren Welt die Ergebnisse bereits diskutieren &ndash; eine neue Welt er&ouml;ffnete sich f&uuml;r mich. Junge Kolleginnen und Kollegen in Ausbildung diskutierten gemeinsam mit Opinion-Leadern und sogar Autorinnen und Autoren wichtiger Publikationen. Ich erkannte eine neue M&ouml;glichkeit abseits von dem etwas angestaubten Konzept der &bdquo;Letters&ldquo;, welche zum einen eine geringe Chance haben publiziert zu werden, zum anderen Wochen in Anspruch nehmen beantwortet zu werden, etwas eher Absonderliches in unserer schnelllebigen Welt. Im Laufe der kommenden Wochen und Monate konnte ich viele Male mit Key-Opinion-Leadern in Kontakt treten (Abb. 2), welche ich normalerweise nur auf der Leinwand zu Gesicht bekomme, eine einzigartige M&ouml;glichkeit, welche ich so nur auf Twitter kennengelernt habe. Eine weitere M&ouml;glichkeit zum Austausch stellt das Pr&auml;sentieren von F&auml;llen dar (Abb. 3), was zum einen dem Einholen anderer Meinungen dienen kann, zum anderen auch im Sinne der Aus- und Weiterbildung online geteilt werden kann.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Kardio_1904_Weblinks_jatros_kardio_1904_s12_abb2.jpg" alt="" width="500" height="286" /></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Kardio_1904_Weblinks_jatros_kardio_1904_s12_abb3.jpg" alt="" width="250" height="258" /></p> <h2>Aus-, Fort- und Weiterbildung</h2> <p>Auf Twitter ist die Anzahl der Zeichen, die verwendet werden k&ouml;nnen, deutlich begrenzt. Daher hat sich f&uuml;r edukative Tweets das Konzept von &bdquo;Tweetorials&ldquo; durchgesetzt, das sind aufeinanderfolgende Tweets, welche ein bestimmtes Thema behandeln. Ein repr&auml;sentatives Beispiel zur Bedeutung der Bestimmung des koronaren Kalziums ist in Abbildung 4 zu finden.<sup>2</sup> Welche Verbreitung ein Tweet erreichen kann, zeigt ein mittlerweile ber&uuml;hmt gewordenes Tweetorial von Prof. Breu mit dem Titel &bdquo;Why do patients with acute hemorrhage become anemic?&ldquo;, welches Tausende Leser erreicht hat, mehr als durch herk&ouml;mmliche Formen der Fort- und Ausbildung je m&ouml;glich erscheint.<sup>3</sup> Sowohl die amerikanischen als auch die europ&auml;ischen Fachgesellschaften haben bereits vor Jahren die aktuelle und zuk&uuml;nftige Bedeutung sozialer Medien erkannt und bieten online eine breite Palette an M&ouml;glichkeiten an, von der Pr&auml;sentation neuer Publikationen in den eigenen Journalen bis hin zu interaktiven Konzepten wie z. B. &bdquo;Know your Guidelines&ldquo;, EKG-Quizzes und interaktiv zu l&ouml;senden Fallberichten. Die ESC ist gleich mit drei Channels vertreten, wovon die zwei wichtigsten der Hauptchannel @escardio sowie der Journal-Channel @esc_journals darstellen. Die Zielgruppe f&uuml;r Bildung im kardiovaskul&auml;ren Bereich kann durchaus auch au&szlig;erhalb des medizinischen Personals liegen, so wurden mehrere die &ouml;ffentliche Gesundheit betreffende Aktionen gestartet. So hat zum Beispiel eine Gruppe um Dr. Bangash versucht, &uuml;ber Twitter das Bewusstsein f&uuml;r famili&auml;re Hypercholesterin&auml;mie zu sch&auml;rfen, und hat dabei eine betr&auml;chtliche Anzahl an Menschen erreicht.<sup>4</sup></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Kardio_1904_Weblinks_jatros_kardio_1904_s13_abb4.jpg" alt="" width="500" height="287" /></p> <h2>Kollaboration</h2> <p>Die Twitter-Welt ist mehr als nur ein zwangloses Plaudern, viele sehr erfolgreiche Projekte und Kollaborationen sind daraus entstanden. Abbildung 5 zeigt eine besonders spannende Geschichte, so hat ein junger Mediziner via Twitter einen Opinion-Leader angeschrieben zwecks eines Forschungsaufenthaltes. Dieser sagte zu und in Kooperation mit einigen anderen Professorinnen und Professoren, welche alle &uuml;ber Twitter rekrutiert wurden, wurden Daten gemeinsam analysiert und erfolgreich publiziert.<sup>5</sup></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Kardio_1904_Weblinks_jatros_kardio_1904_s13_abb5.jpg" alt="" width="500" height="287" /></p> <h2>Spa&szlig;</h2> <p>Zum Thema Spa&szlig; auf #Cardiotwitter darf ich auf die beiden Hashtags #carrotsquad und #DropAndGiveMe20 verweisen, jede Leserin und jeder Leser darf sich selbst ein Bild machen, dass #Cardiotwitter auch lustig und gesund sein kann.</p> <h2>Und nun?</h2> <p>Sollte Ihnen dieser kurze Ausflug in meine pers&ouml;nliche Geschichte in der #Cardiotwitter- Welt gefallen haben oder aber sollten Sie immer noch skeptisch sein &ndash; ich w&uuml;rde mich freuen, mit Ihnen online zu diskutieren. Einfach anmelden und in weniger als 1 Minute k&ouml;nnen Sie in eine neue Welt der Kommunikation, Kollaboration und Fortbildung in der kardiovaskul&auml;ren Medizin eintauchen. Vergessen Sie nicht die beiden Hashtags #Cardiotwitter und #CardioEd und sehen Sie sich die Channels der Gesellschaften wie z. B. der ESC unter @escardio an. Ich freue mich bereits auf Online-Diskussionen (@krychtiukmd). Falls Sie noch weitere Infos ben&ouml;tigen, lege ich Ihnen das Paper &bdquo;Understanding Social Media &ndash; Opportunities in Cardiovascular Medicine&ldquo; ans Herz, welches rezent in @JACCJournals erschienen ist.<sup>6</sup></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Hudson S, Mackenzie G: &sbquo;Not your daughter&rsquo;s Facebook&lsquo;: twitter use at the European Society of Cardiology conference 2018. Heart 2019; 105: 169-70. doi: 10.1136/ heartjnl-2018-314163 <strong>2</strong> Choi AD: Intro to #CAC. Tweetorial! Twitter 2018; https://twitter.com/AChoiHeart/status/ 1061588853713240064 <strong>3</strong> Breu A: Why do patients with acute hemorrhage become anemic? Twitter 2010; https:// twitter.com/tony_breu/status/1004181592582119429 <strong>4</strong> Bangash H et al.: Use of twitter to promote awareness of familial hypercholesterolemia. Circ Genom Precis Med 2019; 12: e002550, doi:10.1161/CIRCGEN.119.002550 <strong>5</strong> Borovac JA et al.: Percutaneous coronary intervention and outcomes in patients with lymphoma in the United States (Nationwide Inpatient Sample [NIS] Analysis). Am J Cardiol 2019; doi:10.1016/j. amjcard.2019.07.015 <strong>6</strong> Parwani P et al.: Understanding social media: opportunities for cardiovascular medicine. J Am Col Cardiol 2019; 73: 1089-93. doi: 10.1016/j. jacc.2018.12.044</p> </div> </p>
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