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ETNA-Studie: Edoxaban treatment in routine clinical practice for patients with atrial fibrillation (AF) in Europe

Beinflusst der BMI das 1-Jahres-Follow-up einer Therapie mit Edoxaban?

Kardiologie & Gefässmedizin
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Jatros
19. Dezember 2019
Autor:
Prim. Univ.-Prof. PD DDr. Thomas Weiss, FESC

Primarius für innere Medizin/Kardiologie, Privatklinik Döbling<br> Vorstand Karl-Landsteiner-Institut für Kardiometabolik, St Pölten<br> Oberarzt Herzkatheterlabor, Universitätsklinikum St. Pölten<br> Privatordination für Kardiologie, innere Medizin und Intensivmedizin<br> Lehrstuhl für experimentelle Kardiologie, Sigmund-Freud-Universität Wien<br> E-Mail: ordination@doktorweiss.at<br>

<p class="article-intro">Seit fast einer Dekade haben orale Nicht-Vitamin-K-Antikoagulanzien (NOAKs) gezeigt, dass sie eine verbesserte Antikoagulationstherapie für die Prävention von Schlaganfall und systemisch embolischen Ereignissen (SEE) bei Patienten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern darstellen. Edoxaban ist zugelassen zur Schlaganfallprävention bei Patienten mit nvVHF, basierend auf seiner vergleichbaren Wirksamkeit und überlegenen Sicherheit versus Warfarin, was in der pivotalen randomisierten Studie ENGAGE AF-TIMI 48 gezeigt wurde.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Evidenz aus Real-World-Studien zeigt die Sicherheit verschiedener NOAKs im klinischen Alltag; dar&uuml;ber hinaus werden Real-World-Daten aktuell f&uuml;r Edoxaban erhoben, sie werden die Ergebnisse aus den randomisierten Studien vervollst&auml;ndigen. ETNA-AF-Europe (clinicaltrials.gov: NCT02944019) wird das Nutzen-Risiko- Profil von Edoxaban bei unselektierten VHF-Patienten im klinischen Praxisalltag untersuchen.</p> <h2>Das Adipositas-Paradoxon</h2> <p>W&auml;hrend bei gesunden Menschen &Uuml;bergewicht die Anf&auml;lligkeit f&uuml;r kardiovaskul&auml;re Erkrankungen und Diabetes erh&ouml;ht und auch mit einer reduzierten Lebenserwartung einhergeht, scheinen bei einigen chronischen Erkrankungen ein paar Kilo mehr auf der Waage die &Uuml;berlebenschancen eher zu verbessern. Vorteilhaft ist ein leichtes &Uuml;bergewicht f&uuml;r Menschen mit einer Herzinsuffizienz. Auch &auml;ltere Patienten (&gt;80 Jahre) leben l&auml;nger, wenn sie im Krankheitsfall auf Reserven zur&uuml;ckgreifen k&ouml;nnen. Das Gleiche trifft auf Dialysepatienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) &uuml;ber 25 kg/m<sup>2</sup> zu. Weitere Erkrankungen, die &Uuml;bergewichtige besser zu verkraften scheinen, sind chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) und Gelenkrheuma.<br /> Allerdings ist dies vor allem in Beobachtungsstudien zu beobachten. Solche Studien verleiten zu schnellen R&uuml;ckschl&uuml;ssen, die zwar korrelativ, nicht aber kausal in ihrem Zusammenhang sind. Chronische Erkrankungen f&uuml;hren zu einer Auszehrung im Sinne einer Kachexie. Zum Beispiel im Endstadium der Herzinsuffizienz oder COPD: Beginnt die krankheitsbedingte Gewichtsabnahme von einem h&ouml;heren Ausgangswert, ist die Restlebenszeit l&auml;nger. Auch Knochenbr&uuml;che, die eine l&auml;ngere Immobilit&auml;t in einem hochbetagten Kollektiv bedingen und mit einer hohen Mortalit&auml;t einhergehen, sind bei Patienten mit hohem BMI aufgrund des Schutzes vor Osteoporose seltener.</p> <h2>Die ETNA-AF-Europe-Studie</h2> <p>ETNA-AF-Europe ist eine multinationale, multizentrische, beobachtende sogenannte Post-Zulassungs-Sicherheitsstudie (&bdquo;post-authorisation safety study&ldquo;, PASS), die an 825 Studienzentren in 10 europ&auml;ischen L&auml;ndern (Belgien, Deutschland, Irland, Italien, Niederlande, &Ouml;sterreich, Portugal, Spanien, Schweiz und Vereinigtes K&ouml;nigreich) durchgef&uuml;hrt wurde (Abb. 1).<br /> Eine Gesamtzahl von 13 980 Patienten wurde eingeschlossen, sie werden bis zu 4 Jahre lang nachbeobachtet. ETNA-AF-Europe wurde designt, um die Sicherheit von Edoxaban bei nvVHF-Patienten &uuml;ber 4 Jahre hinweg im klinischen Praxisalltag zu untersuchen. Dabei werden erhoben: Auftreten, Dauer und Schwere von Blutungsereignissen, einschlie&szlig;lich intrakranieller H&auml;morrhagien; unerw&uuml;nschte Arzneimittelwirkungen, z. B. auf die Leber; kardiovaskul&auml;re und Gesamtmortalit&auml;t.<br /> Sekund&auml;re Endpunkte beinhalten Schlaganfall, SEE, transiente isch&auml;mische Attacke (TIA), schwere unerw&uuml;nschte kardiale Ereignisse (nicht t&ouml;dlicher Myokardinfarkt, nicht t&ouml;dlicher Schlaganfall, nicht t&ouml;dliches SEE, Tod aufgrund kardiovaskul&auml;rer Ursache oder Blutungsursache), ven&ouml;se thromboembolische Ereignisse, akutes Koronarsyndrom, Hospitalisierungen aufgrund kardiovaskul&auml;rer Ursachen und Compliance zur Edoxaban-Therapie.<br /> Die ETNA-AF-Europe-1-Jahres-Followup- Daten werden dabei mit den Daten der europ&auml;ischen L&auml;nder aus der ENGAGE-AFTIMI- 48-Studie (Belgien, Bulgarien, D&auml;nemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rum&auml;nien, Russland, Serbien, Slowakei, Spanien, Schweden, Schweiz, Tschechische Republik, Ungarn, Ukraine, Vereinigtes K&ouml;nigreich) verglichen.<br /> Der ETNA-AF-Europe-Snapshot, auf dem die vorliegende Analyse beruht, wurde am 22. April 2019 durchgef&uuml;hrt. Gezeigt werden die Baseline- sowie die ersten Outcome- Daten von 12 574 Patienten (89,9 % aller in die Studie eingeschlossenen Patienten), die ihr 1-Jahres-Follow-up abgeschlossen haben (mittlere Follow-up-Zeit: 348 Tage).</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Kardio_1905_Weblinks_jatros_kardio_1905_s22_abb1_weiss.jpg" alt="" width="550" height="579" /></p> <h2>Methodik</h2> <p>Diese Subgruppenanalyse betrachtete das Outcome f&uuml;r normalgewichtige (Body-Mass- Index [BMI] 18,5 &ndash; Ergebnisse f&uuml;r Patienten mit einem BMI &le;18,5 kg/m<sup>2</sup> wurden aufgrund der geringen Zahl an Patienten in dieser Supgruppe nicht berichtet (105 in ETNA-AF-Europe und 5 in ENGAGE AF-TIMI 48). Die Ergebnisse aus ETNA-AF-Europe wurden mit den Daten aus den europ&auml;ischen L&auml;ndern verglichen, die in der ENGAGE-AF-TIMI- 48-Studie eingeschlossen waren.</p> <h2>Ergebnisse</h2> <p>Die Patientencharakteristika sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Es wurden 12 036 Patientinnen und Patienten in diese Analyse inkludiert, die durchschnittliche Follow-up- Dauer betrug wie erw&auml;hnt 348 Tage. Das Durchschnittsalter lag bei 73,6 Jahren, der CHA2DS2-VASc-Score betrug 3,1 &plusmn; 1,4 und der HAS-BLED-Score 2,5 &plusmn; 1,1. Es gab keinen wesentlichen Unterschied zwischen den unterschiedlichen BMI-Kategorien. Wie zu erwarten, waren Diabetes und Hypertonie seltener bei Patienten mit niedrigerem BMI und auch umgekehrt proportional zum Alter. Im Vergleich zu den Patienten der Zulassungsstudie (ENGAGE AF-TIMI 48) waren die Patienten in der ETNA-AF-Europe-Studie &auml;lter, hatten ein geringeres K&ouml;rpergewicht, eine schlechtere Nierenfunktion, einen niedrigeren CHA2DS2-VASc-Score und einen h&ouml;heren HAS-BLED-Score (Tab. 1).<br /> ETNA-AF-Europe-Snapshot zeigte Folgendes (Abb. 2): Es gab keine Korrelation zwischen BMI und &bdquo;efficacy outcomes&ldquo;, intrakranieller oder lebensbedrohlicher Blutung. Wenn auch nicht statistisch signifikant, gab es numerisch etwas weniger Blutungsereignisse bei Patienten mit h&ouml;herem BMI. Patienten der ETNA-AF-Europe-Studie hatten weniger &bdquo;major bleeds&ldquo;, GI-Blutungen, weniger isch&auml;mische Schlaganf&auml;lle und weniger kardiovaskul&auml;re Mortalit&auml;t im Vergleich zur ENGAGE-AF-TIMI-48-Kohorte, unabh&auml;ngig vom BMI. Gesamtsterblichkeit, intrakranielle Blutungen und h&auml;morrhagische Schlaganf&auml;lle waren &auml;hnlich h&auml;ufig in beiden Studien, unabh&auml;ngig vom BMI der Patienten. Ein Trend zu geringerer Gesamtsterblichkeit und kardiovaskul&auml;rer Mortalit&auml;t war bei Patienten mit h&ouml;herem BMI in beiden Studien zu beobachten.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Kardio_1905_Weblinks_jatros_kardio_1905_s22_tab1_weiss.jpg" alt="" width="800" height="505" /></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Kardio_1905_Weblinks_jatros_kardio_1905_s23_abb2_weiss.jpg" alt="" width="550" height="1117" /></p> <h2>Schlussfolgerungen</h2> <p>Der BMI hatte im Rahmen der erfassten Abstufungen keinen Einfluss auf die 1-Jahres- Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Edoxaban bei nvVHF-Patienten in der ETNA-AF-Europe-Studie.<br /> Es gab einen Trend zu einem niedrigeren Risiko f&uuml;r Todesf&auml;lle jeglicher Ursache und kardiovaskul&auml;re Todesf&auml;lle bei Patienten mit h&ouml;herem BMI.</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: clinicaltrials.gov: NCT02944019 </p>
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