Zirkulierende miRNAs als molekulare Marker der Knochenregeneration
Autor:innen:
OÄ Dr. Julia K. Frank1,2
Dr. Matthias Hackl3,4
Univ.-Prof. Dr. Heinz Redl2,3
Assoc. Prof. Dr. Johannes Grillari2,3,5
1Herz-Jesu Krankenhaus, Wien
2Ludwig Boltzmann Institute for Traumatology – The Research Center in Cooperation with AUVA, Wien
3Austrian Cluster for Tissue Regeneration, Wien
4TAmiRNA GmbH, Wien
5Institute of Molecular Biotechnology, Department of Biotechnology, BOKU University, Wien
E-Mail: july.frank@hotmail.com
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Zirkulierende Mikro-RNAs (miRNAs) sind stabile, im Blut nachweisbare regulatorische Moleküle, die Einblick in molekulare Mechanismen der Osteogenese geben können. Experimentelle Daten weisen darauf hin, dass spezifische miRNA-Profile sowohl den Heilungsverlauf widerspiegeln als auch das individuelle Regenerationspotenzial vorhersagen können.1
Keypoints
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Zirkulierende miRNAs sind stabile, minimalinvasiv messbare Biomarker, die molekulare Prozesse der Knochenheilung im Blut widerspiegeln und damit eine neue Ebene der Diagnostik eröffnen.
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Spezifische miRNA-Signaturen korrelieren mit dem Regenerationserfolg: In experimentellen Modellen zeigen starke Knochenregeneratoren charakteristische Expressionsmuster.
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Unterschiede in miRNA-Profilen können bereits präoperativ bestehen, was auf eine individuelle, möglicherweise genetisch oder epigenetisch determinierte Regenerationskapazität hinweist.
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Blutbasierte miRNA-Tests könnten künftig eine frühzeitige Risikostratifizierung und ein Monitoring der Knochenheilung ermöglichen, noch bevor radiologische Veränderungen sichtbar werden.
Molekulare Grundlagen der Knochenheilung
Die Knochenheilung ist ein komplexer biologischer Prozess, dessen Verlauf klinisch oft nur indirekt mittels radiologischer Parameter beurteilbar ist. Trotz moderner Bildgebung bleibt insbesondere die frühe Phase der Heilung derzeit schwer objektivierbar.
Ganz allgemein erfolgt die Regeneration von Knochengewebe über eine koordinierte Abfolge inflammatorischer, reparativer und remodellierender Phasen. Früh nach Trauma führen Zytokinfreisetzung, Hämatombildung und Angiogenese zur Rekrutierung mesenchymaler Vorläuferzellen, die anschließend in Chondroblasten und Osteoblasten differenzieren. Diese Prozesse werden durch Signalwege wie BMP/SMAD, Wnt/β-Catenin, MAPK sowie PI3K/AKT gesteuert.2–5 miRNAs greifen in diese Signalnetzwerke ein, indem sie Translation oder Stabilität spezifischer mRNAs regulieren und dadurch Zellproliferation, Differenzierung und Matrixproduktion modulieren.6,7,8–10
miRNAs als systemische Biomarker
Im Gegensatz zu lokalen Gewebeanalysen ermöglichen zirkulierende miRNAs eine minimalinvasive molekulare Charakterisierung regenerativer Prozesse. Ihre Stabilität im Plasma beruht auf Bindung an Proteinkomplexe oder Verpackung in extrazelluläre Vesikel. Frühere Studien konnten bereits Zusammenhänge zwischen miRNA-Signaturen und Osteoporose, Frakturheilung oder Knochenstoffwechsel zeigen.7,11 Besonders attraktiv ist dabei die Möglichkeit einer seriellen Blutabnahme zur longitudinalen Verlaufsbeobachtung.
Dennoch existieren bislang nur wenige Untersuchungen, die miRNAs explizit im Kontext experimenteller Knochenregeneration longitudinal analysieren. Die Translation in die klinische Routine erfordert eine robuste analytische Standardisierung sowie prospektive Validierung in gut definierten Patientenkollektiven.
Experimentelles Modell und Methodik
In einem standardisierten Ratten-Kalottendefekt-Modell wurden Kollagen-Hydroxylapatit-Scaffolds entweder unbehandelt, genaktiviert mit BMP2/miR-590-5p-Plasmiden oder mit MSC-abgeleiteten extrazellulären Vesikeln eingesetzt. Die Knochenregeneration wurde mittels In-vivo-Mikro-CT sowie histologischer Analysen über acht Wochen verfolgt. Parallel erfolgten Blutentnahmen präoperativ sowie nach 1, 4 und 8 Wochen. Die Quantifizierung zirkulierender miRNAs erfolgte durch Small-RNA-Sequenzierung mit anschließender differenzieller Expressionsanalyse unter Kontrolle der „false discovery rate“ (FDR).1
Starke vs. schwache Regeneratoren
Besonders hervorzuheben ist die Differenz zwischen starken und schwachen Regeneratoren. Tiere mit ausgeprägter Knochenneubildung zeigten konsistent erhöhte Spiegel von miR-133a-3p sowie reduzierte Spiegel von miR-375-3p über alle untersuchten Zeitpunkte hinweg.1,8–10 Diese Unterschiede bestanden bereits präoperativ, was auf eine intrinsische, möglicherweise genetisch oder epigenetisch determinierte Regenerationskapazität hinweist.1
Klinische Perspektiven
Die Identifikation systemischer miRNA-Signaturen eröffnet die Möglichkeit einer präoperativen molekularen Risikostratifizierung sowie eines longitudinalen Therapiemonitorings. Blutbasierte Tests könnten künftig Hinweise auf verzögerte Heilung liefern, bevor radiologische Veränderungen sichtbar werden. Für eine klinische Translation sind jedoch prospektive Studien erforderlich, um Referenzbereiche, Einflussfaktoren und analytische Standardisierung zu klären.1,7
Literatur:
1 Frank JK et al.: Circulating miRNAs are associated with successful bone regeneration. Front Bioeng Biotechnol 2025; 13: 1527493 2 Einhorn TA: The cell and molecular biology of fracture healing. Clin Orthop Relat Res 1998; 355(Suppl): 7-21 3 Dimitriou R et al.: Bone regeneration: current concepts and future directions. BMC Med 2011; 9:66 4 Almubarak A et al.: FOXC1 regulates skeletal development and chondrocyte maturation. Development 2024; 151: 16 5 Vickerman L et al.: SHOX2 and limb development: molecular regulation of skeletal morphogenesis. Developmental Biology 2011; 357: 77-89 6 Lian JB et al.: MicroRNA control of bone formation and homeostasis. Nat Rev Endocrinol 2012; 8(4): 212-27 7 Hackl M et al.: Circulating microRNAs as novel biomarkers for bone diseases – complex signatures for multifactorial diseases? Mol Cell Endocrinol 2016; 432: 83-95 8 Zhong L et al.: miR-133 regulates osteoblast differentiation via MAPK signaling. J Orthop Surg Res 2024; 19(1): 396 9 Chen S et al.: miR-375 modulates osteogenesis via Wnt/β-catenin pathway. Stem Cell Reports 2017; 8: 120-32 10 Du F et al.: miR-375 regulates RUNX2 expression in osteogenic differentiation. Exp Ther Med 2017; 14: 123-30 11 Wang X et al.: miRNAs in bone remodeling and bone diseases. Bone Res 2018; 6: 1
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