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Frühlingsmüdigkeit nur «kulturelles Phänomen»

Eine neue Studie zeigt, dass Frühlingsmüdigkeit biologisch nicht messbar ist. Wer sie spürt, spürt sie offenbar nur scheinbar.

Basel/Bern. Je nachdem, ob man astronomisch oder meteorologisch auf das Datum des Frühlingsbeginns blickt, beginnt der Frühling entweder mit der Tag- und Nachtgleiche am 20. März, oder er hat schon am 1. März begonnen. So oder so gilt eines: Fängt der Frühling an, klagen viele über Frühlingsmüdigkeit. Nur: Die gibt es gar nicht. Zumindest ist diese Form der Müdigkeit biologisch nicht messbar. Wer sie spürt, spürt sie offenbar nur scheinbar, «und weil sie als kulturelles Phänomen von der Gesellschaft akzeptiert wird». Das sagt Christine Blume, Schlafforscherin vom Zentrum für Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken an der Universität Basel und Leiterin einer kürzlich veröffentlichten Studie von Forscher:innen an den Universitäten in Basel und Bern zum Thema Frühlingsmüdigkeit.

Die Studie basiert auf einer Online-Befragung mit Teilnehmer:innen, die zu Studienbeginn je zur Hälfte angaben, an Frühlingsmüdigkeit zu leiden beziehungsweise nicht daran zu leiden. Die Befragung lief über ein Jahr bis April 2025. Am Ende wurden die Daten von 418 Teilnehmer:innen ausgewertet. Sie waren alle sechs Wochen kontaktiert worden und hatten anzugeben, wie erschöpft sie sich in den Wochen vor der Kontaktaufnahme gefühlt hatten. Auch hatten sie Angaben zur Schläfrigkeit während des Tages und zur Schlafqualität zu machen.

«Im Frühling werden die Tage schnell länger. Wenn Frühlingsmüdigkeit ein echtes biologisches Phänomen wäre, sollte sich das gerade in dieser Phase zeigen», erklärt Schlafforscherin Blume noch und ergänzt, dass das aber nicht so war. In den Angaben der Studienteilnehmer:innen fand sich hingegen, was auch schon frühere chronobiologische Untersuchungen zeigten: Viele Menschen fühlen sich eher an dunklen Tagen im Herbst und Winter müder als im Frühling und schlafen da auch mehr. (sst)

Quelle: Zentrum für Chronobiologie an der Universität Basel und Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel

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