Ästhetische Ansätze in der medizinischen Dermatologie
Autorin:
Dr. med. Roberta Vasconcelos Berg, MD PhD
Ästhetische Dermatologie Universitätspital Basel
Margarethenklinik AG, Basel
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Die ästhetische Dermatologie wird häufig mit rein kosmetischen Indikationen assoziiert. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch zunehmend gezeigt, dass ästhetische Verfahren eine sinnvolle Erweiterung der medizinischen Dermatologie darstellen. Diese integrative Sichtweise reflektiert ein zeitgemässes dermatologisches Konzept, in dem ästhetische Interventionen als therapeutische Verlängerung medizinischer Behandlungsstrategien verstanden werden.
Keypoints
-
Laser und EBDs adressieren gezielt Entzündung, vaskuläre Dysfunktion, Pigmentab-lagerung und dermale Matrixveränderungen.
-
Für PIH besteht die stärkste Evidenz für Q-switched Nd:YAG 106nm.
-
Eisen- und traumatische Tätowierungen sprechen gut auf QS-Laser an – Kombi-nationstherapien verbessern Ergebnisse und Narben-qualität.
-
Bei Rosazea ist die Gerätewahl phänotyp- und gefässabhängig.
Moderne ästhetische Werkzeuge ermöglichen nicht nur eine Verbesserung des äusseren Erscheinungsbildes, sondern tragen auch zur strukturellen Rekonstruktion, zur anatomischen und funktionellen Rebalancierung sowie zur Reduktion krankheitsbedingter funktioneller und psychosozialer Einschränkungen bei. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn Therapieentscheidungen pathophysiologisch begründet und strategisch kombiniert werden.
Pigmentstörungen und exogene Pigmentierungen
Pathophysiologie
Die postinflammatorische Hyperpigmentierung (PIH) entsteht durch eine entzündungsinduzierte Aktivierung der Melanozyten mit vermehrter Melaninproduktion und -ablagerung in der Epidermis, Dermis oder beiden Hautschichten. Exogene Pigmentierungen, wie Tätowierungen oder traumatische Pigmente, beruhen auf einer dermalen Ablagerung exogener Partikel, die häufig mit einer chronischen Entzündungsreaktion einhergeht.
Therapeutisches Konzept bei PIH
Der therapeutische Ansatz bei PIH basiert auf der selektiven Photothermolyse, der Förderung des epidermalen Turnovers sowie der gezielten Inhibition der Melanogenese. Topische Wirkstoffe wie Glykolsäure und Tretinoin können mit systemischen oder topischen Inhibitoren der Melaninsynthese (z.B. Tranexamsäure) kombiniert werden.
Laser- und lichtbasierte Verfahren können zur Behandlung der PIH eingesetzt werden. Die aktuell robusteste Evidenz besteht für den Q-switched Nd:YAG-Laser (1064nm), der konsistente Ergebnisse bei gleichzeitig gutem Sicherheitsprofil zeigt, auch bei Hauttypen mit höherer Fitzpatrick-Zahl. Nichtablative fraktionierte Laser (1550/1927nm) ermöglichen eine verbesserte Wirkstoffpenetration («laser-assisted drug delivery») und zeigen vielversprechende Ergebnisse, sind jedoch bislang nur durch kleinere Studien belegt.
Eiseninduzierte Tätowierungen
Eiseninduzierte Tätowierungen entstehen typischerweise nach paravenösem Austritt intravenöser Eisenpräparate und weisen eine berichtete Inzidenz von 1,6–1,8% auf. Eine spontane Rückbildung ist selten, weshalb eine frühzeitige Patientenaufklärung essenziell ist.
Der Q-switched Nd:YAG-Laser (1064nm) gilt als Therapie der ersten Wahl, insbesondere aufgrund seiner tiefen Penetration und des günstigen Sicherheitsprofils. Kürzere Wellenlängen (532nm, 694nm) können bei oberflächlichem Pigment eingesetzt werden, erfordern jedoch besondere Vorsicht bei dunkleren Hauttypen. Mehrere Sitzungen (meist 4–6) sind erforderlich, Komplikationen sind bei korrekter Parametereinstellung selten.
Traumatische Tätowierungen
Traumatische Tätowierungen entstehen durch das Eindringen heterogener Partikel (z.B. Schiesspulver, Asphalt, Metallfragmente) in die Dermis, häufig in Kombination mit Narbenbildung. Die Prognose hängt massgeblich von Pigmenttiefe, Partikelgrösse und begleitender Fibrose ab.
Der Q-switched Nd:YAG-Laser (1064nm) stellt auch hier die Erstlinientherapie dar. Studien zeigen, dass die Kombination mit fraktioniertem ablativem CO2-Laser zu besseren Ergebnissen führt, einschliesslich verbesserter Narbenqualität und geringerer Rate an Narbenverschlechterung im Vergleich zur Monotherapie.
Rosazea, erythematotelangiektatische Form
Laser- und energiebasierte Verfahren wirken bei Rosazea über mehrere Mechanismen: selektive Photothermolyse pathologischer Gefässe, vaskuläres Remodeling, thermische Stimulation dermaler Reparaturprozesse sowie Modulation inflammatorischer Mediatoren.
Der gepulste Farbstofflaser (PDL, 585–595nm) verfügt über die robusteste Evidenz für die Behandlung von Erythem und oberflächlichen Teleangiektasien. Der Nd:YAG-Laser (1064nm) eignet sich insbesondere für tiefere und grössere Gefässe, während intensiv gepulstes Licht (IPL) eine effektive Option bei diffusem Erythem darstellt. Die Gerätewahl sollte stets anhand von Gefässtiefe, klinischem Phänotyp und individueller Hautcharakteristik erfolgen.
Medizinisch bedingte Gesichtsasymmetrien
Gesichtsasymmetrien können kongenital oder erworben sein (z.B. Fazialisparesen, Tumoren, Traumata, entzündliche Erkrankungen) und haben häufig einen erheblichen Einfluss auf die psychosoziale Lebensqualität – unabhängig vom objektiven Ausmass der Asymmetrie.
Kombinierte ästhetisch-medizinische Therapie
Der gezielte Einsatz von Botulinum-toxin und Fillern ermöglicht funktionelle und ästhetische Rebalancierung durch:
-
Reduktion kontralateraler Hyperkine-sien und Synkinesien
-
Muskelrelaxation spastischer Areale
-
Volumenrekonstruktion und strukturelle Unterstützung
-
Konturverbesserung (z.B. Malarregion, Kieferlinie)
Literatur:
● Chaowattanapanit S et al.: Postinflammatory hyperpigmentation: a comprehensive overview: treatment options and prevention. J Am Acad Dermatol 2017; 77(4): 607-21 ● Eggenschwiler CDC et al.: Use of lasers for iron-induced accidental tattoos: experience at a tertiary referral center. Dermatol Surg 2020; 46(9): 1176-82 ● Fusade T et al.: Treatment of gunpowder traumatic tattoo by Q-switched Nd:YAG laser: an unusual adverse effect. Dermatol Surg 2000; 26(11): 1057-9 ● Gupta M: Cutaneous siderosis after extravasation of intravenous iron infusion. Our Dermatol Online 2018; 10(2): 217-8 ● Heidemeyer K et al: Successful treatment of iatrogenic cutaneous siderosis with pigment lasers: a retrospective study in 15 consecutive patients. Acta Derm Venereol 2020; 100(10): adv00148 ● Husein-ElAhmed H, Steinhoff M: Light-based therapies in the management of rosacea: a systematic review with meta-analysis. Int J Dermatol 2022; 61(2): 216-25 ● Kaufman BP et al.: Postinflammatory hyperpigmentation: epidemiology, clinical presentation, pathogenesis and treatment. Am J Clin Dermatol 2018; 19(4): 489-503 ● Yang Q et al.: Laser treatment for traumatic facial tattoo. Lasers Med Sci 2022; 38(1): 28
Das könnte Sie auch interessieren:
Die Rekonstruktion des Nasenflügels mit dem Nasolabiallappen
Die Komplexität der Nasenflügelrekonstruktion steigt mit Lage, Grösse und Tiefe des Defekts. Die Rekonstruktion mit einem Nasolabiallappen kann je nach den Erfordernissen des Defektes ...
Operative Möglichkeiten zur Behandlung der Gesichtslähmung
Die Fazialisparese, eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur aufgrund einer Schädigung des Nervus facialis, führt zu erheblichen Funktionseinschränkungen durch herabhängende Mundwinkel, ...
Lasertherapie des intraoralen Haarwachstums nach Zungenrekonstruktion
Intraorales Haarwachstum nach Lappenplastiken ist eine vorhersehbare, für Betroffene oft belastende Folge rekonstruktiver Chirurgie im Kopf-Hals-Bereich. Die Laser-Epilation stellt eine ...