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Highlights vom 19. EFORT-Kongress
Jatros
Autor:
Dr. Corina Ringsell
30
Min. Lesezeit
20.09.2018
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<p class="article-intro">Die Jahrestagung 2018 der EFORT in Barcelona deckte ein breites Themenspektrum ab. Einige ausgewählte Präsentationen haben wir für Sie zusammengefasst. </p>
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<p class="article-content"><h2>Meniskusverletzungen: Physiotherapie oder Arthroskopie?</h2> <p>Dr. Victor van de Graaf und Kollegen, Amsterdam/Niederlande, verglichen die Physiotherapie mit der arthroskopischen Meniskusteilresektion bei einem nicht obstruktiven Meniskusriss. Ziel war es, die Nichtunterlegenheit der Physiotherapie gegenüber der Arthroskopie bei diesen Patienten zu zeigen. Eingeschlossen waren Patienten mit degenerativen Veränderungen des Kniegelenks. Sie mussten alle einen mittels MRT bestätigten Meniskusriss aufweisen und zwischen 45 und 70 Jahre alt sein. Primärer Endpunkt war die vom Patienten selbst berichtete Funktionsfähigkeit des behandelten Kniegelenks. Insgesamt nahmen mehr als 300 Patienten an neun niederländischen Kliniken teil. Sie wurden randomisiert und erhielten entweder eine Physiotherapie oder eine Arthroskopie. Es zeigte sich, dass beide Therapien gleich wirksam waren, um die Beschwerden zu lindern (Abb. 1). In beiden Gruppen besserte sich die Funktion des Gelenks um mindestens 50 % . Allerdings erhielt fast ein Drittel der Patienten der Physiotherapiegruppe im Verlauf der 24-monatigen Nachbeobachtungszeit ebenfalls eine Arthroskopie.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2018_Jatros_Ortho_1805_Weblinks_s68_1.jpg" alt="" width="1461" height="944" /><br />Das Fazit van de Graafs lautete, dass die Physiotherapie der Arthroskopie bei degenerativ bedingten Meniskusrissen nicht unterlegen ist. Deshalb sollten auch die Leitlinien dahingehend überarbeitet werden. Er riet allerdings zu weiteren Studien, um diejenigen Patienten zu identifizieren, die von der Physiotherapie nicht profitieren, um sie gleich arthroskopisch zu behandeln. Für diese Arbeit erhielt die Gruppe den EFORT Gold Orthopedics Free Paper Award als bestes Paper, das im Bereich Orthopädie präsentiert wurde (van de Graaf VA et al.: Paper 1779).</p> <h2>Heterotope Ossifikationen nach Hüftteilendoprothesen</h2> <p>Eine Arbeitsgruppe um Dr. Gloria Hohenberger von der Medizinischen Universität Graz befasste sich mit heterotopen Ossifikationen als Folge von Hemiarthroplastiken (HA) nach Hüftfrakturen. Bekannt ist, dass es nach einer Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) in bis zu 61 % der Fälle zu heterotopen Ossifikationen kommt, sagte Hohenberger. Dagegen gebe es kaum Daten zur Inzidenz nach Teilendoprothesen. Ziel der Studie war es daher, das Auftreten heterotoper Ossifikationen nach zwei üblichen Operationsverfahren für Hüft-HA zu vergleichen. Eingeschlossen waren alle Patienten, die innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten mit einer HA versorgt wurden. Dabei wurde die Prothese entweder über einen anterolateralen Zugang (CA) oder einen anterioren minimal invasiven Zugang (AMIS) eingesetzt. Die Ergebnisse wurden anhand regelmäßiger Röntgenuntersuchungen (7 Tage, 2 Wochen, 6 Wochen, 12 Wochen, 6 Monate, 12 Monate) evaluiert. Der Grad heterotoper Ossifikationen wurde mithilfe des Brooker-Scores beurteilt. Insgesamt konnten 54 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 83 Jahren in die Studie aufgenommen werden. Von diesen wurden 48 % mittels AMIS operiert, 52 % mittels CA. Heterotope Ossifikationen kamen bei 44 % der 54 Patienten vor, wobei es keinen signifikanten Unterschied zwischen CA (50 % ) und AMIS (42 % ) gab (Hohenberger G et al.: Paper 2696).</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2018_Jatros_Ortho_1805_Weblinks_s68_2.jpg" alt="" width="1417" height="1322" /></p> <h2>Revisionsoperationen nach Hüftendoprothesen</h2> <p>Mit Hüftendoprothesen befasste sich auch eine Forschergruppe aus Großbritannien um Dr. Gulraj Matharu, Oxford, deren Arbeit den EFORT Silver Orthopedics Free Paper Award erhielt. Die Ergebnisse präsentierte Prof. Hemant Pandit. Hintergrund der Studie ist, dass Revisionsoperationen nach Hüft-TEP zunehmen. Dabei werden aufgrund ihrer Eigenschaften wie hoher Biokompatibilität und Porosität vor allem trabekuläre Metallprothesen aus Tantal eingesetzt. Es gebe jedoch keine großen Kohorten- oder Vergleichsstudien, die eine ausreichende wissenschaftliche Evidenz für dieses Vorgehen lieferten, so Pandit. Deshalb initiierte die Arbeitsgruppe eine Studie, die die Rerevisionsraten nach Hüft-TEP-Revision untersuchte. Verglichen wurden dabei Acetabulumkomponenten aus trabekulärem und nicht trabekulärem Metall. Als Grundlage diente die Datenbank des britischen „National Joint Registry“. Daraus wählten die Forscher jeweils 1931 Patienten aus, deren demografische Daten zueinanderpassten. Alle hatten bereits eine Revision ihrer Hüft-TEP erhalten und waren entweder mit einer trabekulären oder einer nicht trabekulären Tantalprothese versorgt worden. Bei der Analyse legten die Wissenschaftler besonderen Wert auf den Grund der Rerevision des Acetabulumimplantats, aseptische Lockerung des Implantats und Infektionen.<br />Die Rerevisionsrate lag unabhängig von der Art des Implantats bei 2,7 % . Hauptursachen waren Lockerung, Schmerzen, Infektionen und Dislokationen. Auch die 6-Jahres-Standzeit unterschied sich nicht. Überrascht habe ihn, dass die Rerevision aufgrund einer aseptischen Lockerung bei den Gelenkpfannen aus trabekulärem Metall um 32 % höher war als bei den nicht trabekulären, obwohl der Unterschied statistisch nicht signifikant war, erklärte Pandit. Die Ergebnisse für Rerevisionen aufgrund von Infektionen entsprachen dagegen seinen Erwartungen, obwohl sie statistisch nicht signifikant waren: Die Infektionsrate bei trabekulären Prothesen war um 32 % geringer als bei nicht trabekulären. Der Grund dafür sei, dass die Oberfläche der trabekulären Implantate porös ist und daher schneller in den Knochen einwachse, sagte Pandit (Matharu G et al.: Paper 916).</p> <h2>Versorgung von Femurhalsfrakturen</h2> <p>Um Teilendoprothesen nach Femurhalsfrakturen ging es in der Studie von Dr. Rajzan Joanroy und Kollegen, Kolding Hospital, University of Southern Denmark. Die einzementierte Prothese sei ein etabliertes Verfahren zur Versorgung von Oberschenkelhalsfrakturen, erklärte Joanroy. Dabei würden vor allem Prothesen mit polierten konischen Schäften oder matten anatomischen Schäften eingesetzt. In ihrer retrospektiven Kohortenstudie verglichen die dänischen Wissenschaftler beide Systeme in Bezug auf Komplikationen und radiologische Parameter innerhalb eines Jahres postoperativ. Primärer Endpunkt waren die Komplikationen tiefe Infektionen, Revisionsoperationen und periprothetische Frakturen. Sekundärer Endpunkt waren die radiologischen Messungen Winkelstellung, femorales Offset und Zementierung. Für den primären Endpunkt wurden die Daten von 584 Patienten ausgewertet, für den sekundären Endpunkt wurden die Röntgenaufnahmen von 497 Patienten beurteilt.<br />Die Gesamtkomplikationsrate und die Raten der einzelnen Komplikationen unterschieden sich nicht signifikant: Beim Einsatz eines polierten Schafts kam es in 8 % der Fälle zu Komplikationen, bei den matten Schäften in 8,8 % (p=0,727). Bei polierten Schäften traten mehr periprothetische Frakturen auf als bei den matten (2,3 % vs. 0,4 % ; p=0,04). Bei den matten waren dagegen häufiger Revisionen nötig (7 % vs. 4,3 % ; p=0,156). Die Infektionsrate lag bei 1,3 % (polierter Schaft) bzw. 1,4 % (matter Schaft). Signifikante Unterschiede zeigten jedoch die radiologischen Messungen. So betrug die Offsetdifferenz zum präoperativen Zustand bei Prothesen mit poliertem Schaft 10,6mm (vs. 2,7mm; p<0,001), der Winkel bei Prothesen mit poliertem Schaft lag bei 2,5° (vs. 1,4°; p<0,000). <br />Das Fazit der Autoren: Die beiden Modelle unterscheiden sich nicht signifikant hinsichtlich der Komplikationen. Allerdings führt die Prothese mit poliertem Schaft zu einer Überkorrektur der Beinstellung (Joanroy R et al.: Paper 956).</p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: <br>19<sup>th </sup>EFORT (European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology) Congress, 30. Mai bis 1. Juni 2018, Barcelona
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