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Fehlbildungen des Säuglingsfußes

Orthopädie & Traumatologie
<p class="article-intro">In der täglichen Praxis werden Fehlhaltungen mit Tendenz zur Spontankorrektur oft aus Unsicherheit übertherapiert. Die Versorgung mit Schienen oder orthopädischen Schuhen ist in den meisten Fällen nicht indiziert. Fehlbildungen hingegen benötigen eine spezifische Behandlung. Diese ist mit modernen Verfahren meist minimal invasiv möglich, erfordert aber viel Erfahrung mit den jeweiligen Techniken und auch eine spezifische Nachbehandlung und Verlaufskontrollen.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Fu&szlig;fehlbildungen sind in der Regel bei Geburt sichtbar. Zus&auml;tzlich zu angeborenen strukturellen Fehlbildungen gibt es eine Vielzahl von lagerungsbedingten Fehlstellungen, die meist mild sind und sich oft spontan korrigieren. Die H&auml;ufigkeit von Fu&szlig;fehlbildungen wurde in einer konsekutiven Serie von 2.401 Patienten mit 4,2 % angegeben, wobei 87 % dieser F&uuml;&szlig;e bei einer nochmaligen Untersuchung als unauff&auml;llig befundet wurden.<sup>1</sup> Die Unterscheidung zwischen milden Fehlstellungen, die sich durch Massage und entspanntes Abwarten von selbst korrigieren, und solchen, die eine spezifische Behandlung ben&ouml;tigen und auch rezidivieren k&ouml;nnen, ist nicht immer einfach.</p> <p>Am S&auml;uglingsfu&szlig; k&ouml;nnen alle Deformit&auml;ten klinisch und durch Inspektion und Palpation diagnostiziert werden. Das obere und untere Sprunggelenk, der R&uuml;ck-, Mittel- und Vorfu&szlig; und deren Position, Beweglichkeit und Flexibilit&auml;t m&uuml;ssen untersucht werden. Zur Dokumentation eignen sich prim&auml;r Fotos und klinische Scores. R&ouml;ntgenbilder sind in den ersten Lebensmonaten nie erforderlich, k&ouml;nnen jedoch manchmal im Behandlungsverlauf hilfreich sein und zus&auml;tzliche Informationen geben.<sup>2</sup></p> <p>Bei allen S&auml;uglingen muss eine Gesamtuntersuchung inklusive einer neuroorthop&auml;dischen Evaluierung durchgef&uuml;hrt werden. Die Anamnese bez&uuml;glich Schwangerschaft und Geburt kann wertvolle Hinweise auf eine m&ouml;gliche Ursache von Auff&auml;lligkeiten geben. Ein H&uuml;ftultraschall sollte stets durchgef&uuml;hrt werden, obwohl die Verbindung zwischen H&uuml;ftdysplasie und Fu&szlig;deformit&auml;ten wie Metatarsus adductus oder Klumpfu&szlig; kontrovers beschrieben ist.<sup>3, 4 </sup></p> <h2>Lagebedingte Fehlstellungen</h2> <p>Lagebedingte Fehlstellungen entstehen durch die Position und Platznot in utero. Da das Platzangebot besonders in den letzten Wochen der Schwangerschaft deutlich abnimmt, zeigen sich diese Fehlstellungen &uuml;blicherweise bei fr&uuml;hgeborenen S&auml;uglingen deutlich seltener.<sup>5</sup> Dennoch ist die &Auml;tiologie manchmal &uuml;berlappend und besonders F&uuml;&szlig;e, die auch eine leichte muskul&auml;re Imbalance zeigen, sind besonders in Hinsicht auf ein noch nicht v&ouml;llig ausgereiftes oder unbalanciertes neuromotorisches System hin zu beobachten.</p> <h2>Metatarsus adductus</h2> <p>Der Metatarsus adductus, besser bekannt als Sichelfu&szlig;, ist die h&auml;ufigste lagebedingte Fehlstellung. Der Vorfu&szlig; ist in Relation zum R&uuml;ckfu&szlig; adduziert und es zeigt sich oft eine prominente Basis des f&uuml;nften Metatarsal-Knochens. Die Achillessehne ist nicht verk&uuml;rzt und es ist eine volle passive Dorsalextension m&ouml;glich (Abb. 1). Bei einem flexiblen Sichelfu&szlig; ist die Abduktion &uuml;ber die Neutrale m&ouml;glich; dieser korrigiert sich in der Regel spontan. Eine Stimulation des &auml;u&szlig;eren und Dehnung des inneren Fu&szlig;randes kann von den Eltern durchgef&uuml;hrt werden und die Spontankorrektur eventuell beschleunigen. In rigiden F&auml;llen, in denen der Fu&szlig; nicht abduzierbar ist, kann eine Abduktionsorthese, wie z.B. IPOS-Sch&uuml;hchen, bis zum 6.&ndash;9. Lebensmonat verwendet werden. <br />Besonders rigide F&auml;lle sollten einer Gipstherapie zugef&uuml;hrt werden. Beim Gipsen ist eine Abduktion des Fu&szlig;es mit Gegendruck auf das Calcaneocuboid-Gelenk durchzuf&uuml;hren. Dies entspricht der Gips-Methode nach Kite, die f&uuml;r die Behandlung des Klumpfu&szlig;es obsolet ist, jedoch beim Sichelfu&szlig; gut korrigiert.<sup>6</sup> Es sollten gut modellierte Ober-Unterschenkel-Gipse angelegt werden; bei sehr gro&szlig;er Erfahrung mit S&auml;uglingsgipsen ist auch ein alleiniger Unterschenkelgips erfolgreich.<sup>7</sup> Eine Nachbehandlung mit einer Abduktionsorthese ist aber dann meist erforderlich. Eine rezente Studie beschreibt vergleichbare Ergebnisse der Gips- und der initialen Schienenbehandlung,<sup>8</sup> wobei hier die Form der Schiene und die Compliance gro&szlig;en Einfluss haben.<br />Fast alle F&auml;lle korrigieren sich gut und dauerhaft mit dem beschriebenen Behandlungsregime. Es gibt eine kleine Minderheit an F&auml;llen, die dazu tendieren, auch nach Behandlung wieder aufzutreten, und die eine l&auml;ngere orthotische Nachbehandlung notwendig machen. Diese F&auml;lle zeigen &uuml;blicherweise eine ausgepr&auml;gte Muskelimbalance mit einem &Uuml;berwiegen der Tibialis-anterior-Sehne. <br />Selbst rigide Sichelf&uuml;&szlig;e sind keine Indikation zur operativen Korrektur, da sie zu keiner funktionellen Beeintr&auml;chtigung oder einem Schuhkonflikt f&uuml;hren. In einer Langzeitstudie von Patienten mit Sichelfu&szlig; wurden keine funktionellen Probleme gesehen und kein Fu&szlig; wurde als schlecht klassifiziert.<sup>9</sup> F&uuml;r extrem seltene, sehr schwere persistierende Deformit&auml;ten mit deutlichem Schuhkonflikt in der Kindheit steht eine minimal invasive Operationsmethode zur Verf&uuml;gung.<sup>10</sup> Kosmetische Interessen der Eltern sollten nicht als Indikation zur Operation akzeptiert werden: Eine kosmetische Korrektur kann auch nach Wachstumsabschluss noch erfolgen.</p> <h2>Z-Fu&szlig;</h2> <p>Beim Z-Fu&szlig; handelt es sich um eine seltene Kombination aus Sichelfu&szlig; und vermehrtem Fersenvalgus mit vermehrter talokalkanearer Divergenz, wie sie auch beim Talus obliquus oder angeborenen Plattfu&szlig; zu finden ist. Diese Fehlstellung ist nach der Geburt extrem selten und wird &uuml;blicherweise sp&auml;ter, etwa um das 4. bis 6. Lebensjahr, diagnostiziert. Nach der Geburt ist die rigide Form dieser Fehlstellung sehr schwer zu gipsen. Im Kindesalter ist eine operative Korrektur m&ouml;glich. Hier werden Verfahren zur kindlichen Plattfu&szlig;korrektur, wie z.B. die Calcaneusverl&auml;ngerung, mit Verfahren gegen die Vorfu&szlig;adduktion wie Cuneiforme-opening-wedge-Osteotomie oder Tibialis-anterior-Transfer kombiniert.<sup>11</sup> Inwieweit es sich hier, besonders bei schweren F&auml;llen, tats&auml;chlich um eine lagebedingte Fehlstellung handelt, ist unklar.</p> <h2>Pes calcaneovalgus (Hackenfu&szlig;)</h2> <p>Der Hackenfu&szlig; ist eine sehr h&auml;ufige lagebedingte Fehlstellung und durch eine extreme Dorsalextension des Fu&szlig;es charakterisiert. Dabei liegt der Fu&szlig;r&uuml;cken oft am Unterschenkel an (Abb. 2). Manchmal kann zus&auml;tzlich der Vorfu&szlig; leicht abduziert sein, in Kombination mit einer Valgusstellung der Ferse. Eine klare Differenzierung vom angeborenen Talus vertikales ist sehr einfach, da sich der R&uuml;ckfu&szlig; nicht im Spitzfu&szlig; befindet und die Achillessehne nicht verk&uuml;rzt ist. Ein Crus recurvatum valgum (posteromedial bowing) zeigt oft eine sehr &auml;hnliche Fu&szlig;stellung, wobei hier der Fu&szlig; selbst normal ist und sich die Fehlstellung in der distalen Tibia befindet (Abb. 3). Wenn der Hackenfu&szlig; &uuml;ber die Neutralstellung plantarflektiert werden kann, reichen die Dehnung und Massage durch die Eltern zur Korrektur aus. In weniger flexiblen F&auml;llen k&ouml;nnen 1 bis 2 Gipse die Korrektur beschleunigen.<sup>12</sup> Eine Schienenbehandlung ist nie erforderlich.</p> <h2>Klumpfu&szlig;-Fehlhaltung (Kletterf&uuml;&szlig;chen)</h2> <p>Die Klumpfu&szlig;-Fehlhaltung (&bdquo;positional clubfoot&ldquo;) ist eine lagebedingte Fehlstellung, die auf den ersten Blick an einen Klumpfu&szlig; erinnert. Der Fu&szlig; ist im Spitzfu&szlig;, in Adduktion und einw&auml;rts gedreht. In ganz milder und sehr flexibler Form ist diese Fehlstellung in unseren Breiten auch als Kletterf&uuml;&szlig;chen bekannt. Sie l&auml;sst sich passiv vollst&auml;ndig korrigieren und in die freie Dorsalextension &uuml;berf&uuml;hren (Abb. 4). Der &Uuml;bergang zum ganz milden kongenitalen Klumpfu&szlig; ist dann gegeben, wenn sich die Fehlstellung nicht passiv vollst&auml;ndig korrigieren l&auml;sst. Falls ein Gips zur Korrektur erforderlich ist, sollte auch eine Fu&szlig;abduktionsschiene verwendet werden.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Ortho_1702_Weblinks_s57.jpg" alt="" width="1417" height="1733" /></p> <h2>Strukturelle Fehlbildungen</h2> <h2>Klumpfu&szlig;</h2> <p>Mit einer Inzidenz von 1,25 auf 1.000 Lebendgeburten ist der Klumpfu&szlig; die h&auml;ufigste angeborene Deformit&auml;t. In 40&ndash;50 % der F&auml;lle besteht ein beiderseitiger Klumpfu&szlig;. M&auml;nnliche S&auml;uglinge sind 2,5-mal h&auml;ufiger betroffen als weibliche. Die &Auml;tiologie ist nach wie vor unklar; viele unterschiedliche Faktoren werden jedoch mit dem Auftreten der Fehlbildung assoziiert. Eine famili&auml;re H&auml;ufung ist bekannt, und genetische Studien favorisieren die Theorie einer heterogenen Erkrankung mit einem polygenetischen Schwellenwert-Modell, um die Vererbung zu erkl&auml;ren.<sup>13</sup><br />Der Klumpfu&szlig; ist eine sehr komplexe Deformit&auml;t mit unterschiedlichen Komponenten, die oft getrennt beschrieben werden, aber nat&uuml;rlich verbunden sind. Es zeigen sich ein Spitzfu&szlig; des R&uuml;ckfu&szlig;es aufgrund einer Verk&uuml;rzung der Achillessehne, weiters ein Fersenvarus (Inversion) und eine Adduktion des Calcaneus, der diesen nahe an die Fibula bringt. Der Calcaneus steht parallel unter dem Talus. Der Vorfu&szlig; ist adduziert und im Cavus, und das Naviculare ist nach medial verschoben und steht nahe dem medialen Malleolus. Obwohl der Vorfu&szlig; in Relation zur Tibia supiniert ist, steht er in Relation zum R&uuml;ckfu&szlig; in Pronation (Abb. 5). Zus&auml;tzlich zu diesen Fehlstellungen der Knochen zeigen sich deutliche strukturelle Ver&auml;nderungen, wie eine abgeflachte Talusrolle,<sup>14</sup> die durch br&uuml;skes Gipsen noch weiter abflachen kann. Die B&auml;nder sind fibrotisch, die Muskeln kontrakt und das Gewebe des inneren Fu&szlig;randes hat Charakteristika von Narbengewebe mit vermehrten myofibroblastischen Zellen.<sup>15, 16</sup> Sekund&auml;re Klumpf&uuml;&szlig;e, wie bei Arthrogrypose, Myelomeningozele, Spina bifida oder neurogenen St&ouml;rungen sowie im Rahmen von Syndromen oder auch assoziiert mit fibularer Hemimelie m&uuml;ssen abgegrenzt werden.<br />Die pr&auml;natale Diagnose des Klumpfu&szlig;es hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, und die meisten M&uuml;tter bevorzugen es, &uuml;ber den Klumpfu&szlig; ihres S&auml;uglings vor der Geburt zu erfahren.<sup>17</sup> Pr&auml;natale Beratung ist entsprechend erforderlich und wichtig und sollte eine Aufkl&auml;rung &uuml;ber die Behandlung und Prognose, &uuml;ber m&ouml;gliche sekund&auml;re Ursachen des Klumpfu&szlig;es und &uuml;ber die M&ouml;glichkeit einer falsch positiven Ultraschalldiagnose beinhalten.</p> <p>Die Behandlung sollte innerhalb der ersten 3 Lebenswochen beginnen, wobei hier keine Eile besteht und die Therapie nicht in den ersten Lebenstagen begonnen werden soll. Wenn Mutter und Kind aus dem Krankenhaus entlassen und kr&auml;ftig und gesund genug sind, soll eine Vorstellung erfolgen. Bei Erstvorstellung wird eine gr&uuml;ndliche Untersuchung des gesamten S&auml;uglings inklusive Fotodokumentation durchgef&uuml;hrt. Weiters sollte der Pirani-Score erhoben werden, der sich in Studien als reproduzierbar und valide erwiesen hat.<sup>18</sup> <br />In den letzten 10 Jahren hat sich die Ponseti-Methode als Goldstandard der Klumpfu&szlig;therapie weltweit durchgesetzt.<sup>19, 20</sup> Die Ponseti-Methode ist ein prim&auml;r nicht operatives Behandlungsregime, basierend auf w&ouml;chentlicher Gipsredression und einer minimal invasiven Achillessehnen-Durchtrennung. Die beeindruckenden Ergebnisse werden dabei durch ein m&ouml;glichst exaktes Einhalten der einzelnen Therapieschritte und Redressionsgriffe erzielt.<sup>21, 22</sup> F&uuml;r den ersten Gips wird das erste Metatarsale gehoben, um so den Vorfu&szlig; und R&uuml;ckfu&szlig; in dieselbe Ausrichtung und Ebene zu bringen. Der Fu&szlig; darf niemals proniert werden. Bei den n&auml;chsten Gipsen erfolgt eine Abduktion des Fu&szlig;es mit Gegendruck am Talushals zur Stabilisierung des Talus in der Malleolengabel. Dadurch wird der Calcaneus unter dem Talus derotiert und die Fehlstellung korrigiert. Etwa 4&ndash;6 Ober-Unterschenkel-Gipse in 90&deg; Kniebeugung sind bis zum Erreichen der vollst&auml;ndigen Korrektur erforderlich. Eine daran anschlie&szlig;ende Durchtrennung der Achillessehne ist in etwa 90 % der F&auml;lle n&ouml;tig, falls eine Dorsalextension von 15&deg; nicht erreicht werden kann. In F&auml;llen, in denen eine Dorsalextension &uuml;ber 15&deg; m&ouml;glich ist, sollte ein R&ouml;ntgenbild des Fu&szlig;es seitlich in maximaler Dorsalextension angefertigt werden. Dieses erlaubt die Evaluierung der tats&auml;chlichen R&uuml;ckfu&szlig;korrektur durch Beurteilung des tibiokalkanearen Winkels und zeigt eine eventuelle Schaukelfu&szlig;-Tendenz.<sup>23</sup> Die Achillessehne wird perkutan durch Stich&shy;inzision vollst&auml;ndig von medial nach lateral durchtrennt. Der letzte Gips bleibt f&uuml;r drei Wochen und sollte in maximaler Abduktion und Dorsalextension angebracht werden. Nach der Gipsentfernung muss eine Fu&szlig;abduktionsschiene (Pon&shy;seti-Schiene, Denis-Browne-Schiene) getragen werden. Der Klumpfu&szlig; wird in 60&deg; Au&szlig;enrotation fixiert, w&auml;hrend der nicht betroffene Fu&szlig; bei einseitigem Klumpfu&szlig; auf 40&deg; gestellt wird. Die Schiene muss in den ersten 3 Monaten f&uuml;r 22 Stunden und danach bis zum 4. Lebensjahr nachts und zum Schlafen getragen werden. Eine Versetzung der Tibialis-anterior-Sehne ist in etwa 20 % der F&auml;lle, &uuml;blicherweise zwischen dem 4. und 6. Lebensjahr, erforderlich. Diese Operation kompensiert die oft vorhandene signifikante Schw&auml;che der Peronealmuskulatur. Die mittel- und langfristigen Ergebnisse der Ponseti-Methode sind sehr gut und anderen Therapieverfahren &ndash; besonders klassischen operativen Entflechtungen &ndash; deutlich &uuml;berlegen.<sup>24&ndash;29</sup></p> <h2>Kongenitaler Talus verticalis</h2> <p>Der kongenitale Talus verticalis pr&auml;sentiert sich als Schaukelfu&szlig;-Fehlstellung mit fixiertem Spitzfu&szlig; des R&uuml;ckfu&szlig;es und nach dorsal auf den Talus disloziertem Naviculare. Es ist dies die schwerste Form des angeborenen Plattfu&szlig;es. Die Abgrenzung zum Talus obliquus bilden die fixierte, nicht reponierbare Dislokation des Naviculare und die fixierte Spitzfu&szlig;stellung. Beides ist in seitlichen Funktionsaufnahmen ersichtlich. Flexible angeborene Plattf&uuml;&szlig;e finden sich extrem selten, sind in der Regel nicht therapiebed&uuml;rftig und fallweise erster Hinweis auf eine muskul&auml;re Dysbalance bei milden Formen der Zerebralparese. <br />Der kongenitale Talus verticalis zeigt sich in 50 % der F&auml;lle beidseits, kann jedoch auch nur einseitig vorkommen oder auch mit einem kontralateralen Klumpfu&szlig; assoziiert sein (Abb. 6). Die meisten F&auml;lle treten in Verbindung mit Syndromen auf, wie zum Beispiel bei Arthrogrypose, Trisomie 18, sakraler Agenesie oder Larsson-Syndrom. Die Inzidenz ist mit etwa 1:10.000 Lebendgeburten etwa zehnfach niedriger als die des Klumpfu&szlig;es. Die exakte &Auml;tiologie ist unbekannt, wobei Muskeldysbalance, intrauterine Kompression &ndash; besonders in Verbindung mit Arthrogrypose &ndash; oder ein Entwicklungsarrest des Fu&szlig;es diskutiert werden. Neuere Studien zeigen, dass Auff&auml;lligkeiten bei Muskelbiopsien bei Talus verticalis sehr h&auml;ufig sind und besonders bei Patienten mit kongenitaler Myopathie und distaler Arthrogrypose geh&auml;uft auftreten.<sup>30</sup> Ein isolierter Talus verticalis kann auch autosomal dominant mit variabler Expression und inkompletter Penetranz vererbt werden.<sup>31</sup> Klassifikationen beziehen sich &uuml;blicherweise auf die zugrunde liegende &Auml;tiologie und es werden prim&auml;r isolierte Formen (44 % ) von assoziierten Formen mit oder ohne neurologisches Defizit (50 % ) unterschieden.<sup>32</sup><br />Traditionellerweise waren offene Gelenksoperationen die Therapie der Wahl, wobei hier zuletzt eine offene Entflechtung &uuml;ber einen horizontalen Cincinnati-Zugang mit offener Achillessehnenverl&auml;ngerung, Kapsulotomie und einem medialen Release mit Reposition des Naviculare und Bohrdrahtfixation durchgef&uuml;hrt wurde. Dobbs etablierte schlie&szlig;lich eine Gipsredression in Kombination mit einem minimal invasiven Eingriff,<sup>33</sup> der auch gerne als &bdquo;reversed Ponseti&ldquo; beschrieben wird. Dabei wird die talonavikulare Subluxation durch Gipse mit Plantarflexion und Pronation des Vorfu&szlig;es mit Gegendruck von plantar und medial auf den Taluskopf korrigiert. Danach erfolgen eine Reposition und Stabilisierung des Talonavikulargelenks &uuml;ber einen minimal invasiven Zugang mit Bohrdrahtfixationen und eine anschlie&szlig;ende perkutane Achillessehnenverl&auml;ngerung. Eine Schienenversorgung ist zur Rezidivprophylaxe erforderlich. Obwohl in der Literatur durchwegs gute Resultate beschrieben sind,<sup>33, 34</sup> ist besonders bei syndromalen Fehlstellungen fallweise noch eine offene Operation erforderlich.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Ortho_1702_Weblinks_s58.jpg" alt="" width="1417" height="1733" /></p> <h2>Fehlbildungen und Duplikaturen der Zehen und Zehenstrahlen</h2> <h2>Curly toes</h2> <p>Zehenfehlstellungen sind sehr h&auml;ufig. Viele Neugeborene und Kleinkinder zeigen milde Fehlstellungen und &bdquo;verdrehte&ldquo; Zehen, die unter dem Begriff &bdquo;curley toes&ldquo; subsumiert werden. Diese sind meist beidseitig und betreffen am h&auml;ufigsten die Zehen II bis IV. In den meisten F&auml;llen korrigieren sie sich spontan oder entwickeln sich in die Richtung der gegebenenfalls famili&auml;r geh&auml;uften Zehenfehlstellung. Bei tats&auml;chlichen kn&ouml;chernen Deformit&auml;ten mit Fehlbildungen der Phalangen kann eine operative Korrektur erfolgen. Diese ist nur bei hartn&auml;ckigem Schuhkonflikt bei Subductus oder Superductus (&Uuml;ber- oder Unterschlagen der Zehe) indiziert, wo eine L&ouml;sung durch eine Tenotomie der Flexorsehne, mit oder ohne Bohrdrahtfixation, erfolgen kann.<sup>35</sup></p> <h2>Syndaktylie</h2> <p>Syndaktylie bezeichnet die h&auml;utige &Uuml;berbr&uuml;ckung zweier oder mehrerer Zehen, wobei meist die II. und III. Zehe verbunden sind. Die Verbindung f&uuml;hrt &uuml;blicherweise zu keiner funktionellen Beeintr&auml;chtigung und ben&ouml;tigt keine operative Trennung. Ausnahmen sind F&auml;lle, in denen es durch unterschiedlich lange Zehen im Wachstum zu einer Fehlstellung kommen kann; hier sollte eine Trennung mit Hilfe einer Z-Plastik durchgef&uuml;hrt werden.</p> <h2>Polydaktylie</h2> <p>Die Polydaktylie am Fu&szlig;, das Vorhandensein von &uuml;berz&auml;hligen Zehenstrahlen, kann den lateralen V. Strahl (fibulare oder postaxiale Polydaktylie), die mittleren Strahlen (zentrale Polydaktylie) oder den medialen ersten Strahl (pr&auml;axiale oder tibiale Polydaktylie) betreffen. Polydaktylie kann Teil eines Syndroms sein, ist jedoch h&auml;ufiger eine isolierte Fehlbildung und tritt in 50 % der F&auml;lle beidseits auf. Je nachdem, ab welchem Level der Zehenstrahl dupliziert ist, werden ein distaler phalangealer, ein mittlerer phalangealer und ein proximaler phalangealer Typ von einem metatarsalen Typ mit entsprechender Duplikatur unterschieden.<sup>36, 37</sup> Ein tarsaler Typ mit Duplikatur von Mittelfu&szlig;knochen oder eine partielle Duplikatur des R&uuml;ckfu&szlig;es sind sehr selten. <br />Bei der fibularen Polydaktylie wird die Entfernung des &uuml;berz&auml;hligen Strahles lateral meist zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat empfohlen. R&ouml;ntgenbilder sind erforderlich, um den lateralsten Strahl als den hypoplastischen zu best&auml;tigen. Die tibiale Polydaktylie zeigt sich in unterschiedlichsten Formen und ist deutlich komplexer bez&uuml;glich der chirurgischen Korrektur (Abb. 7).</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Ortho_1702_Weblinks_s59.jpg" alt="" width="684" height="902" /></p> <h2>Strahlendefekte</h2> <p>Strahlendefekte finden sich &uuml;blicherweise in Verbindung mit anderen Deformit&auml;ten wie der fibularen oder tibialen Hemimelie mit Verk&uuml;rzung des Unterschenkels. Bei der fibularen Hemimelie ist das laterale Entwicklungsfeld betroffen. Entsprechend zeigt sich neben der Verk&uuml;rzung des Beines mit Hypoplasie oder Aplasie der Fibula ein Fehlen der lateralen Zehenstrahlen.<sup>38</sup> In &auml;hnlicher Weise ist die tibiale Hemimelie mit der Polydaktylie oder Aplasie von medialen Strahlen verbunden. <br />Zentrale Strahlendefekte finden sich in Form des Spaltfu&szlig;es, der mit einer Inzidenz 1 auf etwa 90.000 Geburten extrem selten ist, daf&uuml;r meist beidseits vorkommt.<sup>39</sup> Die Klassifikation beruht auf der Anzahl der fehlenden Strahlen. Die operative Korrektur zielt auf die Verschm&auml;lerung des Fu&szlig;es ab, um diesen im Konfektionsschuh versorgen zu k&ouml;nnen.<sup>40</sup></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Widhe T et al: Acta Orthop Scand 1988; 59(2): 176-9 <strong>2</strong> Radler C et al: J Bone Joint Surg Am 2010; 92(14): 2427-35 <strong>3</strong> Paton RW, Choudry Q: J Bone Joint Surg Br 2009; 91(5): 655-8 <strong>4</strong> Perry DC et al: J Bone Joint Surg Br 2010; 92(11): 1586-8 <strong>5</strong> Katz K et al: J Pediatr Orthop 1990; 10(4): 483-5 <strong>6</strong> Kite JH: J Bone Joint Surg Am 1967; 49(2): 388-97 <strong>7</strong> Katz K et al: J Pediatr Orthop 1999; 19(1): 49-50 <strong>8</strong> Herzenberg JE, Burghardt RD: J Orthop Sci 2014; 19(2): 250-6 <strong>9</strong> Farsetti P et al: J Bone Joint Surg Am 1994; 76(2): 257-65 <strong>10</strong> Kn&ouml;rr J et al: J Pediatr Orthop 2014; 34(4): 447-52 <strong>11</strong> Hagmann S et al: Foot Ankle Clin 2009; 14(3): 409-34 <strong>12</strong> Edwards ER, Menelaus MB: J Bone Joint Surg Br 1987; 69: 330 <strong>13</strong> Dobbs MB, Gurnett CA: J Pediatr Orthop B 2012; 21(1): 7-9 <strong>14</strong> Herzenberg JE et al: J Pediatr Orthop 1988; 8(3): 257-62 <strong>15</strong> Ippolito E, Ponseti IV: J Bone Joint Surg Am 1980; 62: 8-22 <strong>16</strong> Sano H et al: J Bone Joint Surg Br 1998; 80(4): 641-4 <strong>17</strong> Radler C et al: Ultrasound Obstet Gynecol 2011; 37(6): 658-62 <strong>18</strong> Shaheen S et al: J Pediatr Orthop B 2012; 21(4): 366-8 <strong>19</strong> Jowett CR et al: J Bone Joint Surg Br 2011; 93(9): 1160-4 <strong>20</strong> Shabtai L et al: World J Orthop 2014; 5(5): 585-90 <strong>21</strong> Ponseti IV: Congenital clubfoot. 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