US-Pharmapolitik birgt Milliardenrisiken für die Schweiz
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Die Entwicklungen in den USA könnten das Wachstum der Schweizer Pharmaindustrie langfristig deutlich bremsen. Eine Szenarioanalyse zeigt einen drastischen Verlust an Wertschöpfung bis zum Jahr 2040.
Basel. Die Studie von BAK Economics im Auftrag von Interpharma untersucht, wie sich Produktionsverlagerungen und die neue US-Preislogik bis 2040 auf die Schweizer Pharmaindustrie und die Volkswirtschaft auswirken könnten. Drei unterschiedlich stark ausgeprägte Szenarien werden einem Referenzszenario gegenübergestellt. Es handelt sich dabei nicht um Prognosen, sondern um mögliche Entwicklungspfade.
Im Szenario mit den grössten wirtschaftlichen Auswirkungen würde die Schweizer Pharmaindustrie zwischen 2025 und 2040 kumuliert rund 195 Milliarden Franken weniger Bruttowertschöpfung erwirtschaften als im Referenzszenario. Dies entspricht mehr als einem Fünftel der heutigen Wirtschaftsleistung der Schweiz.
Zwei Entwicklungen sind dafür entscheidend: Unternehmen verlagern ihre Produktions- und Forschungskapazitäten verstärkt in die USA. Gleichzeitig will die US-Regierung mit dem Most-Favored-Nation-Ansatz (MFN) die Medikamentenpreise in den USA an kaufkraftbereinigte Nettopreise anderer Industrieländer koppeln. Für die Schweiz ist dies besonders relevant: 29,3 Prozent der Schweizer Pharmaexporte gingen 2025 in die USA. Damit sind die USA der wichtigste einzelne Absatzmarkt der Branche.
Besonders gravierend sind laut Studie die indirekten Folgen der US-Preispolitik. Um niedrigere Preise in den USA auszugleichen, könnten Unternehmen neue Arzneimittel in anderen Ländern später oder gar nicht auf den Markt bringen. Davon könnte auch die Schweiz betroffen sein. Dies würde den Zugang zu Innovationen erschweren und die Verfügbarkeit neuer Therapien einschränken.
Bereits im Referenzszenario einer «weichen Landung» wächst die Schweizer Pharmaindustrie bis 2040 deutlich langsamer. Das durchschnittliche reale jährliche Wachstum sinkt von 12,8 % zwischen 2015 und 2025 auf 6,9 % zwischen 2025 und 2040. Je nach Szenario beläuft sich die kumulierte Differenz der nominalen Bruttowertschöpfung gegenüber dem Referenzszenario auf 27 Milliarden Franken bei stärkerer Produktionsverlagerung, 77,7 Milliarden Franken bei zusätzlichem Preisdruck und verzögerten Preisanpassungen sowie 194,5 Milliarden Franken im Szenario eines strukturellen Bruchs.
Eine anonymisierte und aggregierte Erhebung unter den Interpharma-Mitgliedern macht bereits Auswirkungen auf den Zugang zu neuen Therapien deutlich: Zwischen Januar 2025 und Juni 2026 wurden aufgrund der MFN-Entwicklung sieben von 22 neuen innovativen Arzneimitteln nicht zur Aufnahme in die Spezialitätenliste eingereicht. Das entspricht rund jedem dritten neuen innovativen Arzneimittel. (tab)
Quelle: Interpharma
Service: Publikation zum Download
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