Gemischte Ergebnisse zu Statinen bei alten Menschen
Bericht:
Reno Barth
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Ältere individuell therapieren: In der STAREE-Studie wurde in der Gruppe mit Statintherapie die Zahl der kardiovaskulären Ereignisse um 30% gesenkt, doch zeigten sich keine positiven Wirkungen auf Mortalität, Demenz und verhindern von Behinderung.
Die STAREE-Studie, die im Rahmen der Hotline 2 des ESC 2026 präsentiert wurde, untersuchte in einer Population von Personen über 70 Jahre ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung, Diabetes oder Demenz die Auswirkungen einer Statintherapie auf das kardiovaskuläre Risiko.1 Zur Wirksamkeit und Sicherheit einer Statintherapie bei älteren Menschen ohne bekannte kardiovaskuläre Erkrankung war die Evidenz bis vor Kurzem suboptimal, so Prof. Dr. Sophia Zoungas von der Monash University School of Public Health and Preventive Medicine in Melbourne, Australien.1 Dementsprechend sei es auch nicht möglich gewesen, in Leitlinien für diese Personengruppe Empfehlungen zu geben. Diese Evidenzlücke wurde nun mit der industrieunabhängigen, vom National Health and Medical Research Council (NHMRC) und der Heart Foundation of Australia finanzierten STAREE-Studie geschlossen. Zoungas: „Die STAREE-Studie (Statins for Reducing Events in the Elderly) ist die erste große randomisierte kontrollierte Studie, die untersucht, ob Statine zur Primärprävention bei älteren Patienten eingesetzt werden können, um ihnen ein längeres und gesünderes Leben zu ermöglichen.“
Fast 10000 Personen bei Hausärzt:innen rekrutiert
Die Studienpatient:innen im Alter über 70 Jahre wurden über die allgemeinmedizinischen Praxen, die sie regelmäßig besuchten, rekrutiert. Absolute Indikationen für eine Statintherapie wie Diabetes oder koronare Herzerkrankung waren Ausschlussgründe. Die Behandlung erfolgte randomisiert mit Atorvastatin oder Placebo. Das Follow-up bestand aus jährlichen Visiten und halbjährlichen Telefonanrufen. Insgesamt nahmen 9971 Teilnehmer (1:1) randomisiert entweder täglich 40mg Atorvastatin oder Placebo ein. Das Durchschnittsalter der Studienpopulation betrug 74,7 Jahre, 52% waren Frauen. Die beiden primären Endpunkte waren schwere kardiovaskuläre Ereignisse (definiert als kardiovaskulärer Tod, nichttödlicher Herzinfarkt, Schlaganfall oder koronare Revaskularisation) und das behinderungsfreie Überleben (definiert als Überleben ohne Demenz und körperliche Behinderung). Das LDL-Cholesterin wurde in der Statin-Gruppe von 126,2mg/dl auf 79,3mg/dl und in der Placebo-Gruppe von 127mg/dl auf 111,4mg/dl gesenkt, was einer Differenz von 31,4mg/dl zwischen den Gruppen entspricht.
Über eine mittlere Nachbeobachtungszeit von 5,9 Jahren zeigte sich, dass das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse in der Atorvastatin-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe um 30% reduziert war (6,0% vs. 8,3%; Hazard_Ratio [HR]: 0,70; 95%-Konfidenzintervall [KI]: 0,61–0,82; p<0,001). Dieses Ergebnis war sowohl in der Altersgruppe 70 bis 74 als auch 75+ signifikant und vergleichbar sowie unabhängig vom Ausgangs-LDL-C.
Keine Wirkung auf Mortalität oder Demenzrisiko
Das Risiko für den sekundären Endpunkt (Tod, Demenz, anhaltende körperliche Behinderung) unterschied sich jedoch nicht signifikant zwischen den Gruppen (12,8% vs. 13,6%; HR: 0,94; 95%-KI: 0,84–1,05; p=0,25). Dieses Ergebnis war konsistent, zumal für keine der Komponenten dieses Endpunkts ein Vorteil für Atorvastatin gezeigt werden konnte. Muskel-, Leber- und diabetesbezogene Nebenwirkungen traten in der Atorvastatin-Gruppe häufiger auf; alle schwerwiegenden Nebenwirkungen waren jedoch selten und betrafen 2,7% der Teilnehmer sowohl in der Atorvastatin- als auch in der Placebo-Gruppe.
Zoungas. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse beim nächsten Update in die Guidelines einfließen, damit sie im klinischen Alltag Einfluss auf die Verschreibungspraxis nehmen können. Nicht zuletzt zeigen unsere Daten, dass Atorvastatin auch in der Population jenseits von 75 Jahren sicher ist.“ STAREE wurde gleichzeitig mit der Präsentation im New England Journal of Medicine veröffentlicht.1
In der Diskussion der Studie betonte Prof. Dr. François Mach vom Universitätsspital Genf, dass STAREE eine relevante Evidenzlücke schließt und für die Statintherapie in der Primärprävention bei gesunden älteren Menschen eine „number needed to treat“ von 43 ergab. Dabei handle es sich wohlgemerkt um eine „Intention to treat“-Analyse und es wäre spannend, eine „Per protocol“-Analyse zu sehen. Man könne aus den Daten schließen, so Mach, dass ein Alter jenseits der 70 keinen Grund darstellt, Patient:innen in der Primärprävention ein Statin vorzuenthalten. Man könne aber auch nicht den Schluss ableiten, dass alle Menschen über 70 ein Statin einnehmen sollen. Diese Entscheidung müsse anhand individueller Faktoren wie Lebenserwartung, Belastung durch Therapien, Polypharmazie und Prioritäten der Patient:innen getroffen werden.
Quelle:
ESC Kongress 2026, Hotline 2, 29. August 2026, München
Literatur:
1 Zoungas S et al.: Atorvastatin, cardiovascular events and disability-free surival in older adults. New Engl J Med 2026; online ahead of print.Doi: 10.1056/NEJMoa2607314
Das könnte Sie auch interessieren:
ESC gibt umfassende Empfehlung für den Sport
Seit wenigen Tagen ist die erste Leitlinie der ESC zu den Themen Sportkardiologie und Training für Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen verfügbar. Sie empfiehlt Training für ...
ESC-Guideline zur Behandlung von Herzvitien bei Erwachsenen
Kinder, die mit kongenitalen Herzvitien geboren werden, erreichen mittlerweile zu mehr 90% das Erwachsenenalter. Mit dem Update ihrer Leitlinie zum Management kongenitaler Vitien bei ...
Inclisiran bei Patienten mit Statinintoleranz wirksam und sicher
Eine Analyse statinintoleranter Patienten aus dem Phase III Studienprogramm ORION zeigt, dass Inclisiran die LDL-Cholesterinspiegel kardiovaskulärer Hochrisikopatienten, die kein Statin ...