© Juliet Percival

Adagio ma non troppo: Rhythmusstörungen sind der falsche Takt

Kardiologie & Gefässmedizin | Allgemeine Innere Medizin
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Der Herzrhythmus ist eng verbunden mit Musik und Zeitmessung. Gerät er einmal aus dem Takt, ist die Verunsicherung gross. Ein fundiertes Hintergrundwissen hilft, gefährliche von ungefährlichen Rhythmusstörungen zu unterscheiden.

Der Puls als Symbol für die Lebenskraft ist einer der ursprünglichsten Taktgeber des Menschen. Deshalb entspricht der Puls auch z.B. dem Takt in der Musik in seiner gesamten Bandbreite. Ein «Largo» zählt 30–40 Schläge pro Minute, was einem niedrigen Puls während der Nacht oder dem Puls eines gut trainierten Sportlers in Ruhe entspricht. Der übliche Durchschnittspuls von 60 Herzschlägen pro Minute entspricht etwa der Schrittfrequenz eines Erwachsenen (60 Schritte pro Minute) und wird in der Musik «Andante» genannt. Ein «Allegro vivace« oder «Presto» geht bis 180 oder 200 Schläge pro Minute und entspricht dem Puls bei maximaler Anstrengung und bei grosser sportlicher Belastung. Auch bei den Tieren entspricht der Durchschnittspuls etwa einer Schrittlänge. Jeder Herzschlag wird elektrisch im Sinusknoten gebildet und verteilt sich über das gesamte Herz, dies ca. 60–80 Mal pro Minute, 37 Mio. Mal im Jahr und 4 Milliarden Mal im Leben von 80 Jahren. Der Impuls wird gebildet, indem die Zellen des Sinusknotens das Ruhepotenzial nicht mehr aufrechterhalten und sich die elektrische Energie entlädt (Depolarisation). Der Ruhezustand ist also elektrisch geladen, die Aktivierung ist ein elektrisch passiver Vorgang. So erklärt sich, dass irgendwann immer eine Zelle den Impuls bildet. Ähnlich wie bei jedem elektrischen System kann der Strom auch beim Reizleitungssystem des Herzens einen abnormen Weg einschlagen und Rhythmusstörungen bilden. Meist handelt es sich dabei um zusätzliche elektrische Verbindungen, die den Impuls kurzschliessen können («reentry»), sodass es zu einem schnellen Puls kommt (100–250/min). Die meisten Patienten verspüren dies als Herzrasen, Herzklopfen, Schwäche, Schwindel bis zur Bewusstlosigkeit (Synkope) oder Atemnot. Gelegentlich merken Patienten aber auch nichts davon, und das Herz wird durch die tage- und wochenlang andauernde Rhythmusstörung so schwach, dass die Betroffenen mit einer sehr ausgeprägten Herzschwäche (Herzinsuffizienz durch Rhythmusstörung) den Arzt aufsuchen. Notabene treten solche Rhythmusstörungen auch beim sonst gesunden Herzen auf, bei jungen Patienten und sogar bei Kindern und Neugeborenen. Gerade bei z.B. jungen Frauen können sie als Panikattacken verkannt werden und erst wenn jemand bei der panischen Frau ein EKG schreibt, kann die Ursache des Problems erkannt werden.

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