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Langzeitdaten zur Therapie von Hämophilie-A-Patienten
Jatros
30
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21.09.2017
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<p class="article-intro">Die kurzfristigen Therapieerfolge wurden bei Patienten mit Hämophilie A intensiv studiert. Langfristige Wirkungen und Nebenwirkungen von episodischen und prophylaktischen Therapien sind weniger gut untersucht vor allem bezüglich des Effekts der dauerhaften Anwendung von Strategien zur Blutungskontrolle auf die Lebensqualität, Funktionalität, Produktivität und die ökonomische Last.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>In einer systematischen Literaturrecherche untersuchten Jamie O’Hara, Chester/Großbritannien, und Kollegen den Einfluss der episodischen und prophylaktischen Blutungskontrolle auf langfristige klinische und ökonomische Parameter bei Patienten mit Hämophilie A (ISTH-Abstr. #PB1789).<br /> Die jährlichen Blutungs- und Hämarthroseraten waren konsistent niedriger mit prophylaktischen Regimen verglichen mit On-demand-Regimen (Abb. 1). Die gesundheitsbezogene Lebensqualität war allgemein besser bei Patienten, die eine Prophylaxe erhielten, verglichen mit On-demand-Patienten. In drei Studien mit Erwachsenen und Kindern wurde unter Prophylaxe eine verbesserte Blutungskontrolle und bessere Lebensqualität beschrieben, eine pädiatrische Studie fand keinen signifikanten Unterschied. Funktionelle Therapieerfolge wurden in zwei Studien aufgegriffen: Die von Patienten berichteten Limitationen der körperlichen Aktivitäten waren vergleichbar oder geringer bei Patienten, die die Therapie abbrachen, im Vergleich zu jenen, die die Therapie unterbrachen oder eine kontinuierliche Prophylaxe durchführten. Die mediane Dauer der Prophylaxe betrug 3,4 Jahre bei Patienten, die die Therapie abbrachen, und 14,8 Jahre in der Gruppe mit kontinuierlicher Therapie. Die objektive Messung der Erkrankung zeigte schlechtere Ergebnisse für Patienten, die die Therapie aboder unterbrachen, im Vergleich mit denen, die die Prophylaxe kontinuierlich durchführten. Im FISH-Score, einem Messwerkzeug für die funktionale Unabhängigkeit, wurde über 5 Jahre eine signifikant höhere Unabhängigkeit unter Prophylaxe versus On-demand- Behandlung gesehen (p<0,0001). Patienten unter Prophylaxe fehlten seltener in der Schule oder bei der Arbeit. Der FVIIIVerbrauch pro Infusion war vergleichbar bei Prophylaxe und On-demand-Behandlung, obwohl der jährliche FVIII-Verbrauch unter der prophylaktischen Therapie erwartungsgemäß höher war.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Onko_1705_Weblinks_s8_abb1.jpg" alt="" width="1516" height="1150" /></p> <div id="fazit"> <h2>Fazit</h2> In einer systemischen Literaturrecherche wurden bei Patienten mit Hämophilie A mehr langfristige klinische und lebensqualitätsbezogene Erfolge mit der Prophylaxe als mit On-demand-Therapie erreicht. Die Prophylaxe gewährte den Patienten – Kindern und Erwachsenen – auf langfristige Sicht mehr Blutungs- und Gelenkblutungskontrolle, eine bessere gesundheitsbezogene Lebensqualität und höhere Produktivität. Der Therapieerfolg bleibt aber auch mit Prophylaxe suboptimal, sodass weiterhin nach besseren Therapieoptionen gesucht werden muss. Die Ergebnisse der Studie bestätigen, dass die Blutungsraten und die Krankheitslast im Alltag der Patienten möglicherweise höher sind, als in klinischen randomisierten Studien beobachtet wird.</div> <p><span class="link-color"><a class="article-link" href="../fachthemen/8791" data-locked="0">zurück zum Themenschwerpunkt zum ISTH 2017 Congress</a></span></p></p>
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