© uladzimirzuyeu - stock.adobe.com

Vulvovaginale Atrophie

Aktuelle und neue Therapiekonzepte

Die Therapie von Frauen mit vulvovaginaler Atrophie kann eine Herausforderung sein. Über viele Jahre war die lokale Hormonbehandlung das zentrale Konzept der Behandlung. In dieser Hinsicht wächst seitens der betroffenen Patientinnen die Zurückhaltung. Es wurden neue, hormonfreie Konzepte zur Behandlung von Frauen mit vulvovaginaler Atrophie entwickelt. Von besonderem Interesse sind dabei die Lasertherapie sowie die lokale Behandlung mit Hyaluronsäure.

Die vulvovaginale Atrophie (VVA) ist eine chronische und fortschreitende Veränderung im Intimbereich, die das Intimleben belasten und die Lebensqualität deutlich einschränken kann. Dies gilt insbesondere für sexuell aktive Frauen mit VVA.1,2 Bei postmenopausalen Frauen ist vaginale Trockenheit das häufigste Symptom der VVA. Bei postmenopausalen Frauen mit Partner und sexueller Aktivität kann dadurch die Lust auf Sex reduziert sein. Zusätzlich können Belastungen der Partnerschaft auftreten.3 Im Jahr 2014 wurde die Bezeichnung «genitourinary syndrome of menopause» (GSM) eingeführt, um die verschiedenen Symptome, einschliesslich der VVA, zu erfassen. VVA ist nach Änderung der Terminologie Teil des neu geschaffenen Oberbegriffs GSM.4 Die VVA ist behandelbar. Hierzu sind langfristige Aktivitäten erforderlich, oft mit wiederholter Anwendung.5,6 Wiederholte Anwendungen basieren auf einer Strategie mit einer oder mehreren Massnahmen oder Medikamenten. Eine solche Strategie wird zumeist dann entwickelt, wenn Symptome der VVA auftreten, die als behandlungsbedürftig betrachtet werden.7 Die Therapie sollte individualisiert erfolgen und die Erwartungshaltung der Patientin berücksichtigen. Zudem sollten die Möglichkeiten der Umsetzung beachtet werden.8 Befeuchtungsmittel und Gleitmittel werden meist als Präparate der ersten Wahl eingesetzt, oft in eigener Regie als Selbstbehandlung oder auf ärztliche Empfehlung bzw. Verschreibung.9–11 Wenn mit Befeuchtungsmitteln und Gleitmitteln die Symptome nicht hinreichend gebessert werden können, wird zumeist eine Hormontherapie erwogen. Wenn eine Hormontherapie kontraindiziert ist oder nicht gewünscht wird, stellt sich die Frage nach anderen Therapiekonzepten. Unter den neueren Konzepten hierzu gibt es ermutigende Resultate zur Lasertherapie und zur lokalen Behandlung mit Hyaluronsäure.

Lasertherapie

Laser ist das Akronym für «light amplification by stimulated emission of radiation». Laser ist eine Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung. Laserstrahlen sind elektromagnetische Wellen. Die Lasertechnologie hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Der Einsatz von Laserstrahlen hat sich insbesondere in der Gynäkologie rasant ausgebreitet und dadurch die Behandlungsmöglichkeiten deutlich erweitert. In der Gynäkologie werden Lasergeräte unter anderem zum Schneiden, zur Destruktion von Gewebe (Vaporisation), zur Behandlung von Harninkontinenz und zur Rejuvenation von Gewebe eingesetzt.

Lasertherapie der Vagina und der Vulva

Die Wirksamkeit der Lasertherapie bei VVA ist durch zahlreiche Studien belegt. Es stehen verschiedene Technologien zur Verfügung. Am häufigsten werden CO2-Laser und Erbium:YAG-Laser eingesetzt. Die meisten wissenschaftlichen Daten zur Therapie der VVA liegen für den CO2-Laser vor. Wie in einer Real-World-Studie gezeigt wurde, können folgende Symptome durch die Lasertherapie der Vagina und der Vulva gebessert werden: Schmerzen, Pruritus, Dyspareunie, vaginales Brennen, vaginale Trockenheit und Dysurie.12 Details hierzu sind in Tabelle 1 zusammengestellt. Zur Lasertherapie bei perimenopausalen Frauen mit leichter und mittelschwerer Harninkontinenz gibt es vielversprechende Studienresultate. In dieser Situation ist die Lasertherapie bisher noch nicht als Standard etabliert.13

Tab. 1: Nach der Behandlung mit Laser zeigte sich eine Verbesserung der Hauptsymptome von VVA (modifiziert nach Kiesel M et al.)12

Hyaluronsäure

Hyaluronsäure («hyaluronic acid»; HA) ist ein Glykosaminoglykan. Sie findet sich in Epithel- und Bindegewebe. Durch die Bindung von Wasser und die hydrierenden Eigenschaften ist Hyaluronsäure eine wirksame Substanz zur Therapie bei VVA. In einer systematischen Übersichtsarbeit wurde die lokale Therapie mit Hyaluronsäure in der Vagina und der Vulva beschrieben. Es sind verschiedene Applikationsformen möglich: Vaginalgel, Vaginalovula, flüssige Präparationen zum Auftragen und flüssige Präparate zur Injektion. Alle Applikationsformen zeigten eine Wirksamkeit auf die Symptome der VVA.14 Injektionen von Hyaluronsäure im Intimbereich führen zur Hydration und erzeugen eine Zunahme der Dicke der Haut der Vagina und des Introitus vaginae. Dadurch werden die Symptome der VVA positiv beeinflusst. Diese Wirkung ist durch zahlreiche Studien belegt (siehe unter anderem: Referenzen 15–17). Es gibt verschiedene Präparate zur lokalen Therapie mit Hyaluronsäure. Je nach Präparat variiert die Empfehlung betreffend die Häufigkeit der Anwendung. Durch die genannten neuen Therapien erweitert sich das Spektrum der Möglichkeiten zur Behandlung von Patientinnen mit VVA. So können Therapiekonzepte noch besser individualisiert werden und die Lebensqualität der betroffenen Frauen kann mit den zusätzlich vorhandenen Methoden verbessert werden.

Ankündigung

Engadiner Ärztefortbildung

10.–11. April 2026, Pontresina,
Kongresszentrum Rondo

Weitere Informationen:
info@sinct.ch

1 Angelou K et al.: The genitourinary syndrome of menopause: an overview of the recent data. Cureus 2020; 12(4): e7586 2 Lambrinoudaki I et al.: The LADY study: epide-miological characteristics of prevalent and new genitourinary syndrome of menopause cases in Greece. Climacteric 2024; 27(3): 289-95 3 Palacios S et al.: Vulvar and vaginal atrophy as viewed by the Spanish REVIVE participants: symptoms, management and treatment perceptions. Climacteric 2017; 20(1): 55-61 4 Portman DJ, Gass ML: Genitourinary syndrome of menopause: new terminology for vulvovaginal atrophy from the International Society for the Study of Women’s Sexual Health and the North American Menopause Society. Menopause 2014; 21(10): 1063-8 5 Palacios S: Sequential treatment in vulvovaginal atrophy. Climacteric 2023; 26(4): 292-5 6 Hirschberg AL et al.: Topical estrogens and non-hormonal preparations for postmenopausal vulvovaginal atrophy: an EMAS clinical guide. Maturitas 2021; 148: 55-61 7 Palacios S et al.: Earlier treatment of vulvovaginal atrophy in post-menopausal women may improve treatment outcomes. J Gynecol Women’s Health 2019; 16(1): 555928 8 Sánchez-Borrego R et al.: Satisfaction and medication adherence in women with vulvovaginal atrophy: the CRETA. Climacteric 2023; 26(5): 437-44 9 Sánchez-Prieto M et al.: Prospective, multicenter, uncontrolled study on the effectiveness and safety of a hyaluronic acid water-based vaginal lubricant in alleviating vaginal dryness and dyspareunia. Gynecol Endocrinol 2024; 40(1): 2317268 10 Edwards D, Panay N: Treating vulvovaginal atrophy/genitourinary syndrome of menopause: how important is vaginal lubricant and moisturizer composition? Climacteric 2016; 19(2): 151-61 11 Sánchez-Borrego R et al.: Position of the Spanish Menopause Society regarding vaginal health care in postmenopausal women. Maturitas 2014; 78(2): 146-50 12 Kiesel M et al.: Treatment of vulvovaginal atrophy with fractional CO2 Laser: evaluating real-world data. Photobiomodul Photomed Laser Surg 2021; 39(11): 716-24 13 Yim LW et al.: Vaginal Laser Treatment on Stress Urinary Incontinence: A Randomized Controlled Trial. Int Urogynecol J 2025; doi: 10.1007/s00192-025-06160-8. Online ahead of print 14 Cox P, Panay N: Non-hormonal treatments for managing vulvovaginal atrophy/genitourinary syndrome of menopause. Climacteric 2023; 26: 367-72 15 Agrawal S et al.: A randomized, pilot trial comparing vaginal hyaluronic acid to vaginal estrogen for the treatment of genitourinary syndrome of menopause. Menopause 2024; 31(9): 750-5 16 Garavaglia E et al.: First use of thermal stabilized hyaluronic Acid Injection in One-Year Follow-Up Patients with Genitourinary Syndrome. Med Devices (Auckl) 2020; 13: 399-410 17 Fidecicchi T, Gambacciani M: Hyaluronic acid and erbium laser for the treatment of genitourinary syndrome of menopause. Climacteric 2025; 28(1): 87-92

Back to top