Pioniere der modernen Urologie

Leopold Ritter von Dittel als Wegbereiter der endoskopischen Diagnostik

Wer heute ein Zystoskop in die Hand nimmt, steht in einer Tradition, die über 160 Jahre zurückreicht. Ihr Gründer ist ein Mann, dessen Name trotz seines prägenden Einflusses auf unsere Disziplin heute allzu selten ausgesprochen wird: Leopold Ritter von Dittel (1815–1898)– jüdischer Herkunft, konvertiert und anerkannt zugleich – Chef der III. Chirurgischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses Wien und wesentlicher Pionier der Urologie als eigenständiges Fach im deutschen Sprachraum (Abb. 1). In der Erinnerungskultur verblasst sein Name hinter Theodor Billroth (1829–1894) und Eduard Albert (1841–1900), die zur gleichen Zeit in Wien wirkten.

Leopold Ritter von Dittel wurde am 29. Mai 1815 im mährischen Fulnek geboren, einer Kleinstadt, die heute zur Tschechischen Republik gehört. Er entstammte einer jüdischen Familie. Sein Vater, Abraham Dittel, war Gutspächter und Destillateur, seine Mutter war Maria Anna, geborene Oppenheim (1790–1839). Den Übertritt zur römisch-katholischen Kirche vollzog Dittel im Jahre 1847, ein Schritt, der im Österreich der Vorrevolutionszeit für jüdische Akademiker mit Karriereambitionen – insbesondere im staatlichen Medizinbetrieb – praktisch unausweichlich war. 1861 heiratete er Marie Girtler (1833–1907), Tochter eines Wiener Apothekers.

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