Die Pollensaison steht in den Startlöchern!
Autoren:
Dr. Markus Berger1–3
Lukas Dirr, MSc3–5
1 HNO-Abteilung, Klinik Landstraße, Wiener Gesundheitsverbund
2 Allergiezentrum Wien West
3 Österreichischer Polleninformationsdienst
4 Institut für Botanik, Universität Innsbruck
5 Abteilung für Strukturelle und Funktionelle Botanik, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien
E-Mail: markus.berger@pollenresearch.com
Auch wenn sich der Blick aus dem Fenster derzeit in weiten Teilen Österreichs noch winterlich grau präsentiert, steht der Beginn der Pollensaison 2026 bereits kurz bevor. Insbesondere an thermisch begünstigten Standorten können Haselarten wie Baumhasel und Strauchhasel sowie erste Erlen bereits mit der Pollenfreisetzung beginnen.
Der im Vergleich zu den Vorjahren deutlich strengere Winter mit teils anhaltender Schneelage bis in die Niederungen Ostösterreichs1 hat die Blühentwicklung merklich beeinflusst.
Purpurerle und heimische Erlenarten
Besonders betroffen war die Purpurerle, die üblicherweise bereits um die Weihnachtszeit für relevante allergische Belastungen sorgt.2–4 Zwar erreichten viele dieser Hybriden in Parks und anderen künstlich angelegten Grünräumen Ostösterreichs wie gewohnt bereits um Weihnachten die Blühbereitschaft, durch Kälteperioden und Schneefall wurde die tatsächliche Pollenfreisetzung jedoch stark eingeschränkt. Sensibilisierte Patient:innen reagierten daher überwiegend nur in unmittelbarer Nähe der Pflanzen. In thermisch weniger begünstigten Regionen verzögerte sich die Entwicklung der Purpurerle nochmals deutlich, sodass die Pollenfreisetzung teils erst Ende Jänner einsetzte.
Auch die Entwicklung der heimischen Erlenarten wie Schwarz- und Grauerle sowie der Hasel wurde durch die Witterung gebremst. Einzelne Pflanzen an klimatisch bevorzugten Standorten, etwa an Sonnenhängen, in Föhnregionen oder in windgeschützten Innenhöfen, haben bereits die Blühbereitschaft erreicht. Eine relevante Pollenfreisetzung ist jedoch erst an trockenen Tagen mit Tageshöchsttemperaturen über etwa fünf Grad Celsius zu erwarten. Modellberechnungen zufolge ist mit einem flächendeckenden Erreichen der Blühbereitschaft von Hasel und Erle ab Mitte Februar zu rechnen, wobei die Hasel erfahrungsgemäß früher zu klinisch relevanten Pollenkonzentrationen beiträgt als die Erle.
Kreuzreaktionen bei Birkenpollenallergiker:innen
Da Hasel und Erle zur Familie der Birkengewächse zählen, können bei Birken-pollenallergiker:innen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt allergische Symptome auftreten. Verantwortlich sind Kreuzreaktionen aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit der Allergene Cor a1 von der Hasel und Aln g1 von der Erle mit dem Hauptallergen der Birke Bet v1.5 Entsprechende Kreuzreaktionen sind zudem aus dem Bereich der Nahrungsmittelallergien bekannt, unter anderem bei Hasel- und Walnüssen sowie bei Äpfeln und weiteren Kern- und Steinobstarten.
Detaillierte Informationen zum Pollenflug per App und Website
Für detailliertere Informationen zum Pollenflug in Österreich stehen die kostenlosen Services des österreichischen Polleninformationsdienstes zur Verfügung: entweder über polleninformation.at oder die Pollen+-App (verfügbar für Android und iOS)6.
Literatur:
1 GeoSphere Austria: Im Tiefland Österreichs kältester Jänner seit neun Jahren. https://www.geosphere.at/de/aktuelles/news/im-tiefland-oesterreichs-kaeltester-jaenner-seit-neun-jahren ; zuletzt aufgerufen am 3.2.2026 2 Gehrig R et al.: Alnus × spaethii pollen can cause allergies already at Christmas. Aerobiologia 2015; 31: 239-47 3 Gassner M et al.: Alder pollen of Alnus spaethii at christmas: from epidemiology of molecular allergens to the political solution. Clin Transl Allergy 2024; 4: 36 4 Bastl Ket al.: Unusually early flowering of alder in Vienna: first report of Alnus × spaethii in Austria, combined LM and SEM study of alder species and impact on pollen allergy sufferers. Aerobiologia 2015; 31: 515-24 5 Valenta R et al.: Homology of the major birch-pollen allergen, Bet v I, with the major pollen allergens of alder, hazel, and hornbeam at the nucleic acid level as determined by cross-hybridization. Journal of Allergy and Clinical Immunology 191; 87: 677-82 6 Berger M et al.: Digital health for patients with pollen allergy: the pollen app experience and beyond. In: Digital Allergology 2025; Cham: Springer Nature Switzerland AG, 2025; p49-61
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