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Die Bedeutung personalisierter Polleninformation

Gesamtpollenmenge ≠ Symptomlast

Unter Berücksichtigung dokumentierter Beschwerden und anderer Faktoren wie der Luftqualität können mittlerweile personalisierte Symptomvorhersagen für Pollenallergiker:innen getroffen werden.Eine wichtige Basis dafür ist die Dokumentation der Beschwerden in einem digitalen Symptomtagebuch.

Keypoints

  • Neben klassischen Pollenmessungen dienen mathematische Modelle und phänologische Rundgänge zur Berechnung der regionalen Pollenbelastung.

  • Die Stärke der Beschwerden bei Allergiker:innen hängt weniger von der reinen Pollenmenge als von der tatsächlichen Allergenkonzentration in der Umgebungsluft ab.

  • In der Pollen+ App können mittels individueller Daten personalisierte Belastungsvorhersagen erstellt werden.

Anfang des Jahres herrschten in weiten Teilen Österreichs winterliche Bedingungen mit Schnee, ungewöhnlich niedrigen Temperaturen und insbesondere in Niederungen und Tallagen anhaltender Kälte.1 Davon ließen sich die hierzulande vorkommenden Frühblüher jedoch nicht abhalten: Hasel und Erle begannen dennoch etwas verzögert mit der Pollenfreisetzung. Dass deren Blüte in Österreich üblicherweise zwischen Jänner und Februar einsetzt, ist aufgrund langjähriger Pollenmessungen, die teils bis in die 1970er-Jahre zurückreichen, gut dokumentiert. Für eine präzise Vorhersage des tatsächlichen Blühbeginns reicht der alleinige Blick auf historische Daten jedoch nicht aus.

Blühbereitschaftsdaten

Um Allergiker:innen möglichst verlässlich über zu erwartende Belastungen in ihrem unmittelbaren Umfeld zu informieren, greift der Österreichische Polleninformationsdienst ( polleninformation.at ) nicht nur auf klassische Pollenmessungen zurück, die in der Datenbank des European Aeroallergen Network (EAN) gesammelt werden.2 Ergänzend kommen mathematische Modelle zum Einsatz, die auf Basis meteorologischer Parameter ein sogenanntes Blühbereitschaftsdatum berechnen. Dieses wurde zum Beispiel bei Hasel und Erle für die 2. Februarwoche ermittelt und kann im weiteren Verlauf auch für die Birken- und Gräsersaison berechnet werden. Ab diesem Datum war, bei geeigneten Witterungsbedingungen wie sonnigem und trockenem Wetter, mit einer Pollenfreisetzung zu rechnen. Voraussetzung für die Berechnung ist die Verfügbarkeit automatisiert erhobener Wetterdaten, die in die Modelle eingespeist werden.

Zur weiteren Präzisierung der regionalen Situation führt der Österreichische Polleninformationsdienst zusätzlich phänologische Rundgänge zu definierten Referenzpflanzen durch, um den Entwicklungsstand der Vegetation vor Ort beurteilen zu können.3 Dabei wird neben dem phänologischen Stadium auch der Besatz an Blütenständen erhoben. Dessen Ausprägung und Zustand liefern wichtige Hinweise darauf, ob in der bevorstehenden Saison mit einer hohen oder niedrigen Gesamtpollenmenge zu rechnen ist.

„Mastjahr“ bei Birken

Zahlreiche Studien belegen, dass viele Pflanzenarten einem zweijährigen Rhythmus folgen, bei dem auf ein Jahr mit geringer Gesamtpollenmenge ein sogenanntes Mastjahr mit deutlich erhöhter Pollenproduktion folgt. In Österreich ist dieses Phänomen besonders gut bei der Birke zu beobachten (Abb. 1), deren Blüte in der Regel zwischen Anfang und Mitte April die höchsten Pollenkonzentrationen in der Luft verursacht. Dieser Rhythmus wird auf eine Konkurrenz zwischen vegetativen Organen (Laubblätter) und generativen Organen (männliche Kätzchen, weibliche Samenanlagen) zurückgeführt.4–7

Abb. 1: Gesamtmenge der Birkenpollen in Graz im Zeitraum 2015 bis 2025 – der zweijährige Rhythmus ist deutlich zu sehen

In Jahren mit geringer Gesamtpollenmenge fungieren die Laubblätter verstärkt als Senke für Assimilate und Wachstumsstoffe, wodurch die Entwicklung männlicher Blütenstände gehemmt wird.8 Umgekehrt kann die starke Samenproduktion in einem Mastjahr die Pollenbildung im Folgejahr negativ beeinflussen.6,9

Faktoren für die individuelle Symptomintensität

Unabhängig von der prognostizierten oder gemessenen Gesamtpollenmenge lässt sich jedoch nicht zuverlässig vorhersagen, wie stark die individuelle Belastung während einer Pollensaison ausfallen wird. Weder Modelle noch Pollenzählungen erlauben eine direkte Aussage über die zu erwartende Symptomintensität. Eine hohe Pollenkonzentration in der Umgebungsluft geht nicht zwangsläufig mit ausgeprägten Beschwerden einher, ebenso wenig bedeutet eine niedrige Pollenkonzentration automatisch eine geringe Symptomlast.10 Dadurch kann die präzise Allergiediagnostik erschwert werden. Für eine korrekte Diagnose müssen die im Haut- oder Bluttest festgestellten Sensibilisierungen mit dem passenden Symptomzeitraum korrelieren. Grundsätzlich gilt: Sind Pollen in der Luft vorhanden, können sensibilisierte Personen Symptome entwickeln. Die Stärke der Beschwerden hängt jedoch weniger von der reinen Pollenmenge als vielmehr von der tatsächlichen Allergenkonzentration in der Umgebungsluft ab.11 Auch andere Faktoren können die Symptomstärke beeinflussen. Vor allem Luftschadstoffe, wie Ozon, können die Allergenität von Pollen durch Interaktionen mit den auf der Oberfläche befindenden Allergenen erhöhen.12 Zusätzlich entstehen Entzündungsprozesse in den Atemwegen. Die Kombination dieser Prozesse führt zu verstärkten Beschwerden bei Betroffenen.13

Dokumentation mittels Symptomtagebuch und Pollen+ App

Aussagen wie „Es wird eine Saison mit hoher Gesamtpollenmenge erwartet“ stellen daher lediglich ein grobes Orientierungsmerkmal dar. Die individuell empfundene Symptomlast bleibt hochgradig personenbezogen.14 Durch das Führen eines Symptomtagebuchs, etwa über das in die Pollen+ App15 integrierte Pollentagebuch ( pollentagebuch.at )16, können Allergiker:innen ihre Beschwerden systematisch dokumentieren. Diese Daten ermöglichen es, in der Pollen+ App personalisierte Belastungsvorhersagen zu erstellen und damit eine individuellere Unterstützung im Beschwerdemanagement zu bieten.17 Zusätzlich ermöglichen die anonymisierten Symptomdaten eine verbesserte Symptomvorhersage in Österreich. Der Polleninformationsdienst verwendet aktuelle Luftqualitätsdaten, Pollendaten und die aktuellen Beschwerden der Benutzer:innen, um eine noch akkuraterer Vorhersage zu erstellen. Die „Belastungslandkarte“ ( polleninformation.at ) zeigt zudem, wie hoch aktuell die angegebene Symptomlast in Österreich ist.

Fazit

Eine flächendeckende Pollenmessung, mathematische Modelle und phänologische Beobachtungen durch spezialisierte Biologen ermöglichen eine akkurate Pollenvorhersage. Auf dieser Basis kann allerdings keine Symptomvorhersage für Allergiker:innen getätigt werden. Die große Individualität der Symptomstärke erschwert dieses Unterfangen massiv. Unter Berücksichtigung dokumentierter Beschwerden und anderer Faktoren, wie Luftqualität, können mittlerweile personalisierte Symptomvorhersagen getroffen werden, wobei stetig an der Verbesserung dieser Modelle gearbeitet wird. Basis hierfür ist das Dokumentieren der Beschwerden in einem digitalen Symptomtagebuch. Dies verbessert nicht nur die Vorhersage, sondern kann auch die korrekte Diagnostik für Allergologen deutlich erleichtern.

1 GeoSphere Austria: www.geosphere.at/de/aktuelles/news/im-tiefland-oesterreichs-kaeltester-jaenner-seit-neun-jahren ; zuletzt aufgerufen am 10.2.2026 2 Dirr L et al.: Allergo J Int 2025; doi: 10.1007/s40629-025-00357-5 3 Bastl K et al.: Allergo J Int 2024; 33: 20-3 4 Spieksma FThM et al.: Grana 1995; 34: 51-7 5 Corden J et al.: Aerobiologia 2000; 16: 227-32 6 Latałowa Met al.: Aerobiologia 2002; 18: 33-43 7 Stach A et al.: Environ Exp Bot 2008; 62: 323-32 8 Dahl Å, Strandhede SO: Aerobiologia 1996; 12: 97-106 9 Ranta H et al.: Int J Biometeorol 2005; 49: 146-51 10 Bastl K et al.: Aerobiologia 2014; 30: 269-80 11 Bastl K et al.: Sci Total Environ 2016; 548-49: 229-35 12 Beck I et al.: PLoS One 2023; doi: 10.1371/journal.pone.0080147 13 Berger M et al.: Environ Pollut 2020; 263: 114526 14 Bastl M et al.: World Allergy Organ J 2021; 14: 100518 15 Berger M et al.: In: Digital Allergology. Cham: Springer 2025; 49-61 16 Karatzas K et al.: Aerobiologia 2024; 30: 1-11 17 Kmenta M et al.: Int J Biometeorol 2014; 58: 1721-26

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