Moderne Faceliftchirurgie
Autor:
Univ.-Doz. Dr. Rafic Kuzbari
Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie
Kuzbari Zentrum für Ästhetische Medizin, Wien
E-Mail: office@kuzbari.at
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Das Facelift, eine klassische Operation der plastischen Chirurgie, erfährt in den letzten Jahren ein Revival. Die gestiegene Nachfrage der Patienten ist einerseits auf bessere Ergebnisse infolge operativer Weiterentwicklungen, andererseits auf die sogenannte „Fillermüdigkeit“ zurückzuführen.
Keypoints
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Die Fortschritte der modernen Faceliftchirurgie basieren auf einem vertieften Verständnis der ligamentären und faszialen Anatomie des Gesichts.
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Eine natürliche Verjüngung der Wange erfordert die ausgedehnte Mobilisation und Reposition des abgesunkenen Wangenfettgewebes in seine ursprüngliche anatomische Position.
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Moderne SMAS-basierte Facelifttechniken benötigen eine umfassendere Dissektion, erzielen jedoch natürliche, lang anhaltende Ergebnisse ohne die klassischen Stigmata früherer Verfahren.
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Alle altersbedingten Veränderungen von Gesicht und Hals müssen genau analysiert und im Behandlungsplan berücksichtigt werden, um ein harmonisches Gesamtergebnis zu gewährleisten.
Viele unnatürlich wirkende Gesichter, die im Alltag auffallen, sind das Resultat übermäßiger Unterspritzungen mit synthetischen Füllmaterialien, häufig im fehlgeleiteten Versuch, das Gesicht auf diese Weise zu straffen. Gleichzeitig wird zunehmend erkannt, dass die klassischen Stigmata früherer Faceliftverfahren – maskenhafte Gesichtszüge, ein überstrafftes Erscheinungsbild, verschobene Haarlinien, deformierte Ohrmuscheln und breite Narben – mit modernen Operationstechniken vermeidbar sind. Moderne Faceliftverfahren ermöglichen eine natürliche und harmonische Gesichtsverjüngung. Dies basiert auf einem vertieften Verständnis der anatomischen Strukturen und ihrer altersbedingten Veränderungen sowie der Fähigkeit, erschlafftes Gewebe in seine ursprüngliche Position zu repositionieren.
Die anatomische Grundlage moderner Facelifttechniken
Die Weichteile des Gesichts und des Halses sind durch feste Bindegewebsstrukturen, die „retaining ligaments“1, in ihrer Position fixiert (Abb.1). Die anatomische Topografie dieser bindegewebigen Verankerungen und der dazwischenliegenden Gleitschichten wurde in den vergangenen Jahren detailliert beschrieben.2 Dies trug wesentlich zum Verständnis der Alterungsvorgänge bei und bildete die Grundlage für moderne Faceliftmethoden, die eine effektive Mobilisation und Reposition des abgesunkenen Wangenfettgewebes ermöglichen.
Abb. 1: Das kaudal verlagerte Wangenfettgewebe bedingt typische zentrofaziale Alterungszeichen wie Hängebäckchen, betonte Mentolabial- und Nasolabialfalten, eine Abflachung der Malarregion sowie einen ausgehöhlten Unterlid-Wangen-Übergang. Die kutanen „retaining ligaments“ sind mit * markiert. Die SMAS-Inzisionslinie des „deep plane facelift“ ist grün, jene des „high SMAS facelift“ blau dargestellt
Auch das SMAS („superficial musculoaponeurotic system“)3, jene bindegewebige Struktur, die beim Facelift präpariert und gestrafft wird, wurde anatomisch präziser beschrieben. Das SMAS ist keine Aponeurose, sondern besteht aus Retinacula cutis superficialis, die die Haut mit der tiefen Faszie verbinden und die mimische Muskulatur umhüllen.4 Daraus folgt, dass die mechanische Stabilität eines präparierten SMAS weniger intrinsisch ist, sondern wesentlich durch die Verbindung zur Haut bestimmt wird. Dies begründet die mechanische Überlegenheit eines Composite-Lappens aus Haut und SMAS gegenüber einem isolierten SMAS-Lappen.
Mechanismen der Gesichtsalterung
Die Gesichtsalterung betrifft vor allem die nicht ligamentär fixierten Weichteile, die im Laufe der Jahre nach kaudal absinken.5 Das Absinken des Wangenfettgewebes führt zu den typischen zentrofazialen Alterungszeichen wie Hängebäckchen, ausgeprägten Mentolabial- und Nasolabialfalten, einer Abflachung der Malarregion und einem ausgehöhlten Unterlid-Wangen-Übergang (Abb.1). Neben dieser gravitationsbedingten Komponente spielt die Atrophie des Fettgewebes und der Knochenstrukturen eine wesentliche Rolle.6,7
Daher ist die simultane Fetttransplantation ein integraler Bestandteil eines modernen Face- und Halslifts, um den altersbedingten Volumenverlust auszugleichen.
Übersicht über die Facelifttechniken
Seit der Erstbeschreibung des Facelifts im Jahr 19018 ist die Operationstechnik kontinuierlich weiterentwickelt worden. Viele der zahllosen beschriebenen Modifikationen unterscheiden sich jedoch nur geringfügig. Zudem tragen zahlreiche, teils marketingorientierte Bezeichnungen zur Verwirrung bei. Grundsätzlich lassen sich Facelifttechniken in drei Hauptgruppen unterteilen:
Kutanes Lifting
Diese Operation, bei der lediglich die Haut gestrafft wird, ist technisch einfach und wird bis heute vereinzelt von weniger erfahrenen Operateuren angewandt. Der Zug auf die Haut führt jedoch zu einer Abflachung des darunterliegenden Wangenfettes und kann ein maskenhaftes Aussehen erzeugen. Die Ergebnisse sind kurzlebig, da die Haut die Spannung nicht langfristig halten kann. Kutane Liftings werden daher von erfahrenen plastischen Chirurgen kaum mehr eingesetzt.
SMAS-Plikation
Einige etablierte Techniken, wie das MACS-Lift9 und das S-Lift10, basieren auf der SMAS-Plikation. Sie erfordert keine tiefe Dissektion, sondern lediglich eine Freilegung und Raffnaht des SMAS. Die Methode ermöglicht eine zuverlässige Straffung der unteren Wangenregion, kann jedoch das abgesunkene Gewebe der Malarregion weniger gut repositionieren. Die Ergebnisse sind tendenziell weniger dauerhaft als jene eines SMAS-Lappen-Liftings.11 Bei Patienten, die sich bereits Behandlungen mit Hochfrequenzgeräten oder sog. Biostimulatoren (Calciumhydroxylapatit oder Poly-L-Milchsäure) unterzogen haben, ist die SMAS-Plikation aufgrund der bestehenden Gewebefibrosierung weniger wirksam.
SMAS-Lappen
Beim SMAS-Lappen wird das SMAS inzidiert und lappenförmig präpariert. Die Retaining Ligaments werden gelöst, um das Wangenfettgewebe zu mobilisieren und in seine ursprüngliche anatomische Position zu repositionieren. Zu den bekanntesten Varianten zählen das „extended SMAS facelift“12, das „high SMAS facelift“13 und das „deep plane facelift“14. Entscheidend für das Ergebnis ist weniger die Wahl der SMAS-Inzisionsstelle (Abb.1) als das Ausmaß der medialen Präparation. Eine ausreichende Mobilisierung erfordert die Dissektion medial der Retaining Ligaments und die Lösung der bindegewebigen Verankerungen entlang der Mm. zygomatici. Anschließend erfolgt die Fixation des mobilisierten SMAS ohne wesentliche Spannung entlang eines individuell definierten Vektors.
SMAS-Lappentechniken gehören zu den effizientesten Verfahren zur Repositionierung der erschlafften Weichteile der Wange und ermöglichen natürliche, lang anhaltende Ergebnisse. Trotz der größeren Invasivität besteht bei erfahrenen Operateuren keine erhöhte Rate neurologischer Komplikationen.15,16 Wie bei allen modernen Faceliftverfahren wird die Haut spannungsfrei verschlossen, wodurch eine unauffällige Narbenheilung begünstigt wird.
Das „deep plane facelift“14,16 ist eine SMAS-Lappentechnik, auf die aufgrund ihrer zunehmenden Bedeutung innerhalb der modernen Faceliftverfahren gesondert eingegangen wird. Charakteristisch ist der mediale Beginn der SMAS-Präparation entlang einer orientierenden Linie zwischen dem lateralen Kanthus und dem Kieferwinkel (Abb.1). Medial dieser Linie werden SMAS, Haut und das Wangenfett gemeinsam als Composite-Lappen mobilisiert. Dies schont die Durchblutung des Lappens und bietet biomechanische Vorteile, da die Fixation stabiler ist und näher am Wirkort erfolgt.14,16
Ergänzende Verfahren
Vor der Durchführung eines Faceliftings müssen alle Altersveränderungen des Gesichtes und des Halses analysiert und gegebenenfalls korrigiert werden, um ein stimmiges Gesamtbild zu gewährleisten (Abb. 2A–D).
Abb. 2: (A, C) Vor, (B, D) nach „deep plane facelifting“, offenem Halslifting, Fetttransplantation ins Gesicht, Oberlidblepharoplastik, Unterlidblepharoplastik und Kinnaugmentation
Halslifting
Da die Weichteilerschlaffung des Gesichtes meist auch die Halsweichteile betrifft, wird im Rahmen moderner Facelifts routinemäßig zumindest eine laterale Straffung der Haut und des Platysmas des Halses durchgeführt. Bei ausgeprägten Altersveränderungen ist ein offenes Halslifting über einen submentalen Zugang erforderlich, bei dem das Platysma medial gestrafft und je nach Befund Subplatysma-Fett, prominente oder ptotische Anteile der Glandulae submandibulares sowie prominente Vorderbäuche der Mm. digastrici korrigiert werden. Ein modernes Halslifting zielt auf eine optimale Kontur von Hals und Kinnlinie ab und umfasst daher auch die Formung der tiefen Halsstrukturen.
Fetttransplantation
Um die volumetrische Komponente beim Facelift zu berücksichtigen, ist eine individuell angepasste Fetttransplantation bei den meisten Patienten indiziert, da sie die altersbedingte Gewebeatrophie ausgleicht.
Korrektur der Brauenptose
Die Korrektur einer Brauenptose und des erschlafften temporalen Weichgewebes wird häufig im Rahmen des Facelifts durchgeführt. Bei präziser Ausführung werden die Augenbrauen in ihre jugendliche Position zurückversetzt, ohne eine unerwünschte Typveränderung zu verursachen.
Blepharoplastik
Eine ausgeprägte Erschlaffung des Gewebes der Ober- und/oder Unterlider muss simultan oder in einem separaten Eingriff korrigiert werden, um ein unausgewogenes Erscheinungsbild im Verhältnis zum verjüngten Gesicht zu vermeiden.
Ohrläppchenverkleinerung
Eine Ohrläppchenverkleinerung kann bei elongierten Ohrläppchen indiziert sein, um die Proportionen des äußeren Ohres an das verjüngte Gesicht anzupassen.
Lippenlifting
Gelegentlich ist ein Lifting der Oberlippe oder der Mundwinkel sinnvoll, um eine altersbedingte Verlängerung der Distanz zwischen Nase und Vermilion zu korrigieren oder um abgesunkene Mundwinkel anzuheben.
Zusammenfassung
Ein modernes Facelift ermöglicht eine natürliche Gesichtsverjüngung durch die ausgedehnte Mobilisation des SMAS entlang der tiefen Gewebsschichten. Trotz der höheren Invasivität ist die Operation bei entsprechender chirurgischer Erfahrung nicht mit einer erhöhten Komplikations-rate verbunden. Wird sie fachgerecht durchgeführt, sollten die klassischen Stigmata früherer Facelifttechniken der Vergangenheit angehören.
Literatur:
1 Furnas DW: The retaining ligaments of the cheek. Plast Reconstr Surg 1989; 83(1): 11-6 2 Minelli L et al.: Anatomy of the facial glideplanes, deep plane spaces and ligaments: implications for surgical and non-surgical lifting procedures. Plast Reconstr Surg 2024; 154(1): 95-110 3 Mitz V, Peyronie M: The superficial musculoaponeurotic system (SMAS) in the parotid and cheek area. Plast Reconstr Surg 1976; 58(1): 80-8 4 Minelli L et al.: The superficial musculoaponeurotic system: does it really exist as an anatomic entity? Plast Reconstr Surg 2024; 153(5): 1023-34 5 Mirontsev A et al.: Clinical anatomy of the ligaments of the face and their fundamental distinguishing features. Medicina (Kaunas) 2024; 60(5): 681 6 Lambros V.: Observations on periorbital and midface aging. Plast Reconstr Surg 2007; 120(5): 1367-76 7 Boehm LM et al.: Facial aging: a quantitative analysis of midface volume changes over 11 years. Plast Reconstr Surg 2021; 147(2): 319-27 8 Holländer E: Über Wiederherstellung kosmetischer Formveränderungen im Bereiche des Gesichtes. Arch Klin Chir 1901; 64: 201-14 9 Tonnard P et al.: Minimal access cranial suspension lift: a modified S-lift. Plast Reconstr Surg 2002; 109(6): 2074-86 10 Saylan Z: The S-lift: less is more. Aesthet Surg J 1999; 19(5): 406-9 11 Prado A et al.: A clinical retrospective study comparing two short-scar face lifts: minimal access cranial suspension versus lateral SMASectomy. Plast Reconstr Surg 2006; 117(5): 1413-25 12 Stuzin JM et al.: Extended SMAS dissection as an approach to midface rejuvenation. Clin Plast Surg 1995; 22(2): 295-31113 Barton FE Jr: The „high SMAS“ face lift technique. Aesthet Surg J 2002; 22(5): 481-6 14 Jacono A, Bryant LM: Extended deep plane facelift: incorporating facial retaining ligament release and composite flap shifts to maximize midface, jawline, and neck rejuvenation. Clin Plast Surg 2018; 45(4): 527-54 15 Litner JA, Adamson PA: Limited vs extended face-lift techniques: objective analysis of intraoperative results. Arch Facial Plast Surg 2006; 8(3): 186-90 16 Jacono AA, Parikh SS: The minimal access deep plane extended vertical facelift. Aesthet Surg J 2011; 31(8): 874-90
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