IMCAS – immer eine Reise wert!
Unser Gesprächspartner:
OA Dr. Thomas Rappl
Klinische Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie
Medizinische Universität Graz
Ärztlicher Leiter von MA-RA (Medical Aesthetic Research Academy), Graz/Wien/Aigen im Ennstal
E-Mail: info@ma-ra.at
Das Interview führte Dr. Christine Dominkus
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Der hochwissenschaftlich ausgerichtete Kongress, zu dem ausschließlich Ärzt:innen zugelassen sind, konnte auch in diesem Jahr wieder mit spannenden Themen aufwarten. Doch all die neuen Informationen sollten stets auch mit einem kritischen Blick hinterfragt werden, denn Fake ist ein immer größer werdendes Problem und stellt uns vor neue Herausforderungen, wie OA Dr. Thomas Rappl, Graz, im Interview berichtet.
Beachtliche 21700 Besucher verzeichnete der diesjährige IMCAS (International Master Course on Aging Science) World Congress, der Ende Jänner 2026 in Paris stattfand. Die meisten Teilnehmer kamen aus den romanischen Ländern – 2013 aus Frankreich, 1214 aus Italien und mehr als 1089 aus Spanien. Mit vergleichsweise wenigen Teilnehmern vertreten waren Deutschland mit 903 und Österreich mit 147 Besuchern. Interessant war der Umstand, dass die Industrie mit 27% stark präsent war, im Vergleich zu 23,4% Dermatolog:innen, fast 19% „medical doctors“ und „nur“ 8,2% plastischen Chirurg:innen. OA Dr. Thomas Rappl, Graz, war einer von Letzteren.
Was verbindet Sie persönlich mit dem IMCAS und mit der französischen ästhetisch-plastischen Chirurgie im Speziellen?
T. Rappl: Ich bin als Scientific Secretary maßgeblich an der Programmgestaltung beteiligt und seit vielen Jahren fixer Bestandteil des IMCAS-Teams. Der Kontakt wurde zu jener Zeit hergestellt, als ich als plastischer Chirurg in Paris gearbeitet habe. Daher bin ich auch Mitglied der Société Française de Chirurgie Plastique, Reconstructrice & Esthétique (SOFCPRE), also der französischen Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie.
Sie sind nicht nur Mitglied des IMCAS, sondern auch Koordinator der IMCAS-Alert-Group, die sich um Komplikationen im ästhetischen Bereich kümmert. Wie läuft das technisch ab?
T. Rappl: Ich habe mit Benjamin Ascher vor 8 Jahren diese Gruppe ins Leben gerufen, um Kolleg:innen in schwierigen Situationen (z.B. bei Komplikationen) so schnell und professionell wie möglich zu helfen. IMCAS-Alert hat nun nahezu 10000 Mitglieder. Diese Gruppe ist eine Non-Profit-Organisation, wo jeder Kollege, jede Kollegin anonymisiert einen Fall einbringen kann. Dieser wird unmittelbar von einem hochrangigen internationalen Panel diskutiert und Lösungsvorschläge werden angeboten.
Die Reaktionszeit beträgt ca. 30 Minuten nach dem Posting. Man muss sich vergleichsweise vorstellen, wie lange es dauern würde, mit dem Patienten bzw. der Patientin in ein Spital zu gehen und eine zielgerichtete Antwort zu erhalten.
In welchem Bereich sind Komplikationen am häufigsten? Filler? Facelifts? Mamma?
T. Rappl: Der Alert ist aus fünf Interessengruppen aufgebaut: plastische Chirurgie, Laser/„energy-based devices“ (EBD), genitale Behandlungen, Dermatologie und Injectables, wie Filler, Toxin und vieles mehr – das ist die größte und aktivste Gruppe. Das unterstreicht auch die Tatsache, dass die meisten Komplikationen im Bereich der Injectables liegen.
Kümmert sich der/die ursprüngliche Operateur:in selbst um die Komplikation?
T. Rappl: Im Idealfall kümmern sich die behandelnden Personen selbst um die Komplikationen. Leider ist das aber nicht immer der Fall, besonders wenn die Behandlungen im Osten oder in der Türkei durchgeführt wurden.
Sind Sie mit der österreichischen Teilnehmerzahl bei der Tagung zu-frieden oder hätten Sie sich mehr Besucher:innen erhofft?
T. Rappl: Da wir nun schon das zweite Jahr in Folge beim IMCAS World Congress ausverkauft sind, sehe ich die Lage entspannt. Österreichische Kolleg:innen zählen nun nicht zu den Reiselustigsten in Bezug auf Fortbildungen. Es sind auch nur sehr wenige der Kolleg:innen auf internationalen Bühnen anzutreffen bzw. haben dementsprechende internationale Reputation.
Worin sehen Sie die Unterschiede zwischen dem Aesthetic & Anti-Aging Medicine World Congress (AMWC), der heuer Ende März in Monaco stattfinden wird, und dem IMCAS World Congress?
T. Rappl: Der große Unterschied besteht in der stärkeren wissenschaftlichen Ausrichtung vom IMCAS World Congress. Außerdem sind zu den wissenschaftlichen Sessions beim IMCAS World Congress ausschließlich Ärzt:innen zugelassen. Beim AMWC sind es auch Pflegepersonal und Kosmetiker:innen.
Liegt beim IMCAS World Congress der Schwerpunkt mehr auf allgemeiner Wissenschaft zum Thema Alterungsprozess als beim AMWC?
T. Rappl: Der Schwerpunkt beim IMCAS World Congress ist auf jeden Fall ein wissenschaftlicherer als beim AMWC.
IMCAS veranstaltet auch Kongresse in Amerika, Asien und China. Ist das Programm mit dem europäischen IMCAS vergleichbar?
T. Rappl: Die Schwerpunkte sind überall gleich gesetzt. Die außereuropäischen Kongresse sind wesentlich kleiner als der Jahreskongress in Paris.
Gibt es Innovationen im Bereich der Ästhetik? Welche wären das?
T. Rappl: Wirkliche Revolutionen finden derzeit nicht statt. Jede Generation hat ihre Ups and Downs. Oft hat man den Eindruck, dass vieles, was schon vor Jahren am Markt war, nun in neuer Verpackung und mit neuen Versprechen wiederkommt. Bestes Beispiel: das Deep Plane Facelift – es wurde von den Kollegen Hamra und Mendelsson vor mehr als 20 Jahren beschrieben und kommt nun als die beste Neuerung wieder auf den Markt.
Vieles tut sich hingegen im Bereich der EBD. Hier kommen immer wieder neue und bessere Geräte auf den Markt, mit unterschiedlichen Versprechungen. Der Filler-Markt scheint dafür immer mehr gesättigt zu sein.
Welche Erkenntnisse gibt es im Bereich des „better aging“?
T. Rappl: Gott sei Dank werden die überspritzten Gesichter weniger, weil der Trend ganz deutlich in Richtung Lifestyle-Modifikation geht, kombiniert mit unterschiedlichsten Therapieregimen für die Haut im Sinne des Skin-Boostings.
Wurde auch das Thema Dr. Fake und Kurpfuscherei am Kongress erwähnt?
T. Rappl: Fake ist ein Problem, das immer größer wird. Dem entgegenzuwirken ist eine wahre Challenge!
Was haben Sie persönlich von dem diesjährigen Kongress für sich mitgenommen?
T. Rappl: Ich denke, das Wichtigste an solchen Kongressen ist es, zwischen Fake/Fiktion und Wahrheit zu unterscheiden. Ein kritischer Blick auf alles Neue ist enorm wichtig, um nicht falschen Versprechungen auf dem Leim zu gehen. Natürlich ist das Networking einer der wichtigsten Punkte auf diesen prestigeträchtigen Kongressen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Quelle
IMCAS World Congress, 29.–31. Jänner 2026, Paris
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