© uslatar - stock.adobe.com

Berge versetzen – Therapien optimieren – Strukturen gestalten

Einblick in die Jahrestagung der ÖGPRÄC 2025

Anfang Oktober findet bereits zum 63. Mal die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (ÖGPRÄC) statt – diesmal in Kitzbühel. Wir durften mit dem Co-Präsidenten der Jahrestagung, Ass. Prof. Dr. Dirk Hellekes, Wien, über die zu erwartenden Highlights sprechen.

Prof. Hellekes, worauf können wir uns bei der Jahrestagung freuen?

D. Hellekes: Für diese Jahrestagung lag unser Fokus auf Innovationen. Diese fließen natürlich in jeder Jahrestagung ein, diesmal haben wir uns aber intensiver solchen Themen wie Robotik, Virtual Reality oder 3D-Druck verschrieben. Daher wird es auch ein bisschen technikaffin. Sprich, wir werden neue Medizinprodukte vorstellen und nicht mehr nur reine OP-Techniken. Es wird z.B. eine Session zu Implantaten geben, aber auch zu Mammareduktionsplastiken – also ein bunt gemischtes Programm.

Gibt es Neuerungen im Vergleich zum letzten Jahr bzw. zu den letzten Jahren?

D. Hellekes: Ein uns sehr wichtiges Anliegen war bzw. ist die Ausweitung der Redezeit. In den letzten Jahren mussten wir aufgrund sehr vieler Einreichungen diesbezüglich Abstriche machen. Deshalb fängt der Kongress mit wissenschaftlichen Sitzungen bereits am Donnerstag an und wird sich auch am Samstag bis in den Nachmittag ziehen. Wir erhoffen uns davon, dass man auch Zeit zum Diskutieren hat. Es war uns wichtig, dass man mit den Teilnehmenden der entsprechenden Sessions bzw. mit den Referierenden in Diskussion treten kann, denn bislang hat dies eher im Anschluss an die Vorträge bei einem Kaffee stattgefunden – es sollen ja alle etwas von diesem Austausch haben.

Welche Punkte wurden bei der Programmgestaltung berücksichtigt?

D. Hellekes: Es ist natürlich immer eine Gratwanderung: Man versucht, neue Themen zu bringen und auch „alte Dinge“ zu besprechen. Unserem Kongresspräsidenten Prim. Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller und mir war es wichtig, dass wir auch Inhalte inkludieren, die über das Normale hinausgehen – insbesondere für die Kolleginnen und Kollegen, die in der Niederlassung tätig sind. Damit spreche ich explizit den Ästhetikbereich an. Und natürlich haben wir uns Keynote Speaker dazugeholt, die eine entsprechende Expertise in dem Bereich haben.

Es soll eine Veranstaltung sein, die nicht nur die Forschung und klinische Tätigkeit berücksichtigt, sondern ganz explizit die Kolleginnen und Kollegen aus der Ordination mit einbindet – die Teilnehmenden sollen etwas für ihre tägliche Arbeit mitnehmen, wo auch immer sie stattfindet. Ich glaube, heuer ist für jeden etwas dabei – ein spannendes Potpourri quer durch den fachlichen Gemüsegarten.

Sprechen Sie auch explizit den Nachwuchs an? Inwieweit wird dieser „mitgenommen“?

D. Hellekes: Es war uns tatsächlich auch ein Anliegen, dass wir sowohl die Kolleg:innen mit viel Erfahrungen um ihre Expertise bitten als auch fragen: Was machen denn die Jungen so?

Die Jungen sind heutzutage sehr interessiert unterwegs und erlangen ihre Kenntnisse bei Forschungs- und Bildungsveranstalten, aber auch über Videos auf YouTube oder Social Media, wo durchaus interessante Inhalte zu sehen sind. Und da man ja nicht alle Kliniken zum Hospitieren besuchen kann, finden sich im Netz Videos von Kolleg:innen aus der ganzen Welt. Man merkt übrigens schnell, ob die Person, die da zu sehen ist, kompetent auf ihrem Gebiet ist oder ob es um Selbstdarstellung geht. In der Ausbildung von unseren Kolleg:innen ist es ja eigentlich auch nicht anders. Die schauen uns alle über die Schulter, schauen, wie macht Kollege A, Kollegin B das. Den besten Weg für sich selbst muss man ohnehin mit der Zeit identifizieren, herausfinden, was einem am meisten zusagt, es für sich umsetzen und perfektionieren. Warum soll Fachliches nicht auch aus dem Internet kommen? Ist ja nichts Verwerfliches, solange die Qualität stimmt. Natürlich muss man ein Augenmerk darauf haben, dass nichts nachgeahmt wird, was nicht passt oder die eigenen Kenntnisse oder Fähigkeiten übersteigt. Das fällt in den Bereich Eigenverantwortung.

Wir haben mit dem Einbeziehen unterschiedlich erfahrener Vortragender versucht, alle Bereiche bzw. Ausbildungsgrade abzudecken. Natürlich gibt es immer Bereiche, die zu kurz kommen, aber das ist abhängig von den Einreichungen, die einlangen.

Wird es die SFU-Forschungspreise wieder geben?

D. Hellekes: Ja, die SFU-Forschungspreise wird es wieder geben! Leider sehen wir allerdings in den letzten Jahren eine abnehmende Anzahl von Einreichungen, was sehr schade ist. Die Idee hinter den Forschungspreisen war ja, junge Forschende zu unterstützen, die nicht einfach in den Drittmitteltopf hineingreifen können. Hätte es diese Preise zu meiner Ausbildungszeit schon gegeben, wäre ich froh gewesen, mir für Projekte zwei-, dreitausend Euro abholen zu können. Ich freue mich also, wenn sich in Zukunft wieder mehr junge Ärztinnen und Ärzte um die Preise bemühen.

Warum tagt die ÖGPRÄC dieses Jahr eigentlich in Kitzbühel?

D. Hellekes: In den letzten Jahren hat es sich etabliert, dass man nicht immer nur die Hotspots in Österreich als Kongressorte wählt, sondern tatsächlich auch einmal kleinere Ortschaften in Betracht zieht, wenn eine entsprechende Kongress-Infrastruktur besteht. Irgendjemand hat immer eine lange Anreise und so profitieren diesmal die Kolleginnen und Kollegen aus Westösterreich, aber auch diejenigen aus Deutschland. Gerade die Region um Kitzbühel ist ja auch im Herbst attraktiv, da kann man sich vor oder nach der Tagung ein paar Tage Zeit nehmen und die Gegend erkunden, wandern gehen etc. Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden?

Abb. 1: Im Rahmen eines sympathischen Videos, das auf der Kongresswebsite zu sehen ist, gibt das Organisationsteam einen Vorgeschmack auf Kitzbühel. A. Kongresspräsident Koller B. Co-Präsident Hellekes C. Die Kongresssekretär:innen Steinkellner, Edlinger und Fuchs (v.l.n.r.)

Wollen Sie noch Hintergrundinformationen zur Kongressorganisation mit uns teilen?

D. Hellekes: Kollege Koller und ich fungieren als Kongresspräsidenten. Als Kongresssekretär:innen unterstützen uns Dr. Magdalena Edlinger, Dr. Lara Steinkellner und Dr. Albert Fuchs. Wir haben die Arbeit geteilt, denn so einen Kongress kann man ja nicht alleine stemmen. Doz. Koller, Dr. Fuchs und ich haben das Programm auf die Beine gestellt, die Damen haben sich um den Kongressort und damit verbundene Dinge gekümmert. Wir haben natürlich mit con:concept und Mag. Birgit Kamholz jemanden, der schon sehr lange für uns diese Kongresse organisiert. Dies ist eine sehr wichtige Hilfestellung, denn wir können uns nicht um sämtliche Fragen kümmern, die ja auch Technisches oder das Catering umfassen. Wir sind ja alle „fulltime“ eingebunden. Trotzdem ist es für mich ein Privileg, mitgestalten zu dürfen. So etwas ist ja auch mit einem Lerneffekt verbunden – man nimmt immer etwas mit.

An dieser Stelle möchte ich im Namen der ÖGPRÄC auch den Sponsoren danken. Die Teilnahmegebühren und Mitgliedsbeiträge tragen einige der anfallenden Kosten, aber ohne die finanzielle Unterstützung durch unsere Sponsoren könnten wir diese Veranstaltung so nicht durchführen. Außerdem bringt sie einen Mehrwert für die Besucher:innen: Die Leute können vor Ort neue Produkte anfassen und mit den Vertreter:innen der Industrie ins Gespräch kommen.

Vielen Dank für das Gespräch und eine erfolgreiche Jahrestagung!
Back to top