
Jugendlich statt „schön“ um jeden Preis
Autorin:
Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera, MBA
Zentrum für Ästhetische Medizin
Klinik für Dermatologie
Medizinische Universität Graz
E-Mail: daisy.kopera@medunigraz.at
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Die ästhetische Medizin hat sich aus den Möglichkeiten der Medizin und den Wünschen der Menschen entwickelt. Die angebotenen Behandlungen haben eine Sonderstellung, denn viele davon sind keine medizinisch indizierten Heilbehandlungen, sondern sie werden bewusst auf Wunsch mit dem Einverständnis der Betroffenen durchgeführt.
Keypoints
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„Schlauchboot-Lippen“ sind out! Vielmehr wendet sich die ästhetische Medizin wieder realistischeren Absichten zu und fokussiert auf Lebensstil, Ernährung, Normalgewicht und Prävention der Alterungsprozessefür ein gesundes Altern.
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Dies verbunden mit bewährten wenig bis gar nicht invasiven Behandlungen wie Peeling, Needling, Lasertherapie, Radiofrequenz sowie der gekonnten Applikation von Neurotoxinen, Skin-Boostern und Fillern.
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Dabei darf die konsequente begleitende hauttypgerechte Hautpflege nicht fehlen.
Begriffliche Definition
Schönheit
Im digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache wird „schön“ beschrieben als „jemandes ästhetisches Empfinden sehr angenehm berührend, höchstes, bewunderndes Wohlbefinden hervorrufend“. Laut Wikipedia ist Schönheit ein „Attribut individuellen menschlichen Wohlgefallens“. Philosophisch gesehen ist Schönheit ein abstrakter Wert, das heißt, sie ist nicht die Wahrnehmung einer Tatsache oder eines Verhältnisses, sondern sie ist ein Gefühl, eine Zuneigung unserer Willens- und Wahrnehmungsnatur.
Jugendlichkeit
Auf die Lebensspanne bezogen ordnen wir die Jugend irgendwo zwischen dem 12. und 25. Lebensjahr ein. Im Oxford Dictionary wird „jugendlich“ einer Person zugeschrieben, welche die Frische und Kraft eines jungen Menschen hat und dies auch erkennen lässt. Laut https://wiki.yoga-vidya.de wird Jugendlichkeit in Verbindung gebracht mit der Offenheit und dem Mut, Neues auszuprobieren, zu seiner Meinung zu stehen, dies in Verbindung mit Schönheit, Gesundheit, Frische und Attraktivität. Glaubt man einer Marktforschungsstudie, so ergibt sich daraus die Ansicht, dass Jugendlichkeit Einstellungssache sei und mit dem Alter nichts zu tun habe, sie sei zu einer generellen Voraussetzung für „attraktives Leben“ avanciert.
Lernen aus der Vergangenheit
Historisch gesehen bedeuten Zeiten der Hochkonjunktur immer auch Zeiten der absurdesten Auswüchse. Das ist nicht nur heute so, das zieht sich durch alle Epochen und Weltgegenden. In unserer westlichen Konsumgesellschaft allerdings hat dies in den letzten Jahrzehnten zu einem wahren Körperveränderungskult geführt. Personen mit genügend finanziellen Ressourcen haben sich dank diverser plastisch- und dermatochirurgischer Verfahren nicht nur die Brüste zu abstrusen Ballons vergrößern lassen, auch Gesichter wurden beliebig verändert. Sogar die Genitalregionen blieben von „Verschlimmbesserungsversuchen“ nicht verschont. Ein abschreckendes Beispiel war die Schweizerin Jocelyn Wildenstein, die sich in den Kopf gesetzt hatte, wie eine Katze auszusehen, und nach vielen, teuren (nicht medizinisch indizierten) operativen Eingriffen schließlich völlig verunstaltet war (Bilder dazu im Internet, Suchbegriff: Katzenlady). Auch die mittlerweile bereits aus der Mode gekommenen „Schlauchboot-Lippen“ sind ein Auswuchs dieses Trends. Dafür war/ist nicht einmal großer finanzieller Aufwand verbunden, man muss nur jemanden finden, der oder die die notwendige Prozedur durchführt.
Wohin entwickelt sich die ästhetische Medizin 2025?
Die ästhetische Medizin besinnt sich mehr und mehr darauf, ganzheitlich Jugendlichkeit zu erhalten. Dazu braucht es keine entstellenden operativen Verfahren, sondern medizinisches Know-how und eine empathische Patient:innenbetreuung.
Unsere Patient:innen – so dürfen wir sie ruhig nennen, und nicht Klient:innen oder Kund:innen, wie in Auktionshäusern oder im Supermarkt – wünschen sich für die Verbesserung ihres Aussehens minimal-invasive Verfahren mit wenig oder gar keiner Rekonvaleszenzzeit („down-time“), damit sie aufgrund einer „Verjüngungsbehandlung“ nicht im täglichen Leben „aussetzen“ müssen. Sie wünschen sich seriöse Beratung und individualisierte Behandlungen, die ganz genau auf ihre persönlichen Wünsche eingehen. Das bringt mit sich, dass die Aufklärung über die jeweiligen Behandlungen sehr exakt auch über alle möglichen Nebenwirkungen informieren muss. Denn nur mit dem exakten Wissen darüber, worauf man sich mit welcher Behandlungsoption einlässt, kann man entscheiden, ob man das auch wirklich möchte. Individualisierte Behandlung erfordert möglichweise auch die Kombination unterschiedlicher Behandlungsoptionen, und das erfordert viel Know-how der Behandelnden (Abb.1a+b).
Durch technologischen Fortschritt und das immer größer werdende Angebot von Gerätschaften zur Behandlung von Alterungsveränderungen verfügen wir heutzutage über eine vielfältige Palette von Behandlungsoptionen, in denen längst nicht mehr jede:r sattelfest sein kann. Daher ist es empfehlenswert, sich als Behandler:in auf die Methoden zu spezialisieren, in denen man gut ist, und für andere Verfahren, in denen man nicht so gut trainiert ist, die Patient:innen weiterzuschicken. Dies in Hinblick auf Risikominimierung, denn nur dort, wo man sich sicher fühlt, kann man Pannen vermeiden, die dann womöglich vor Gericht landen könnten. Übergeordnete Voraussetzung ist in jedem Fall fachliche Kompetenz, und dies erfordert ständige Weiterbildung und kollegialen Austausch, z.B. bei Kursen oder Fachtagungen.
Etablierte Methoden, um die Haut jugendlich zu erhalten
Beratung
Eine in der medizinischen Ausbildung wenig berücksichtigte grundlegende Voraussetzung dafür, die Haut jugendlich zu erhalten, ist eine konsequente hauttypgerechte Hautpflege. Für diesbezügliche ärztliche Beratung sollte im ganzheitlichen Behandlungsplan auch entsprechend Zeit eingerechnet werden, die nach Vereinbarung mit einem pauschalen Tarif abgerechnet werden kann.
Hautpflege
Je nach Hauttyp in Bezug auf die Pigmentierung, aber auch auf die Talgproduktion sind dermatologisch getestete Hautpflegeprodukte auf dem Markt, die für alle gesundheitsbewussten Patient:innen geeignet sind. Dazu gehören für das Gesicht Reinigungsgels oder Waschcremen, feuchtigkeitsspendende Seren, Tagespflegeprodukte mit hohem UV-Filter und für die Nacht je nach Bedarf mehr oder weniger reichhaltige oder hautbildklärende Cremen (Tab.1). Die gewissenhafte Pflege der Haut am ganzen Körper sollte nicht in Vergessenheit geraten, denn jeder Wasserkontakt saugt Fette aus der Haut, die möglicherweise – vor allem mit zunehmendem Alter – nicht in ausreichender Menge nachgebildet werden. Deshalb ist je nach Austrocknung der Haut die rückfettende Pflege mit geeigneten Hautpflegelotionen mehrmals wöchentlich zur Prophylaxe der Xerosis cutis empfehlenswert (und das gilt auch für Männer!).
Täglicher UV-Schutz
Vor allem in UV-exponierten Körperregionen, in denen die chronologische (intrinsische) Hautalterung durch äußere Einflüsse verstärkt ist, kommt es früher oder später zu Pigmentunregelmäßigkeiten und durch die aktinische Elastose zur Bildung von Falten und Runzeln. Deshalb ist die tägliche Anwendung von Tagespflegeprodukten mit Lichtschutzfaktoren die einfachste und wichtigste Maßnahme zur Prophylaxe der Hautalterung. Nicht nur Sonnenexposition, die wir als solche wahrnehmen, beschleunigt die Hautalterung, auch Tageslicht hat UV-Anteil und wirkt chronisch auf alle exponierten Areale ein.
Zusätzliche Maßnahmen
Darüber hinaus gibt es bei Bedarf eine Reihe von minimalinvasiven Behandlungsmethoden, die sich in der seriösen ästhetischen Medizin zur Milderung bereits eingetretener Zeichen der Hautalterung bewährt haben. Idealerweise haben sie ein niedriges Nebenwirkungspotenzial, gehen mit nur geringen bis gar keinen Ausfallzeiten einher und führen zu sichtbaren und zufriedenstellenden Ergebnissen.
Dazu gehören die „Klassiker“: Botulinumtoxin, Hyaluronsäure-Filler, mechanische und chemische Peelings, diverse Laseranwendungen und alle minimalinvasiven Methoden zur Kollagenstimulation.
Literatur:
bei der Verfasserin
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