Thoraxtrauma im Fokus
Autor:
Dr. Moritz Katzensteiner
Abteilung für Orthopädie und
orthopädische Chirurgie
Ordensklinikum Linz
E-Mail: moritz.katzensteiner@outlook.com
Dank des Förderstipendiums der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie (ÖGU) durfte ich vom 26. bis 28. April 2026 am 25. European Congress of Trauma and Emergency Surgery (ECTES) teilnehmen und dort unsere Linzer Daten zum Thoraxtrauma präsentieren.
Unter dem Motto „TEAM – Together Each Achieves More“ versammelte sich die internationale Trauma- und Notfallchirurgie in Stockholm. Drei Tage intensiver Austausch zeigten dabei eindrücklich, wohin sich die moderne Polytraumaversorgung entwickeln wird. Dass der ECTES darüber hinaus heuer zum zweiten Mal gemeinsam mit dem World Trauma Congress (WTC) stattfand, machte die Veranstaltung zu einem besonders dichten Treffpunkt: Kolleg:innen aus allen Kontinenten diskutierten über Diagnostik, Versorgungsstrategien und Outcomes in der Akutversorgung Schwerverletzter. Der Kongresstitel war dabei Programm – kaum ein Bereich verdeutlicht so klar wie die Polytraumaversorgung, dass exzellente Ergebnisse nur im interdisziplinären Team gelingen.
Präsentation der Linzer Daten
Im Rahmen der Oral Session 9 durfte ich unsere Arbeit „Thoracic trauma drives mortality in polytrauma – insights from a decade of experience at the trauma center Linz“ vorstellen. Auf Basis eines Jahrzehnts an Versorgungsdaten konnten wir den entscheidenden Beitrag des begleitenden Thoraxtraumas zur Gesamtmortalität polytraumatisierter Patient:innen herausarbeiten. Die anschließende Diskussion bestätigte die klinische Relevanz dieser Fragestellung – und lenkte den Blick zugleich auf eine Entwicklung, die mich auf diesem Kongress besonders begeistert hat.
Ein Blick in die Zukunft
Die Zukunft der Polytraumaversorgung wird zunehmend biomarkerbasiert sein. Zahlreiche nationale und internationale Maximalversorger haben einen wesentlichen Forschungsschwerpunkt darauf gelegt, Biomarker zu identifizieren, die einen komplexen Verlauf bei schwerstverletzten Patient:innen frühzeitig vorhersagen. Dabei wird allen voran eine zunehmende interdisziplinäre Zusammenarbeit mit beispielsweise der internistischen wie auch labormedizinischen Abteilung propagiert. Gerade hier wurde das Kongressmotto unmittelbar greifbar: Bessere Outcomes entstehen dort, wo Disziplinen zusammenarbeiten. Ebenso beeindruckend für mich war die „Champions League des Polytraumas“, in der unter anderem Prof. Dr. Lukas Negrin den Vorsitz innehatte. Drei Fälle aus unterschiedlichen Nationen wurden von Expert:innen der Orthopädie und Traumatologie, der Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie der Traumachirurgie bearbeitet und diskutiert. Dabei zeigte sich der klare Vorteil eines strukturierten Vorgehens.
Die amerikanischen Kolleg:innen verfolgen ein stark algorithmenbasiertes Verständnis der Polytraumaversorgung, das gerade in Hochrisiko- und Hochspannungssituationen eine spürbare Vereinfachung und Sicherheit bietet. Die orthopädisch-traumatologische Fraktion – unter anderem vertreten durch Prof. Dr. Paul Puchwein – betonte die Wichtigkeit einer frühzeitigen Stabilisierung blutungsgefährdeter Hochrisikofrakturen wie der instabilen Beckenringfraktur. Die zentrale Botschaft: Die akute Lebensbedrohung geht von der Blutung aus, nicht unmittelbar von der Fraktur selbst. Dennoch braucht es ein strukturiertes Vorgehen – fast wie in einem Orchester –, um nach adäquater Blutungskontrolle die Risikofrakturen rechtzeitig zu versorgen.
Fazit
Mindestens genauso bereichernd wie das wissenschaftliche Programm waren die persönlichen Begegnungen. Es freute mich sehr, in Stockholm auf eine starke österreichische Delegation zu treffen und gemeinsam mit eigens angereisten Kolleg:innen Teil dieses internationalen Austauschs zu sein. Genau dieser interdisziplinäre und länderübergreifende Geist macht für mich den besonderen Wert dieser Veranstaltung aus. Mein besonderer Dank gilt Priv.-Doz. Dr. Georg Mattiassich, Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses der AUVA in Linz, der mich in jeglicher Hinsicht unterstützt. Ebenso möchte ich mich bei Prof. DDr. Reinhold Ortmaier, Vorstand der Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am Ordensklinikum Linz, bedanken – seine Unterstützung und starke Förderung ermöglichen erst eine Freistellung sowie Teilnahme an internationalen Kongressen. Mein wissenschaftliches Interesse sowie klinischer Fokus werden wesentlich von diesen beiden Persönlichkeiten geprägt. Nicht zuletzt und ganz besonders danke ich der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie, die mir mit ihrem Förderstipendium die Teilnahme erst ermöglicht hat.
Ich nehme zahlreiche fachliche Impulse, neue Kontakte und viel Motivation mit nach Hause – und freue mich bereits auf den nächsten ECTES, der 2027 unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Hans-Christoph Pape in Zürich stattfinden wird.
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